Wenn über Trading berichtet wird, dann geht es meistens um das schnelle große Geld. Erzählt werden die Geschichten von Menschen, die sich ihren Traum erfüllt haben - vom Trading zu leben. Die Fachzeitschriften und vor allem das Internet sind voll mit Tradinginformationen. Und je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, desto verlockender werden die Anreize selbst das langersehnte Ziel zu erreichen: Freiheit durch finanzielle Unabhängigkeit.

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Doch wie alles im Leben hat auch das Trading seine zwei Seiten – denn wo Licht ist, da ist auch Schatten! Die dunkelste Zeit in diesem Geschäft ist wohl dann erreicht, wenn man feststellen muss, dass man süchtig nach Trading ist. Und zwar nicht, weil man es so gerne ausübt und es einem so viele positive Erlebnisse verschafft, sondern weil man das Trading nicht mehr als Bereicherung in seinem Leben empfindet, sondern als Belastung. Dann hat der Trader nicht mehr das Trading, sondern das Trading hat den Trader.

Wie hoch die Zahl der Betroffenen ist, ist unbekannt. Sicher ist, es gibt sie. Denn alles, was in unserem Leben einen Reiz ausübt, kann uns süchtig machen. Und die Suchtkomponenten sind beim Trading enorm. Erfolg und Niederlage stehen gemeinsam auf einer Stufe. Stand man eben noch auf dem Siegerpodest auf oberster Ebene, so kann es sein, dass man schon im nächsten Augenblick wieder zu den Verlierern gehört. Der Börsenhandel ist für viele nicht selten eine turbulente Achterbahnfahrt der Gefühle. Es ist deshalb äußerst wichtig, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Hier sind Trader und ihre Angehörigen gleichermaßen aufgefordert die Gefahren zu überprüfen.

Bei der Tradingsucht sind Betroffene allerdings nur schwer zu erkennen. Trading ist ein anonymes Geschäft und wird zumeist alleine am heimischen Computer ausgeführt. Dass die Märkte weltweit rund um die Uhr geöffnet haben, macht das Problem nicht einfacher, im Gegenteil. Partner oder Freunde bemerken erst sehr spät die Anzeichen von Sucht. Oft erst dann, wenn finanzielle Probleme vorhanden sind.

Die Gründe für das Entstehen von Tradingsucht sind unterschiedlich. Letztlich sind es meist Gefühle von Unzulänglichkeit. Ein zu geringes Selbstwertgefühl zählt hier ebenso dazu wie der Drang mit aller Gewalt Recht haben zu wollen. Die Märkte sind immer nur so stark, wie wir selber schwach sind!

Wer von Beginn an genügend Aufmerksamkeit in die richtigen Handlungsabläufe investiert, der hat gute Chancen, nicht in die Fänge der Abhängigkeit zu geraten. Denn meist ist es das massive Fehlverhalten, was dazu führt, dass Gefühle von Hilflosigkeit entstehen. Sie sind es, die Trader mehr und mehr in die Suchtspirale treiben können.

Wer Trading betreibt um sich damit von seinen privaten oder beruflichen Problemen distanzieren zu können, der sollte äußerst vorsichtig werden. Eine Überprüfung bei einem psychologisch geschulten Tradercoach oder Experten für Suchterkrankungen ist in diesem Fall ein Muss.

Kürzlich meldete sich bei mir ein Klient, der unbedingt erfolgreich traden wollte. Er bat mich um Hilfe, sein Ziel schnell zu erreichen. Im Telefoncoaching stellte sich heraus, dass er traden musste, wie er glaubte. Da er arbeitslos wurde, sah er für sich in seinem Alter nur noch eine Chance genug Geld zu verdienen – mit Trading. Die Chance unter diesem Druck ein erfolgreicher Trader zu werden ist nur sehr klein. Sich in die Abhängigkeitsspirale des Tradings zu begeben allerdings sehr groß.

Auch andere Anzeichen können deutliche Signale für eine Tradingsucht sein. Etwa wenn man für das Trading mehr Geld ausgibt, als einem zur Verfügung steht. Oder seine gesamten Ersparnisse riskiert. Noch gravierender wird es, wenn jemand Kredite aufnimmt oder von Menschen aus seinem Umfeld Geld leiht.

Wer an sich bemerkt, dass er nicht mehr auf das Trading verzichten kann, ständig wissen muss wo die Kurse von Dax & Co gerade stehen, sollte wachsam werden. Das gilt auch für den, der sich vornimmt, nur ein oder zwei Stunden am Tag zu traden und am Ende doch wieder zwölf Stunden und mehr vor den Charts sitzt. Dazu zählt auch das schnelle Checken der Kurse via Smartphone.

Ein Rückzug von Freunden und privaten Aktivitäten können ein Anzeichen für eine Abhängigkeit sein. Bei manchen zeigen sich auch Symptome von Depressionen, der Trader wird dann zunehmend einsamer, trauriger und lustloser – ein Gefühl der Leere breitet sich aus. Trading macht dann schon längst keinen Spaß mehr, aber man meint gerade dann weitermachen zu müssen um nicht als Versager zu enden. Wer an dieser Stelle des Tradings steht, der hat sich schon verloren.

Drehen sich die Gedanken und Handlungen fast nur noch ums Trading, dann kann das oftmals zu selbst herbeigeführten sozialen Ausgrenzungen führen. Andere Suchtkomponenten, wie zum Beispiel übermäßiger Alkoholkonsum, können dann hinzu kommen.

Oft zeigen sich Süchte über Aggressionen. Diese werden dann vielfach über den Suchtauslöser selbst ausgelebt. Es wird versucht Gefühle von Angst, Wut, Trauer, Einsamkeit und Verzweiflung über das Trading zu lösen. Ein Teufelskreis. Der Trader verursacht in solchen Situationen unbewusst mit Hilfe des Tradings starke Gefühle. Entweder um seinen Ärger abbauen zu können, oder um sich wieder zu spüren, denn Verzweiflung und Einsamkeit machen dumpf.

Wer abhängig ist, der kann sich kaum noch von seiner Tradingplattform lösen und vernachlässigt alsbald wichtige Parameter wie Risiko- und Moneymanagement, das setzen von Stopps und vieles mehr.

Wenn die Partnerschaft, der Beruf oder die allgemeine Lebensfreude durch die Ausübung des Tradings deutlich leiden oder gar in Gefahr sind, dann sollte man unbedingt professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Es gibt ein einfaches Erkennungsmerkmal bei Sucht – wenn die Handlung selbst zum Leiden führt.

Um sich vor der Tradingsucht zu schützen, kann man auf einige Dinge achten. Es sollte nur mit Geld getradet werden, das man nicht zum Erhalt des Lebensunterhalts benötigt. Die eingesetzten Summen dürfen gerade zu Beginn nur sehr klein sein. Vorerkrankte Menschen, etwa mit Depressionen oder akuten Ängsten sollten sich vom Trading fern halten. Auch wer starke berufliche oder private Probleme hat ist in diesem Geschäft zunächst fehl am Platz. Es muss unbedingt ein angemessenes Zeitfenster für das Trading gewählt werden. Dieses sollte ausreichend Platz für soziale Bedürfnisse ebenso berücksichtigen wie freie Zeit für eigene Interessen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Trading selbst nichts Negatives ist. Sondern wir selbst haben die Verantwortung dafür zu prüfen, weshalb wir etwas in unserem Leben tun und ob es uns schadet. Wer dieses Geschäft, möglichst von Anfang an, professionell erlernt, der hat gute Chancen Trading zu nutzen, um damit sein Vermögen selbst zu mehren, oder gar den erfolgreichen Beruf Trader zu erreichen.

Norman Welz

Experte für angewandte Tradingpsychologie

http://www.godmode-training.de/

http://www.godmode-trader.de/premium/produkte