San Mateo (GodmodeTrader.de) – In den vergangenen Monaten verhängte US-Präsident Donald Trump Importzölle gegen langjährige Verbündete der USA, darunter Kanada, Mexiko und die Europäische Union (EU). Ferner führte er Zölle auf immer mehr Produkte aus China ein. Der Kommunikationskanal für Trumps Gedanken in Handelsfragen scheint immer derselbe zu sein: Twitter, wie Matthias Hoppe von Franklin Templeton Multi-Asset Solutions in einem aktuellen Marktkommentar schreibt.

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Die Folgen seiner wiederholten Drohungen, noch mehr Zölle auf noch mehr ausländische Güter zu verhängen, seien nicht nur an den Aktienmärkten, sondern an allen Finanzmärkten zu spüren. Sobald Trump über Strafzölle twittere, fielen oder stiegen häufig die US-Aktienindizes, bewegten sich in der Regel die Anleiherenditen und gewinne oder verliere der US-Dollar bisweilen an einem Tag an Wert. Kein Wunder, dass die Anleger orientierungslos erscheinen. Trotz der fetten Schlagzeilen hätten Trumps Ankündigungen auf Twitter in diesem Jahr bisher insgesamt keinen großen Schaden angerichtet – zumindest noch nicht. Andererseits verhielten sich einige Anlageklassen der Schwellenländer, insbesondere Währungen, volatil, da China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, mit Vergeltungszöllen geantwortet habe, heißt es weiter.

„Nach unserer Einschätzung wird uns das politische Getöse um Handel und Zölle noch auf absehbare Zeit begleiten. In den USA finden im November die Halbzeitwahlen statt. Ein Drittel der US-Senatoren und das gesamte Repräsentantenhaus werden neu gewählt. Derzeit haben die Republikaner in beiden Kammern des Kongresses die Mehrheit inne. Doch den jüngsten Umfragen zufolge ist den Republikanern eine neuerliche Mehrheit im November nicht zwangsläufig sicher. Daher erwarten wir, dass Trumps Motivation, seine Wählerbasis zu mobilisieren, nicht nachlassen wird. Erfahrungsgemäß denkt er, dies am besten durch Kampagnen gegen ausländische Mächte erreichen zu können“, so Hoppe.

Darüber hinaus seien in diesem Jahr auf breiter Basis seine Zustimmungswerte gestiegen – wenn auch von einem sehr niedrigen Niveau aus. Es gebe kaum Belege dafür, dass seine protektionistische Haltung zu den besseren Ergebnissen in den Meinungsumfragen betrage. Dies dürfte eher auf die gute Wirtschaftslage in den USA zurückzuführen sein. Im zweiten Quartal 2018 sei das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einer jährlichen Rate von 4,1 Prozent gegenüber 2,2 Prozent im vorherigen Quartal gewachsen. Es sei dennoch mit weiteren Twitter-Tiraden zu Strafzöllen und Sicherheitspolitik zu rechnen, heißt es weiter.

„Können Trumps Äußerungen die weltweiten Aktienmärkte langfristig beeinflussen? Derzeit deuten die Frühindikatoren besonders in den USA weiter auf ein robustes Wachstum hin. Letztlich werden die wirtschaftlichen Fundamentaldaten entscheidend sein, und nicht Äußerungen über Twitter. Falls die Wirtschaft weiter wächst, dürfte dies nach unserer Auffassung für riskante Anlageklassen wie Aktien positiv sein. Es stellt sich die Frage, wie lange die Rally auf dem bereits länger andauernden Bullenmarkt bei Aktien noch weitergehen kann“, so Hoppe.

Es seien bereits erste Anzeichen und Pläne für verringerte Investitionsausgaben (CapEx) zu erkennen. Dies sei ein deutlicher Unterschied zum Jahresanfang, als die Indikatoren eine optimistischere Haltung der Unternehmen gezeigt hätten. Das Verbrauchervertrauen sei ein weiterer wichtiger Wert, der trotz des jüngsten Ausrutschers, weiterhin hoch sei. Der US-Arbeitsmarkt brumme nach wie vor, und die allgemeine Stimmung der Verbraucher scheine entsprechend positiv zu sein. Aber wie könne ein starker US-Arbeitsmarkt das aufkommende Problem der Verlangsamung des Welthandels wegstecken? Die Stimmung könne sich schnell drehen, und dies könnte im Laufe der Zeit auch die Fundamentaldaten beeinflussen, heißt es weiter.

„Die Aktienmärkte, die wir für den Frühindikator par excellence halten, könnten das relativ schwächere Wachstum relativ schnell einpreisen, vor allem, wenn sich die Daten im Welthandel verschlechtern. Erste Berichte zeigen bei Ein- und Ausfuhren bereits eine Verlangsamung. Der internationale Handel ist für Europa und die Schwellenländer besonders wichtig, nicht nur für das allgemeine Wirtschaftswachstum, sondern auch für die Unternehmensgewinne.Nach unserer Auffassung dürfte Trump politische Vorteile gegen die wirtschaftlichen Nachteile abwägen. Auf den ersten Blick sind die möglichen Kosten eines Handelskrieges mit China deutlich höher als mit Europa, da die Integration der Lieferketten zwischen den USA und China sehr weit reicht“, so Hoppe.

Beim Handel mit Europa gehe es in höherem Maße um Endprodukte, und insbesondere um Automobile. Die Leistungsbilanz zwischen den USA und der EU sei jedoch ausgeglichen. Während die Handelsbilanz bei Waren negativ sei, da die EU einen Überschuss von 153 Milliarden US-Dollar gegenüber den USA erzielt habe, hätten die USA bei den Dienstleistungen einen Überschuss von 51 Milliarden US-Dollar erreicht. Überdies hätten die USA beim sog. Primäreinkommen, das hauptsächlich aus den Unternehmensgewinnen der Tochtergesellschaften von US-Unternehmen in der EU bestehe, einen Überschuss von 106 Milliarden US-Dollar erzielt. Dies könnte den vergleichsweise versöhnlichen Ton erklären, den Trump nach dem Treffen mit Jean-Claude Juncker, dem Präsidenten der Europäischen Kommission, am 25. Juli angeschlagen habe, heißt es weiter.

„Dagegen ist das US-Leistungsbilanzdefizit gegenüber China mit einem Gesamtbetrag von 358 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 in der Tat unausgewogen. Bedingt ist dies dadurch, dass China Investitionen durch ausländische Unternehmen schon vor langem beschränkte. Nach unserer Erwartung wird sich die Rhetorik gegenüber China nach den US-Wahlen im November daher etwas abschwächen – insbesondere, wenn die Republikaner gut abschneiden. Der Druck auf die europäischen Verbündeten ist nach dem Treffen von Trump und Juncker scheinbar bereits schwächer geworden. Es könnte zu Verhandlungen mit der EU über niedrigere Zölle kommen. Auf diese Weise könnte Trump seiner Wählerschaft zeigen, dass er etwas erreicht“, so Hoppe.

Dies alles sei jedoch Spekulation. Daher sollten sich die Anleger nicht zu sehr von dem politischen Getöse beeindrucken lassen. Viel wichtiger seien Signale, die in der Wirtschaft für Unsicherheit sorgen könnten. Derzeit sendeten die Stimmungsindikatoren aus den USA und Europa scheinbar keine düsteren Warnsignale aus, heißt es weiter. „Wir rechnen für den Rest dieses und den Beginn des nächsten Jahres mit einem soliden Wachstum. Aber es erscheint uns heute mehr denn je seit dem Ende der Finanzkrise 2007/2008 geboten, etwas vorsichtiger zu sein und keine übermäßigen Portfoliorisiken einzugehen“, so Hoppe.