Hannover (Godmode-Trader.de) - Tesla-Gründer Elon Musk hat seine komplette Entmachtung in dem Unternehmen nur knapp verhindern können. In letzter Minute schloss der Konzern einen Vergleich mit der Börsenaufsicht SEC. Musk bleibt dadurch der Vorstandsvorsitzende des Elektroauto-Konzerns. Er muss aber seine Position als Verwaltungsratsvorsitzender für mindestens drei Jahre aufgeben und 20 Mio. Dollar Strafe zahlen – so wie auch das Unternehmen. Außerdem verpflichtet sich der Konzern, Kontrolleure im Verwaltungsrat zu installieren, die Musks Kommunikation mit Investoren und seine Entscheidungen auf etwaige Interessenskonflikte prüfen sollen.

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    Die Entmachtung ist Folge vermeintlich falscher und irreführender Twitter-Nachrichten bzgl. eines Übernahmeangebotes zu 420,00 US-Dollar je Aktie für Tesla durch einen angeblichen Investor, dessen Finanzierung gesichert sei. Kurze Zeit später musste Musk zurückrudern und eingestehen, dass der Rückzug von der Börse nicht zu realisieren sei. Tesla fiel in den letzten Wochen vermehrt mit negativen Meldungen auf, die in der Regel auf Eskapaden des CEO Elon Musk zurückzuführen waren. Unter anderem rauchte Musk vor einigen Tagen in einem Interview vor laufender Kamera Marihuana, was von der Börse wenig begeistert aufgenommen wurde. In der Folge fiel der Kurs der Tesla-Aktie zeitweise um mehr als 9 Prozent. Zudem wurde seinerzeit das Ausscheiden von zwei Tesla-Managern bekannt. Der Chefbuchhalter Dave Morton und die Personalchefin Gaby Toledano verlassen das Unternehmen. Ferner werden immer wieder Meldungen bekannt, dass es umfangreiche Probleme bei der Produktion des Model 3 gibt.

    Die amerikanische Börsenaufsicht scheint Ernst zu machen, wie NordLB-Analyst Frank Schwope in einer aktuellen Studie schreibt. Die Tage von Elon Musk als CEO könnten gezählt sein. „War Musk jahrelang das Zugpferd für Tesla, so ist er seit einigen Monaten mehr und mehr zur Belastung für das Unternehmen geworden“, so der Autoexperte. Möglicherweise sei er der beste Chief Marketing Officer für den Konzern. Und Tesla wäre mit einem anderen, starken CEO besser aufgestellt. Infolge einer Ablösung rechnet Analyst Schwope mit dem Bekanntwerden weitreichenderer Probleme bei Tesla. „Schwierigkeiten in der Produktion des Model 3 sollten ebenso wenig überraschen wie der Bedarf an frischem Kapital im nächsten Jahr“.


    Von ursprünglich geplanten 500.000 Autos im Jahr 2018 dürfte Tesla seines Erachtens lediglich 220.000 bis 270.000 Einheiten schaffen. Zudem müsse der Konzern erst noch beweisen, dass er mit dem Model 3 auch tatsächlich Geld verdienen könne, und dass das Fahrzeug qualitativ hochwertig sei. Schwope rechnet damit, dass Tesla sowohl in diesem Jahr als auch im Jahr 2019 noch rote Zahlen schreiben wird.

    Ein Schnitt und Neuanfang bei Tesla dürfte dem Unternehmen gut tun, da ein neuer CEO etliche Probleme aufdecken, angehen und beheben könnte, die der Visionär Musk verdrängt habe.