• ifo Geschäftsklimaindex sinkt nur minimal
  • US-Immobilienmarkt schwächelt
  • DIHK: Sorge vor US-Zöllen auf Autoimporte
  • Eurozone: Geldmenge wächst schneller
  • Trump: EU hat USA im Handel 'abgezockt'
  • Ex-Fiat-Chef Marchionne ist tot
  • Comdirect will Kunden Überweisungen per Sprachbefehl ermöglichen
  • Wirecard legt im zweiten Quartal weiter kräftig zu
  • Deutsche Bank verdient im zweiten Quartal weniger
  • Gewinssprung bei Boeing und Coca-Cola
  • Linde sieht sich auf Kurs
  • Siltronic hebt Prognosen an

DAX

  • Vor dem Gipfelgespräch zum Handelsstreit der EU mit den USA zeigen sich die Anleger vorsichtig, das Marktbarometer DAX fällt am Nachmittag dann doch recht deutlich zurück in Richtung der Marke von 12.600. Bis Mittag zeigte sich der Leitindex dank guter Vorgaben der Wall Street noch einigermaßen stabil. In New York hat der S&P 500 am Dienstag auf seinem höchsten Stand seit Anfang Februar geschlossen. Die Nasdaq-Indizes markierten im Handelsverlauf neue Rekordhochs. Auch der angesichts der eskalierenden internationalen Handelsstreitigkeiten doch erstaunlich feste ifo Geschäftsklimaindex für die deutsche Wirtschaft konnte die Anleger nicht in Kaufstimmung versetzen. Die befragten Unternehmen bewerteten zwar ihre aktuelle Geschäftslage etwas besser als zuletzt, die Erwartungen für das nächste halbe Jahr haben sich aber verschlechtert. Hier spielt offenbar der internationale Handelsstreit dann doch eine wichtige Rolle. “Die Handelsstreitigkeiten machen das Leben im Unternehmenssektor schwerer,“ sagte ein Marktbeobachter. Heute treffen sich US-Präsident Trump und EU-Kommissionschef Juncker in Washington. Die Sorge ist groß, dass US-Präsident Trump mit den angedrohten Zöllen auf Autoimporte aus der EU ernst macht. Dies würde die deutsche Autoindustrie massiv treffen, entsprechend fahren die Autoaktien im DAX im Rückwärtsgang.
  • Der S&P 500 stieg gegen Ende des Handels, als sich ein Durchbruch in den Gesprächen zwischen US-Präsident Trump und EU-Kommissionspräsident Juncker immer deutlicher abzeichnete auf neue Tageshochs und beendete den Tag 0,91 Prozent im Plus bei 2.846,07 Punkten - den höchsten Stand seit Ende Januar. Wie Trump und Juncker nach Börsenschluss mitteilten konnte eine weitreichende Einigung für niedrigere Zölle erzielt werden. Die EU hätten sich zusätzlich zum sofortigen Import von Sojabohnen überzeugen lassen und werden in Zukunft als “massiver” LNG-Käufer auftreten. Das Thema Auto-Zölle wurde von Trump ausgeklammert. Zusätzliche Punkte die vereinbart wurden sind ein erleichterter Marktzugang der USA bei medizinischen Geräten und die Reform der WTO. Europa verzichtet des Weiteren auf die Einführung von Schutzzöllen. Ford rutscht nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal nachbörslich weg und auch Facebook kommt brutal unter die Räder. Qualcom sagte derweil den Merger mit NXP-Semi ab und kündigte nach der Schlussglocke Buybacks an.

Chartanalysen des Tages

Unternehmensnachrichten

  • General Motors senkte wegen höherer Rohstoffkosten und ungünstiger Währungseffekte den Ausblick für 2018. Im zweiten Quartal sank der Überschuss um 2,8 Prozent auf 2,4 Mrd. Dollar, der Umsatz ging um 0,6 Prozent auf 36,8 Mrd. Dollar zurück.
  • Boeing hat im zweiten Quartal als Folge einer boomenden Nachfrage einen Gewinnsprung um 26 Prozent auf 2,2 Mrd. Dollar erzielt. Damit traf der Flugzeugbauer die Erwartungen von Analysten. Der Umsatz kletterte um 5 Prozent auf 24,3 Mrd. Dollar. Für das Gesamtjahr hob Boeing seine Umsatzprognose an.
  • Fiat Chrysler hat seine Jahresziele u. a. wegen Problemen mit chinesischen Importzöllen gesenkt. 2018 rechnet das Unternehmen beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) nun mit 7,5 bis 8 Mrd. Euro (zuvor: 8,7 Mrd. Euro). Im zweiten Quartal verdiente der Autobauer gut ein Drittel weniger.
  • Der US-Paketdienst UPS hat im zweiten Quartal mit knapp 1,5 Mrd. Dollar 7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor netto verdient. Analysten waren allerdings auch wegen des boomenden Online-Handels und höherer Preise von einem noch stärkeren Zuwachs ausgegangen. Der Umsatz erhöhte sich um 19 Prozent auf 17,5 Mrd. Dollar.
  • Der Nettogewinn von Coca-Cola stieg im zweiten Quartal auch dank Kosteneinsparungen um 70 Prozent auf 2,3 Mrd. Dollar. Je Aktie verdiente der Getränke-Hersteller 61 Cent, was mehr war als von Analysten erwartet.
  • Der Telekommunikationskonzern AT&T hat mit Umsatz und Ergebnis im zweiten Quartal die Erwartungen übertroffen und den Ausblick angehoben. Der Umsatz im Mobilfunkgeschäft sank indes um 5 Prozent.
  • Der US-Halbleiterkonzern Texas Instruments meldete ein starkes Wachstum im zweiten Quartal und erwartet für das laufende 3. Quartal eine weitere Steigerung von Umsatz und Gewinn.
  • Der Fiat-Konzern teilte am Mittwoch mit, dass der langjährige Konzernführer der Autobauer Fiat Chrysler und Ferrari, Sergio Marchionne, gestorben ist. Am vergangenen Samstag hieß es, dass der 66-Jährige seinen Posten aus gesundheitlichen Gründen abgeben müsse. Nach unerwarteten Komplikationen bei einer Operation in Zürich hatte sich der Gesundheitszustand des Managers stark verschlechtert. Fiat hatte bereits am Wochenende Mike Manley zum neuen Chef ernannt.
  • Die spanische Großbank Santander profitiert weiter von gut laufenden Geschäften in der Heimat und Südamerika. Probleme bereiteten den Spaniern hingegen Aktivitäten in Großbritannien. Alles in allem verdiente die Bank im zweiten Quartal operativ mehr. Der Gewinn vor Sonderposten war zwischen April und Ende Juni um 14 Prozent auf 2 Mrd. Euro gestiegen.
  • Im ersten Halbjahr hat der Industriegasehersteller Linde einen Konzernumsatz von 8,64 Mrd. Euro erzielt - nach 8,94 Mrd. Euro vor Jahresfrist. Ungünstige Wechselkurse und die neuen Standards zur Umsatzrealisierung IFRS 15 wirkten sich dabei negativ aus. Davon bereinigt lag der Konzernumsatz 4,7 Prozent über Vorjahr. Im Gesamtjahr will Linde den bereinigten Umsatz um 4 Prozent steigern, das währungsbereinigte operative Konzernergebnis soll maximal um 5 Prozent über 2017 liegen. Für die Rendite auf das eingesetzte Kapital strebt Linde weiterhin einen Wert von rund 10 Prozent an.
  • Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal weniger verdient als im Vorjahr. Nach 447 Mio. Euro nach Steuern und Anteilen Dritter vor Jahresfrist erzielte das Geldhaus nun einen Gewinn von 361 Mio. Euro. Die Deutsche Bank bestätigte die in der vorigen Woche vorzeitig veröffentlichten Eckdaten. Der neue Konzernchef Christian Sewing äußerte sich zufrieden mit dem Ergebnis: „Im zweiten Quartal haben wir den Umbau unserer Bank erheblich beschleunigt und gleichzeitig unter Beweis stellen können, wie stabil unser Geschäft weltweit ist.“
  • Der Zahlungsabwickler Wirecard hat im zweiten Quartal bei Umsatz und Ergebnis deutliche Zugewinne verzeichnet. Der konzernweite Umsatz erhöhte sich um 40 Prozent auf 476,9 Mio. und das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg um 39,9 Prozent auf 133,2 Mio. Euro. Beide Kennziffern lagen über den Erwartungen von Analysten.
  • Der Wafer-Hersteller Siltronic erzielte im zweiten Quartal dank einer boomenden Nachfrage einen Umsatz von 361,3 Mio. Euro und ein Ebitda von 146 Mio. Euro. „Da wir eine ungebrochen hohe Nachfrage nach Wafern sehen, heben wir unsere Prognose leicht an", sagte Konzernchef Christoph von Plotho. Er erwartet nun im Gesamtjahr einen Umsatz von knapp 1,4 Mrd. Euro und eine Ebitda-Marge von circa 40 Prozent. Bisher hatte der Konzern einen Umsatz von deutlich über 1,3 Milliarden Euro sowie eine Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) nahe 40 Prozent angepeilt.
  • Die DWS konnte im zweiten Quartal Mittelzuflüsse verbuchen. Das verwaltete Vermögen erhöhte sich gegenüber dem Vorquartal um 22 Mrd. auf 687 Mrd. Euro. Die Nettoerträge legten um 3 Prozent auf 576 Mio. Euro zu und der Nettogewinn sank von 97 Mio. auf 92 Mio. Euro.
  • Telefonica Deutschland hat im ersten Halbjahr operativ mehr verdient. Das bereinigte Betriebsergebnis (Operating Income Before Depreciation And Amortization - OIBDA) stieg von Januar bis Juni um 6,1 Prozent auf 927 Mio, Euro. Zudem legte die Zahl der Vertragskundenanschlüsse im Mobilfunk im zweiten Quartal um 333.000 zu.
  • Die Direktbank Comdirect will nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ den zwei Millionen Privatkunden Überweisungen per Sprachbefehl mit Google Home oder dem Google Assistant ermöglichen. Vertriebsvorstand Matthias Hach versicherte, dass die Zugangsdaten für das Online-Banking bei der Comdirect verbleiben und „nicht in die Hände von Google gelangen“. Transaktionen seien über Google Home nicht nur einfach und schnell durchzuführen, sondern auch sicher, betonte er gegenüber der Zeitung.

Konjunktur & Politik

  • Der US-Immobilienmarkt lahmt. Nachdem gestern ein überraschend starker Rückgang der Verkaufszahl bestehender Häuser gemeldet wurde, enttäuschen aktuell auch die Zahlen zu den Verkäufen neuer Häuser im Juni. Im Vergleich zum Vormonat seien sie um 5,3 Prozent gesunken, wie das US-Handelsministerium mitteilte. Analysten hatten einen geringeren Rückgang erwartet. Auf das Jahr hochgerechnet sanken die Hausverkäufe um 35.000 auf 631.000 Einheiten.
  • Die US-Regierung will heimische Landwirte, die vom Handelsstreit betroffen sind, mit Zuschüssen unterstützen. Agrarminister Perdue zufolge sollen die Subventionen Schäden ausgleichen, die durch "illegale Vergeltungszölle" angerichtet würden. Die betroffenen Landwirte würden entweder direkte Zuschüsse erhalten oder sie könnten ihre überschüssige Ware an die Regierung verkaufen. Die staatlichen Hilfen belaufen sich demnach auf umgerechnet bis zu zehn Milliarden Euro.
  • US-Präsident Donald Trump hat sich vor seinem Treffen mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gegen Kritik an seiner Handelspolitik gewehrt. Man könne nicht wie bisher weitermachen und die unfairen Zölle der anderen Länder weiter tolerieren. Er sehe deshalb keinen Anlass, von Strafzöllen gegen andere Länder abzusehen, twitterte er. Trump erfährt Widerstand im eigenen Land. So stellen sich mehrere Politiker seiner Partei, den Republikanern, sowie der US-Dachverband der Autozulieferer gegen seinen Kurs.
  • Das ifo Institut plädiert dafür, dass die EU US-Präsident Donald Trump im Handelsstreit entgegenkommt. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Handelskommissarin Cecilia Malmström sollten bei den Gesprächen am Mittwochabend zeigen, dass Europa bereit sei, auch vor der eigenen Haustür zu kehren, sagte ifo Handelsexperte Gabriel Felbermayr dem SWR. Brüssel müsse zugeben, dass Europas eigene Zölle auf Autos, aber auch jene in der Agrar- und Lebensmittelbranche hoch seien. Es gelte, das Spiel „Wir sind die Guten, die Amerikaner die Schlechten“ aufzugeben, meinte Felbermayr. Im Schnitt sind die EU-Importzölle denn auch eindeutig höher als die der USA. Nach Berechnungen des ifo Instituts, das die Zölle für mehr als 5.000 Produkte miteinander verglich, liegt der Durchschnittszoll der EU bei 5,2 Prozent, jener der USA hingegen bei nur 3,5 Prozent. Bei 48 Prozent aller Produkte verlangt die EU demnach einen höheren Zollsatz als die USA, nur bei 30 Prozent ist das Umgekehrte der Fall.
  • In der deutschen Wirtschaft wächst die Sorge, dass die US-Regierung Sonderabgaben auf Autoimporte ankündigt. „Sollten die USA die angedrohten Zölle auf importierte Autos erheben, würde das allein in der ersten Runde eine Mehrbelastung von rund fünf Milliarden Euro für deutsche Unternehmen ausmachen, sagte Eric Schweitzer, Präsident des DIHK, der „Passauer Neuen Presse". Selbst in den USA wächst der Widerstand gegen die Zollpolitik des US-Präsidenten Trump. Auch der US-Dachverband der Autozulieferer ist gegen diesen Kurs. „Alle Autoproduzenten, ob in- oder ausländisch, sind gegen die Zölle", sagte Ann Wilson, Vizepräsidentin des Verbands Mema, dem „Handelsblatt“. Sollte Trump seine Drohung wahr machen und Zölle auf Auto-Importe verhängen, werde das verheerende Folgen haben.
  • Das ifo Geschäftsklima hat sich im Juli nur leicht verschlechtert. Der Index sank auf 101,7 Punkte, nach 101,8 Punkten im Juni, wie das Münchner ifo Institut mitteilte. Die Unternehmer waren etwas zufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage. Jedoch nahmen sie ihre Erwartungen etwas zurück. „Die deutsche Wirtschaft setzt ihre Expansion in verlangsamter Gangart fort“, kommentierte ifo-Präsident Clemens Fuest. Im Verarbeitenden Gewerbe ist der Index das sechste Mal in Folge gesunken. Der Lageindikator liegt jedoch weiterhin deutlich über seinem langfristigen Durchschnitt. Die Erwartungen der Unternehmen blieben hingegen nahezu unverändert leicht optimistisch. Im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima verbessert. Die Dienstleister korrigierten sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartungen nach oben. Im Handel ist der Index gesunken, und im Bauhauptgewerbe hat der Geschäftsklimaindex ein neues Rekordhoch erreicht.
  • Die breit gefasste Geldmenge M3 im Euroraum hat sich im Juni zum Vorjahresmonat um 4,4 Prozent ausgeweitet, wie die Europäische Zentralbank (EZB) mitteilte. Analysten hatten eine Jahresrate wie im Vormonat von 4,0 Prozent erwartet. Die Kreditvergabe an private Haushalte wuchs derweil wie im Vormonat um 2,9 Prozent zum Vorjahresmonat. Die Vergabe an Unternehmen (ex Finanz) erhöhte sich um 4,1 Prozent, nach 3,7 Prozent im Vormonat.
  • Donald Trump setzt im Handelsstreit die EU unter Druck: Wenige Stunden vor seinem Gespräch mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat sich der US-Präsident skeptisch über eine Kompromisslösung im Handelsstreit gezeigt. In einer Kurznachricht über Twitter erklärte er, die USA und die Europäer sollten alle Zölle, Handelshindernisse und Beihilfen fallenlassen. „Das wäre dann endlich ein freier Markt und fairer Handel“, schrieb Trump. Er sei dazu bereit und hoffe, Europa auch. „Aber sie werden es nicht sein“, so der US-Präsident. In einer Ansprache vor Kriegsveteranen in Kansas City bat Trump zuvor um Geduld. „Wir müssen durchhalten", sagte er mit Blick auf die Handelskonflikte mit der EU, China und anderen wichtigen Partnern. „Diese Länder haben uns über Jahrzehnte abgezockt."Juncker betonte im ZDF, er hoffe auf ein Angebot des US-Präsidenten. Zugleich kündigte eine Unterredung auf Augenhöhe an. Die Europäische Union sitze nicht auf der Anklagebank.
  • Der saisonbereinigte Auftragseingang im Bauhauptgewerbe in Deutschland war nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Mai um 4,6 Prozent höher als im Vormonat. Im Dreimonatsvergleich fiel das Volumen der Auftragseingänge von März bis Mai gegenüber dem vorherigen Zeitraum bis Februar dagegen um 11,0 Prozent. Diese rückläufige Entwicklung ist laut den Statistikern in den außergewöhnlich hohen Auftragseingängen im Dezember 2017 und Februar 2018 begründet.
Termine des Tages: 10:00 Uhr - DE: ifo-Geschäftsklimaindex Juli
16:00 Uhr - US: Neubauverkäufe Juni

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