Teslas Chef Elon Musk scheint ein Motto besonders zu leben: schlechte Neuigkeiten sind besser als gar keine. Für Negativschlagzeilen sorgt Musk häufig selbst. Er schreibt freilich nicht schlecht über sein eigenes Unternehmen. Dafür aber haben seine Aussagen oftmals negative Folgen.

Als Musk schrieb, dass Tesla möglicherweise von der Börse genommen wurde, sorgte das für Aufsehen. Es war sicherlich positiv gemeint. Immerhin könnte sich Tesla dann mehr auf das Wesentliche konzentrieren. Aktuell wird Quartal um Quartal festgestellt, dass Tesla seine Ziele bestenfalls teilweise erreicht und hunderte Millionen an Cash verbrennt.

So nobel die Idee auch gewesen sein mag, so problematisch sind die Folgen. Die Börsenaufsicht SEC untersucht nun, ob sich Musk zu weit aus dem Fenster gelehnt hat. Immerhin hat er behauptet, dass die Finanzierung bereits steht. Ob das stimmt wird nun untersucht.

Gleichzeitig organisieren sich Anleger, um Tesla und Musk zu verklagen. Es handelt sich um Anleger, die die Aktie leerverkauft haben. Durch Musks Tweet gewann die Aktie zeitweise 12 %. Wer auf der Shortseite positioniert war, verlor zumindest kurzfristig viel Geld. Der Vorwurf ist nun, dass Musk die Privatisierung von der Börse ins Spiel gebracht hat, um die Shortseller zu vertreiben.

Das alles zu beweisen wird schwierig. Auch die Shortseller werden so schnell nicht verschwinden. Die Aktie leerzuverkaufen ist allerdings ein klein wenig heikler geworden. Würde Tesla von der Börse genommen und könnten, wie vorgeschlagen, Anleger ihre Aktien zu 420 Dollar verkaufen, wird sich der Kurs dorthin bewegen.

Ebenso müssen Shortseller Aktien ausleihen, um sie verkaufen zu können. Wartet nun alle Welt auf den Auskauf, wird das Ausleihen schwieriger, sprich, teurer. Da fast 18 % aller Tesla Aktien für Leerverkäufe genutzt werden, ist die Ankündigung wirklich problematisch, insbesondere, wenn sich das alles als Finte herausstellt.

Tesla ist eine der größten Shortpositionen im Markt (siehe Grafik). Aktien im Wert von 10 Mrd. wurden leerverkauft. Dieser Wert wird lediglich von zwei Unternehmen übertroffen: Alibaba (25 Mrd.) und Nvidia (28 Mrd.). Generell werden Technologieaktien gerne geshortet. Bei Amazon sind Anleger mit fast 9 Mrd. dabei.

Der Wert der verkauften Aktien ist hoch. Prozentual gesehen ist es bei vielen Unternehmen wenig. Apple ist die fünftgrößte Shortposition im Markt, allerdings entspricht dies weniger als 1 % aller ausstehenden Aktien. Bei einer so hohen Marktkapitalisierung wie bei Apple kommt natürlich auch bei winzigen Prozentsätzen sehr viel Wert zusammen.

Prozentual gesehen hält sich auch der Short auf Tesla in Grenzen. Es gibt Unternehmen, bei denen mehr als 50 % aller Aktien für Shorts verwendet werden. Die Marktkapitalisierung ist jedoch sehr viel geringer, sodass es diese Unternehmen nicht auf die Liste schaffen.

Interessant ist die Tatsache, dass hohe Shortquoten und hohe Geldbeträge vor allem bei den neueren Technologieunternehmen anfallen bzw. Unternehmen, die gerade in sind. Die alte Riege im Technologiesektor, z.B. Qualcomm, Adobe oder Texas Instruments werden kaum geshortet. Das zeigt wie gespalten das Anlegerlager ist. Entweder liebt man die Tech-Werte oder man verachtet sie – so scheint es.