Das dürfte ein gefundenes Fressen für alle Verschwörungstheoretiker sein: Das Weltwirtschaftsforum in Davos, jährlich Treffpunkt und Sprachrohr der Superreichen und Mächtigen dieser Welt, wird im kommenden Jahr unter dem Motto "The Great Reset" (deutsch: "Der große Neustart" oder auch: "Das große Zurücksetzen") stehen.

Der Gründer des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, hat in einem gleichnamigen Buch, das er zusammen mit Thierry Malleret verfasst hat, auch gleich den Rahmen abgesteckt: Die Welt brauche nach der Corona-Pandemie nicht weniger als eine globale Neuordnung der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

https://www.youtube.com/watch?v=8rAiTDQ-NVY

Im Kern des angestrebten "Great Reset" steht nicht weniger als die Forderung, dass die Weltwirtschaft sozialer und grüner werden müsse und der Kapitalismus tiefgreifender Reformen bedürfe. Auf der Website des WEF wird sogar gefordert: "Kapitalismus und Sozialismus müssen verschmelzen".

In einem Podcast behauptet Schwab, dass eine Rückkehr zum alten Status quo nach der Krise unmöglich sei. "Das ist Fiktion, das wird nicht passieren", sagt Schwab und benennt anschließend fünf Prioritäten für den globalen Reset:

  • Ein neuer sozialer Vertrag, der weltweiten sozialen Ausgleich und Generationengerechtigkeit beinhaltet.
  • Dekarbonisierung der Weltwirtschaft
  • Digitalisierung aller Lebensbereiche
  • Übergang von einem Shareholder-Kapitalismus, der sich nur auf die Belange der Aktionäre konzentriert, zu einem Stakeholder-Kapitalismus, der die Belange aller Betroffenen berücksichtigt und Übergang von einer kurzfristigen zu einer langfristigen Unternehmensplanung.
  • Eine viel stärkere globale Kooperation.

Vieles, von dem was das WEF benennt, klingt gut und unterstützenswert. Wer will nicht die globalen Ungerechtigkeiten beseitigen und die Welt nachhaltiger und grüner gestalten? Skeptisch stimmen sollte allerdings die Tatsache, dass ausgerechnet das Weltwirtschaftsforum als Sprachroh der Elite nun radikale soziale und ökologische Reformen fordert.

Zur Wahrheit gehört auch: Der globale Kapitalismus hat in den vergangenen Jahrzehnten Milliarden Menschen aus der Armut befreit, wie etwa der Historiker Dr. Dr. Rainer Zitelmann in einem sehenswerten Vortrag unter dem Titel "Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung" erläutert. Gleichzeitig hat der Kapitalismus technologische Innovationen hervorgebracht, die gerade beim Versuch, die Welt ökologischer und sozialer zu gestalten, unabdingbar sind.

https://www.youtube.com/watch?v=qj7YGgNyaj4

Der Wohlstand, den die meisten Menschen in den westlichen Ländern heute genießen, ist zu einem großen Teil eine Folge des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Auch andere Länder, die kapitalistische Reformen umsetzten, wie etwa China ab Beginn der 80er Jahre, haben riesige Wohlstandsgewinne durch Stärkung des Marktes und ein Zurückfahren des Staatsappartes verbucht.

Wenn ausgerechnet das Weltwirtschaftsforum jetzt zu einer Reform des globalen Kapitalismus aufruft, sollte das zumindest nachdenklich stimmen. Eine stärkere soziale Komponente (wie in der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland) und eine stärkere Beachtung ökologischer Kriterien im Wirtschaftsleben sind sicher wünschenswert. Zugleich dürfen aber die Vorteile des kapitalistischen Systems (wirtschaftliche Freiheit und Selbstbestimmung, Offenheit für neue Ideen und Konzepte, hohe Produktivität) nicht zerstört werden. Es bleibt abzuwarten, ob die weltweite Elite hier die richtige Balance findet und die soziale Sicherheit erhöht werden kann, ohne die wirtschaftliche Freiheit abzuschaffen.

So oder so sollte die Diskussion aber nicht nur auf dem Weltwirtschaftsforum, sondern vor allem in den Parlamenten und an den Stammtischen geführt werden. Schließlich leben wir noch immer in einer Demokratie, in der alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht, wenn man dem Grundgesetz glauben darf. Es ist sicher legitim, wenn die globale Elite Denkanstöße liefert. Wichtiger sind aber die Konzepte und Ideen, die aus der Mitte der Gesellschaft kommen, von "ganz normalen Menschen" überall auf dem Planeten.

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