Wenn Sie mich nach der wichtigsten Motivation fragen Trader zu werden, dann ist die Antwort zweifellos: Freiheit! Und zwar nicht nur finanzielle Freiheit, sondern auch persönliche.
Das ist mir erst gestern wieder klar geworden, Ende Mai bei 30 Grad, strahlender Sonnenschein. In welchem Job sonst kann man sagen: Heute handle ich mal nichts (zumal an den Märkten eh wenig los ist), und das ohne einen Urlaubsantrag auszufüllen! Und morgen vielleicht auch nicht.

Nach dem Studium träumt man ja oft von der großen Karriere. Die ist aber praktisch immer mit einem immensen Zeitaufwand und de facto Freiheitsentzug verbunden (was die Menschen aber oft nicht so empfinden, womit es dann auch kein Problem ist). Mir wurde die Entscheidung quasi abgenommen, da ich schon zu Beginn des BWL-Studiums die Börse für mich entdeckte. Leider hat diese Tatsache nicht unwesentlich zu einer deutlichen Verlängerung des Uni-Aufenthalts geführt.

Sei´s drum – ich hatte Glück. Neben der täglichen Faszination Börse darf ich auch noch regelmäßig das tun, was mir ebenso viel Spaß macht – nämlich schreiben, und vor allem meine ehrlich Meinung äußern (auch wenn die wohl oft nicht so ganz den Geschmack aller trifft, aber das ist nun mal das Wesen pluralistischer Gesellschaften). Da bin ich meinem Vorstand äußerst dankbar, der die Pressefreiheit in ihrer reinsten Form sehr erst nimmt.

Pressefreiheit bedeutet nämlich nicht immer dasselbe. Nur allzu oft und sogar in aller Regel heißt das nichts anderes, als dass der Eigentümer eines Mediums seine Meinung verbreiten darf. Seine Redakteure dürfen diese Meinung in schönen Artikeln verpacken und nur marginal abweichen. Das will ich gar nicht per se verdammen, aber Sie müssen sich darüber im klaren sein, dass ein (kommentierender) Artikel in den etablierten Massenmedien mehrfach gegengelesen und hinsichtlich der darin geäußerten Meinung womöglich ordentlich geschliffen wird. Da bleibt am Ende der Ursprungsgedanke vielleicht nur noch atomisiert übrig.

Das ist das Tolle an der Entwicklung des Internets, und das ist auch mit ein Grund dafür dass es so halb anarchisch bleiben muss wie es entstand. Sie finden zwar mitunter auch völlig durchgeknallte Gedankengänge und es treiben sich Horden von Spinnern herum. Aber es gibt eben auch die andere Seite, und mit der Zeit lernt man schon zu unterscheiden.
Wenn ich da an die Zeit vor dem Durchbruch des Webs denke, wie eingeschränkt war doch damals die Meinungsvielfalt! Es war immer derselbe Einheitsbrei, der einem mehrfach vorgekaut präsentiert wurde.

Multiple, ehrliche Meinungen sind heute wichtiger denn je. Denken Sie an die Griechenland-Krise. Von wegen Alternativlosigkeit! Mir würden da auch noch andere Themen wie Klimawandel einfallen, aber wir wollen nicht zu weit ausschweifen.
In diesem Zusammenhang möchte ich Sie auch auffordern und darin bestärken, immer Ihre (begründete) Meinung zu äußern, natürlich auch uns gegenüber. Wenn Sie Kritik, Fragen oder Anregungen haben, ich freue mich immer auf Ihre Mails. info@tradersjournal.de