Obschon Trading über die Jahre für manche mehr als nur eine Obsession geworden ist oder wird, nämlich eine Profession, werden es die meisten wohl niemals schaffen, beim Trading dauerhaft ihr Kapital zu schützen, geschweige denn es nachhaltig zu vermehren. Nur wenige, die diesen Artikel jetzt gerade lesen, dürften und werden überhaupt jemals profitabel am Finanzmarkt agieren, denn sonst hätten sie vermutlich die Headline nicht einmal angeklickt. Das soll aber kein Vorwurf sein, sondern ist ein gängiger Makel, den man sich aber eher ungerne eingesteht und noch unangenehmer ist die Ursachen-Forschung, denn am Ende kommt dabei immer eigenes Verschulden zum Vorschein, mal mehr mal weniger, mal leicht bis grob fahrlässig und manchmal gar vorsätzlich.

Alle Personen, die jetzt noch weiterlesen, sind vermutlich schon einen Schritt weiter als viele weniger erfolgreiche Trader, denn sie möchten dazu lernen und an sich arbeiten und zwar aus eigenem Antrieb und ohne Zwang. In den folgenden Artikeln (es werden ein paar mehr, also eine ganze Reihe) werden viele Dinge angesprochen, die auf den ersten Blick zwar nicht zwingend mit dem Börsenerfolg in einen Zusammenhang gebracht werden, es aber sehr wohl sind bzw. sein können. Manche sind nicht ganz so elementar wichtig anderer wiederum umso mehr. Da aber der Erhalt und das Vermehren der persönlichen Kapital-Basis eine ernste Angelegenheit sind, sollte man sie meiner Meinung nach auch entsprechend ernsthaft angehen und betreiben. Wenn auch nur ein kleines Zahnrad in einem komplexen System etwas klemmt oder hakt, kann das erheblichen Einfluss auf die Funktionalität des Gesamtgebildes haben.

In loser Abfolge, ohne zunächst eine Wertung vorzunehmen, welcher der Punkte denn nun eine hohe oder geringe Relevanz für den Erfolg besitzt, erfolgt nun zunächst eine Stichpunkt-Übersicht samt kurzen Erläuterungen dazu. Jeder einzelne Punkt benötigt wohl später einen eigenen Artikel, um angemessen darauf eingehen zu können. Ein paar der Punkte können dabei aber wohl zusammen abgehandelt werden, weil zwischen ihnen ein gewisser Zusammenhang besteht. Eventuell kommen im Verlauf der Artikel-Reihe sogar auch noch weitere Punkte hinzu, die ich aktuell einfach übersehen habe, weil bei mir persönlich nach über 20 Jahren natürlich vieles schon zu einem Automatismus geworden ist, bei dem viele Prozesse einfach so ablaufen und ineinander greifen, ohne dass ich mir da tatsächlich noch großartig Gedanken darüber machen muss. Ab einem gewissen Punkt ist auch beim Trading und Analysieren alles nur noch Routine.

  1. Der Antrieb - Warum möchte jemand überhaupt traden? Was soll der Zweck, Drang und Antrieb dahinter sein? Es ist immer wichtig zu wissen, was einen umtreibt, Trading kann oftmals demotivierend sein und Frust generieren, wenn man weiß, warum man es dennoch betreibt, kann das hilfreich sein, seine Gefühlswelt in die richtigen Bahnen zu lenken.
  2. Die Psyche - Wer schon einmal größere Summen in einem Casino am Roulette-Tisch oder beim Pokern oder Black Jack-Spiel eingesetzt hat, kennt den Nervenkitzel und das Gefühlsbad der Emotionen dahinter, schnell wird man mit Hoffnung, Gier, Lust, Aggression und Frust konfrontiert. Psychisch labile Personen können damit sehr schnell überfordert sein oder gar erkranken. Ein Casino-Besuch ist zudem eher die Ausnahme und nicht die tägliche Regel. Der Börsenhandel ist aber inzwischen mit leichten Einschränkungen 24/7 an sieben Tagen der Woche möglich. Somit bekommt man das volle Wechselbad der Gefühle im Prinzip von morgens bis abends übers Haupt geschüttet und schlimmstenfalls verfolgt einen das dann auch sogar noch in den Träumen. Wer an der Börse agiert, benötigt daher eine robuste und gesunde Psyche oder sollte -sofern diese nicht oder nicht in ausreichender Form vorliegt- Methoden suchen und finden, wie daran gearbeitet werden kann, die stetig anfallenden positiven und negativen Emotionen zielführend zu verarbeiten.
  3. Die Physis - Trading hat den Vorteil, dass es zunächst grundsätzlich keine Rolle spielt, ob man muskelbepackt oder als "Lauch" durch die Gegend rennt. Ebenso ist Trading im Prinzip barrierefrei und ermöglicht es somit auch Menschen mit Behinderungen daran teilzunehmen und ist dadurch generell sogar stark inklusiv und integrativ. Im Zusammenhang mit der Physis ist eher gemeint, dass man eigentlich nur traden sollte, wenn man zum Beispiel ausgeruht und fit ist und gerade nicht akut an einer Krankheit leidet. Zudem ist auch der Gebrauch diverser "Stimulanzien" während des Tradings nicht immer der Sache förderlich, das kann bereits der ein oder andere Energy-Drink sein, von anderen Dingen möchte ich gar nicht erst sprechen.
  4. Das Kapital - Keine Angst, damit ist nicht das Werk eines gewissen Karls gemeint, sondern Kohle, Patte, Knete, Zaster, Ocken also schlichtweg gemeines Geld. Bevor man mit dem Trading loslegen kann, benötigt man ja nun einmal einen gewissen Betrag, den man sich selber dafür zur Verfügung stellen kann. Dies sind bei Anfängern häufig mittlere bis größere drei-, vier- oder gar fünfstellige Beträge, selten mehr. Es gibt ein zwei Grundregeln, die man im Idealfall auch besser einhalten sollte. Die erste wäre, niemals mit geliehenem (oder etwa nicht dem eigenen) Kapital zu spekulieren und die andere wäre die, dass man insbesondere für die ersten Gehversuche auf dem Börsen-Parkett ausschließlich Geld verwendet wird, welches man entbehren kann. Tja, das sagt sich so leicht. Dennoch ist die Summe, die man letztlich bereit ist, ins Risiko zu stellen wohl einer der maßgeblichsten Aspekte beim Trading, denn dieser Betrag beeinflusst im Prinzip fast jeden der in diesem Artikel vorgestellten Punkte wesentlich.
  5. Der "Broker" - Um überhaupt einen Zugang zum Kapitalmarkt zu bekommen, benötigt man einen Broker, der die Aufträge dann an die Börsenplätze weiterleitet und die persönlichen Positionen in einem Depot verwaltet. Früher orderte man sogar noch via Telefon oder Fax. Heutzutage haben die Online-Broker und CFD-Anbieter längst diesen Platz eingenommen. Eine Order wird in Sekunden eingegeben und ausgeführt. Es ist gar nicht immer so einfach, den Broker seiner Wahl zu finden und oftmals stellt sich heraus, dass ein anderer ungleich besser geeignet ist als der, den man sich ausgesucht hat. Das kann an der Handelsplattform, anfallenden Gebühren und Zinsen, Verlässlichkeit und Erreichbarkeit, oder auch nur an den persönlich gehandelten Assets und dem eigenen Trading-Stil liegen. Ordergebühren sind insbesondere bei kleinem Kapitalstock oftmals der entscheidende aber unterschätzte Faktor, der über Rentabilität und Profitabilität entscheidet.
  6. Die Assets (das so genannte Anlage-Universum) - Hat man nun ein Konto bei einem Broker, kann man endlich loslegen, doch WOMIT denn überhaupt? Viele Anfänger in Deutschland entscheiden sich zunächst einmal für den DAX, der in Form diverser Zertifikate, Optionsscheine, Futures, CFDs etc. auf unterschiedliche Weise "gehandelt" werden kann. Im Prinzip ist das bereits der erste große Kapitalfehler, den Börsenneulinge in Deutschland begehen. Der Dax ist nämlich aus vielerlei Gründen ein sehr anspruchsvolles Assets und keineswegs leicht erfolgreich zu handeln, mögen fast alle Börsenseiten auch das Gegenteil behaupten. Es gibt so viele andere Dinge, die man handeln kann: andere Indizes, Aktien, Fonds, ETFs, Rohstoffe, Währungs-Paare, Kryptowährungen, Anleihen usw. usf. und natürlich zugehörige Derivate und Future-Kontrakte auf viele dieser Assets. Die Auswahl scheint unendlich und definitiv ist nicht alles für alle geeignet. Auch hier liegt in der persönlichen Selektion eine weitere wichtige Stellschraube zum Erfolg. Nicht jeder Trader handelt alle Assets, viele sind aber Generalisten mit einem Schwerpunkt und mischen andere Assets nach Bedarf und Gelegenheit dazu. Sehr viele Marktteilnehmer beschränken sich sogar auf lediglich 1-2 Assets oder Instrumente, was insbesondere für die Day-Trading-Fraktion gilt und dort auch sinnvoll erscheint und wenn man sich zum Beispiel für Aktien entscheidet, dann kommen die nächsten Fragen auf, wie zum Beispiel aus welchem/n Land/Ländern denn?
  7. Strategien, Methoden und Muster (Pattern) - Nun weiß man, wieviel Geld man entbehren kann und was man wann und wo und über welchen Broker handeln kann. Einen echten Plan hat man aber immer noch nicht. Man benötigt eine Handels-Strategie, Methoden der Herangehensweise (fundamental, charttechnisch oder sonstige, ja, es gibt noch andere!). Viele wählen den charttechnischen Ansatz, weil dieser in der chaotischen Systematik der Kurse etwas Ordnung bringen kann und diese über Kursmuster (Pattern) halbwegs verständlich machen kann. Charttechnische Methoden gibt es Dutzende und auch hier liegt längst nicht jede auch jeder Person, manche wollen es einfach andere eher komplex.
  8. Risk- und Money-Management - Buchführung - Diesen grundsätzlich ebenfalls sehr wichtigen Trading-Bausteinen wird erstaunlicher Weise viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ich würde mal behaupten, dass ein Online-Webinar zu einem beliebigen anderen Punkt aus dieser Aufzählung stets mehr Zuschauer haben würde als dieses Segment hier. Wer konfrontiert sich schon gerne mit dem eigenen Misserfolg? In einem Trading-Tagebuch, indem alle Trades mit Gewinn, Verlust und Kosten aufgeführt werden steht nun mal die nackte Wahrheit aber die zählt ja heutzutage ohnehin kaum noch etwas. Die Kennzahlen der einzelnen Trades ergeben aber am Ende wichtige Aufschlüsse darüber, ob eventuell zu (viele) risikoreiche Assets, zu stark gehebelte Produkte, zu hohe oder niedrige Positionsgrößen etc. gewählt wurden. Fehler gehören aber zum Trading dazu und zwar immer. Wichtiger ist deshalb, wie man mit ihnen umgeht, im besten Fall machen sie einen besser und stärker.
  9. Scalping, Daytrading, Swingen oder Investieren - Alles muss in eine Schublade gepackt werden, dies gilt auch beim Trading. Es gibt Scalp-Trading, Day-Trading, Swing-Trading, Positions-Trading und den oder die so genannte/n Investoren/Investorin. Nun handelt da aber niemand mit den gewaltsam entfernten Haaren anderer Menschen oder mit Tagen oder Leuten aus Swinger-Clubs. Diese Begriffe definieren sich lediglich über die zeitliche Haltedauer der erworbenen Assets. Ein "Scalper" ist oftmals nur Sekunden/Minuten in einem Wert investiert, Daytrader schließen zumeist ihre Positionen spätestens gegen Ende eines Handelstages oder vorher, Swing-Trading pflegt den Ansatz, meistens eine Haltedauer von mehreren Tagen/Wochen beim Eingehen von Positionen vorzuhaben. Beim Positions-Trading und "Investieren" kommt es nicht immer zwingend darauf an, den zeitlich/preislich besten Einstiegs-Zeitpunkt zu erwischen, man agiert eher strategisch immer dann, wenn Marktumfeld und/oder Kursverlauf eines Wertes diesen gerade relativ "günstig" erscheinen lassen. Danach wird die erworbene Position im Regelfall zu einem dauerhaften manchmal mehrjährigen Investment.
  10. Das persönliche Umfeld (as time goes by) - Kein an der Börse gehandeltes Asset ist wertvoller als die persönliche Zeit, denn diese ist schließlich für uns alle endlich. Die zuvor oben genannten neun Punkte werden maßgeblich davon beeinflusst, wieviel Zeit man denn bereit ist, dem Thema Börse zu widmen. Hier spielen berufliche wie private Gründe eine große Rolle und entscheiden dann letztlich auch darüber, wie stark der persönliche Antrieb sein kann, wie belastbar Psyche und Physis sind, wieviel Kapital man riskieren möchte, über welchen Broker man welche Assets auf welche Art und mit welcher Strategie und Methode handelt, sowie welche Maßnahmen man letztlich ergreift, um die Risiken zu minimieren und einzugrenzen und welche Form des Tradens und Investierens am besten für das eigene persönliche Umfeld geeignet zu sein scheint und wieviel Zeit man dafür aufopfern möchte.

Diese oben genannten Themenblöcke werde ich nach und nach noch etwas ausführlicher in weiteren Artikeln aufarbeiten. Ich hoffe mal, die Lektüre hat einen aufschlussreichen Überblick über den Kosmos gegeben, indem man sich als Trader und Traderin zwangsläufig bewegt.

Darüber hinaus führende Informationen rund um die Börse und das Börsengeschehen finden sie (allgemein und gratis) auf meinem persönlichen Guidants-Desktop (hier klicken, es öffnet sich ein neues Fenster!) oder etwas spezieller und kostenpflichtig in meinem Premium-Dienst CCB Centre Court Börse, der weitaus mehr ist als ein "Swing-Trading-Service". Er behandelt Daytrading genauso wie alle anderen oben genannten Themen und Trading-Optionen, bietet Lerninhalte, Ausbildung u. v. m.

Ich wünsche ein schönes Wochenende

Michael Borgmann