Das Börsenjahr 2013 ist schon wieder Geschichte und hat mit einem Zugewinn von mehr als 25 Prozent sogar die fast unglaublichen 29 Prozent aus dem Vorjahr getoppt, in dem es in der zweiten Jahreshälfte 2012 fast nur noch nach oben ging. Ob sich die künstlich von der Politik der Notenbanken seit eineinhalb Jahren herbeigeführte Extrem-Hausse auch 2014 so ohne weiteres fortschreiben lässt, darf zumindest angezweifelt werden, auch wenn manche Berufsoptimisten schon ein neues Börsenzeitalter mit DAX-Ständen von 20.000 Punkten und mehr ausrufen.

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Vom Verhalten der „Institutionellen“ profitieren

In jedem Fall dürfte sich der eine oder andere Anleger zwischen den Jahren Gedanken über seine weitere Investment-Strategie gemacht haben. In diesem Zusammenhang könnte sich auch der Blick auf das Anlageverhalten institutioneller Investoren lohnen, die über das Jahr gesehen häufig im Januar relativ mutig die Verlierer-Aktien der zurückliegenden zwölf Monate, die noch entsprechendes Aufholpotential besitzen, bevorzugen und zur Jahresmitte dann sukzessiv in die Gewinner-Titel des ersten Halbjahres umschichten, um sich von ihren Klienten nicht am Ende vorwerfen lassen zu müssen, sie hätten auf das falsche Pferd gesetzt. Dieses als „Window-Dressing“ bekannte Verhalten konnte man auch diesmal wieder sehr gut kurz vor dem Jahreswechsel beobachten, als der DAX wie von der Tarantel gestochen innerhalb von wenigen Tagen allerdings bei geringen Umsätzen fast 600 Punkte zulegte und das ein oder andere bereits sehr gut gelaufene Papier noch weiter in die Höhe schoss.

Top-Flop-Strategie überzeugt langfristig

Das Wirtschaftsmagazin „€uro“ hatte vor knapp zwei Jahren verschiedene Anlagestrategien bezogen auf den DAX, darunter auch den geschilderten Top-Flop-Ansatz rückblickend bis 1989 untersucht und mit einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 13,1 Prozent bis dahin als beste Auswahl-Strategie identifiziert. Der deutsche Leitindex hatte zum Vergleich in dem 23-jährigen Zeitraum nur eine Rendite von 6,7 Prozent p.a. erzielt. Wichtig ist bei der Vorgehensweise, dass die fünf Flop-Aktien bzw. „Ducks“ of the DAX nur bis zur Jahresmitte gehalten werden und dann konsequent in die ebenfalls fünf Top-Werte umgeschichtet wird. Denn wer das ganze Jahr über in den fünf Vorjahresverlieren investiert war, kam laut „€uro“-Analyse nur auf einen durchschnittlichen Gewinn von 7,5 Prozent p.a. bei einer sehr hohen Volatilität. Mit dieser müssen Anleger aber auch bei „Top-Flop“ leben, da sie sich zumindest während der ersten Jahreshälfte in besonders schwankungsstarken Werten engagieren. In diesem Jahr gehören dazu die durch Aufkündigung der Vertriebsallianz von Uralkali mit Belaruskali und der dadurch befürchteten massiven Abwärtsspirale beim Kalipreis stark abgestürzten K+S-Aktie, die sich zuletzt wieder etwas erholen konnte, 2013 aber ein Minus von über 36 Prozent aufwies. Auch der Spezialchemie-Hersteller Lanxess mit einem Kursverlust von knapp 27 Prozent gehört zu den ausgewählten „Nieten“, daneben mit den noch immer unter der Energiewende ächzenden Versorgern RWE (-14,80 Prozent) und E.ON (-4,80 Prozent) die üblichen Verdächtigen, sowie der Dauerpflegefall ThyssenKrupp, der 2013 insgesamt aber nur ganz knapp ins Minus rutschte und sich langsam wieder auf dem Wege der Besserung befindet. Wer auf dieses Portfolio setzt, muss also schon ein gutes Nervenkostüm mitbringen.

Discounter auf volatile Verlierer-Aktien

Anleger, die die Top-Flop-Strategie deshalb nicht über ein Direktinvestment umsetzen möchten, könnten stattdessen über einen Zertifikate-Ansatz etwas mehr Sicherheit einbauen und bei den fünf Flop-Vertretern auch noch die hohe Volatilität nutzen. Infrage kommen dabei vor allem entsprechende Discounter, da Bonus-Papiere auch mit Cap für den relativ kurzen Zeitraum meist nur relativ wenig Spielraum bieten. Die offensivere Variante wären Sprint-Zertifikate, die sich gerade für höhere Schwankungen eignen, aber häufig auch mit einem gewissen Aufgeld verbunden sind. Greift man zur Discount-Alternative, muss man sich genau überlegen, welche Rendite-Chancen man den einzelnen Aktien in den nächsten sechs Monaten zutraut. Wählt man dabei eine zu hohe Sicherheitsstufe, bleibt nach oben wenig Spielraum für eine möglicherweise stärkere Aufholbewegung, entscheidet man sich dagegen für einen sehr geringen Discount, könnte man evtl. auch gleich ein Direktinvestment präferieren, bei dem anders wie bei den Zertifikaten auch die Dividenden Berücksichtigung finden, die gerade bei den beiden Versorger-Titeln mit ca. vier Prozent zu Buche schlagen. In Folgendem wurde für alle fünf Werte ein moderater Discount von gut fünf Prozent ausgesucht, der noch ein erhebliches Potential bietet. Um etwas mehr Spielraum nach oben zu haben wurde für Lanxess und ThyssenKrupp eine etwas längere Laufzeit bis September 2014 gewählt, so dass bei regelkonformer Umsetzung der Strategie Ende Juni ein vorzeitiger Ausstieg erfolgen sollte. Bei den übrigen Werten entspricht die Laufzeit genau der Vorgabe. Höhere Discounts wären mit entsprechend stärkeren Einbußen bei der Maximalrendite verbunden, die sich ebenfalls mit längeren Laufzeiten aufhübschen lassen. Allerdings muss dabei bedacht werden, dass sich der Zeitwert der geschriebenen Options-Komponente erst zur Fälligkeit hin überproportional stark abbaut. Der Top-Flop-Strategie folgend, sollte das Discount-Portfolio auf die Flop-Werte zur Jahresmitte in ein Depot umgeschichtet werden, dass die fünf Top-Aktien des ersten Halbjahrs enthält. Auch hierfür kann wieder evtl. auf eine passende Struktur wie z.B. kurzläufige Sprint- oder Bonus-Cap-Produkte zurückgegriffen werden.

Ausgewählte Discounter auf die fünf Flop-Aktien des Vorjahres:

WKN

Emi.

Basiswert

Cap

Discount

Rendite max.

Bewertungstag

DX3U4Z

DB

K+S

24 €

5,33 %

20,37 %

24.06.14 

CZ1KYN

COBA

Lanxess

53 €

5,26 %

17,31 %

25.09.14 

BP9S9W

BNP

RWE

29 €

5,30 %

19,39 %

26.06.14 

CK4X4H

COBA

E.ON

14,80 €

5,28 %

18,59 %

26.06.14 

PA0MTY

BNP

ThyssenKrupp

19,50 €

5,25 %

16,21 %

25.09.14 

Der BörseGo Tipp:

Die Strategie, im DAX nach einem bestimmten Plan abwechselnd auf Verlierer- und Gewinner-Aktien zu setzen, kann sich langfristig auszahlen, auch wenn sie nicht ganz risikolos ist. Zertifikate-affine Anleger können insbesondere bei den schwankungsstarken Versager-Titeln entsprechende volatilitäts-sensitive Strukturen wie Discounter präferieren. Um den Renditevorsprung des Top-Flop-Ansatzes gegenüber einem dauerhaften Indexinvestment sicherzustellen, sollte die Auswahl-Strategie in jedem Fall konsequent umgesetzt werden.

Autor: Armin Geier, http://www.godmode-trader.de/zertifikate