In ziemlich genau vier Monaten findet die Wahl zum 18. Deutschen Bundestag statt. Auch wenn es abgedroschen klingt – der Ausgang war nahezu noch nie so spannend und gleichzeitig wichtig wie dieses Jahr. Es geht fünf Jahre nach Ausbruch der Euro-Banken-Wirtschafts-Währungs-Finanz-Krise nämlich um die Frage, welcher Weg künftig in der EU eingeschlagen wird. Das ist maßgeblich davon abhängig, wer in Deutschland künftig die Regierung stellt.
Angela Merkel mag in Europa nicht sonderlich beliebt sein, aber sie war bisher ein Garant dafür, dass es Leistungen für Krisenländer nur bei Gegenleistung in Form von Reformbemühungen gab. Diese als Austeritätspolitik gebrandmarkten Maßnahmen sind zwingend notwendig, um die völlig aus dem Ruder gelaufenen Staatsapparate Europas zurechtzustutzen. Ebenso muss in einem einheitlichen Währungsraum dafür gesorgt werden, dass die Produktivitätsunterschiede nicht zu groß werden, weil den Euroländern das Mittel der Währungsabwertung, das früher als Ventil zur Verfügung stand, entzogen wurde.

Solche Einschnitte bedeuten schwere Schmerzen. Die Wirtschaft schrumpft, die Arbeitslosigkeit steigt. Aber die Wende wird kommen, wenn man den Weg lange und konsequent genug geht. Es ist innerhalb des Euro schwieriger als mit eigener Währung, aber es ist möglich. Nicht zuletzt bietet die Krise eine seltene Chance Reformen durchzuführen, die in normalen Zeiten undenkbar wären. Allerdings steht Merkel-Deutschland mit seinen Ansichten inzwischen nahezu allein auf weiter Flur. Der Großteil der Euroländer möchte den Sparkurs lieber gestern als morgen aufgeben und endlich mal wieder nach altkeynesianischer Art die Wirtschaft anfeuern. Am besten massive staatliche Konjunkturprogramme, neue Schulden machen und die Lösung der die Krise mindestens mit verursachenden Schuldenprobleme mal wieder nach hinten schieben.

Und hier sind wir wieder bei der Richtungsentscheidung, die im September ansteht. Denn nach allem, was man aus der Opposition hört, wird auch Deutschland diesen gefährlichen Weg beschreiten, wenn die Union/Merkel nicht mehr an der Macht sind. Dann werden endgültig alle Schleusen geöffnet, und dann kommen wohl auch irgendwann Eurobonds. Dann ist Deutschland endgültig der Schuldner of Last resort.

Die jüngsten Umfrageergebnisse („Sonntagstrend“) zeigen ein beängstigendes Bild. Union 39%, SPD 26%, Grüne 15%, Linkspartei 7%, FDP 4%, AfD 3%.
Legt man diese Prognose zugrunde, wäre Schwarz-Gelb am Ende. Rot-Grün hat aber auch keine Mehrheit. Kanzlerkandidat Steinbrück würde zwar wahrscheinlich mit der Linkspartei nicht koalieren, aber auch sehr ungern mit der Union – denn dann wäre die SPD erneut Juniorpartner einer großen Koalition. Deswegen wäre es nicht unwahrscheinlich, dass Steinbrück hinwerfen würde und der größte Opportunist, den die Republik kennt - Sigmar Gabriel - Kanzler würde. Mit den Grünen und der Linkspartei als Königsmacher. Etwas Schlimmeres für Deutschland kann man sich kaum vorstellen. Alternativ wäre noch Schwarz-Grün denkbar und auch besser als obige Alternative, das erscheint aber im Moment schwer vorstellbar.

Selbst wenn man sich nicht für Politik interessiert und eigentlich nur in Ruhe traden möchte, kann einem der Ausgang der Wahl nicht egal sein. Denn es drohen übelste Maßnahmen: Drastische Heraufsetzung der Abgeltungsteuer (SPD plant 32%), saftige Einkommensteuererhöhungen (Spitzensteuersatz soll auf 49% steigen) und mit einer roten Regierung dürfte eine Finanztransaktionssteuer verschärften Ausmaßes vor der Tür stehen. Das gesamte Thema Spekulation, und Trading ist ja letztlich nichts anderes, stünde gewissermaßen vor der politischen Ächtung. Trader, hört die Signale…