Am Rande einer Vermögensverwalterkonferenz im Münchener Olympiaturm habe ich den Fondsmanager Jörg Scholl kennengelernt. Scholl führte über viele Jahre die Geschäfte der Hauck & Aufhäuser Asset Management GmbH, der gesamten institutionellen Vermögensverwaltungssparte der Frankfurter Privatbank. In der Spitze war er dort für über 4 Milliarden Euro Anlagevolumen verantwortlich. Heute ist Scholl Geschäftsführer der Selection Asset Management GmbH, einer Multi Asset Boutique in München.

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    Bildquelle: Selection Asset Management GmbH

    JP: Herr Scholl, vielen Dank für Ihre Zeit. Sie sind seit über 25 Jahren als Fondsmanager und Vermögensverwalter tätig und haben Ihre Investoren dabei nachweislich erfolgreich durch Krisen und Börsencrashs geführt. Ein Blick auf den Chart Ihres „Hausfonds“, dem Selection Rendite Plus, macht richtig Spaß. Was machen Sie anders als andere Portfolioverwalter?

    JS: Hallo Herr Penndorf, vielen Dank für Ihre Einladung zu diesem Interview. Unser Fonds „Selection Rendite Plus“ hat durch sein ausgewogenes Risikoprofil gepaart mit unserer Erfahrung als Fondsmanager und einem Anlageuniversum, das in ethisch nachhaltige Titel investiert, einen sehr guten Track Record seit vielen Jahren.

    Daher haben wir uns auch dazu entschieden, für diesen tollen Fonds eine Retailtranche aufzulegen. Diese ermöglicht es nun auch dem Privatanleger, in diesen Fonds zu investieren.

    JP: Gibt es bestimmte Anlageklassen oder Strategien, auf die Sie Ihre Schwerpunkte legen?

    JS: Nach Festlegung der strategischen Aktienquote wählen wir nach einem fundamental ausgerichteten Screening-Prozess die Einzeltitel aus. Die so hergeleitete Aktienquote bestimmt die Allokation in Renten. Die taktische Allokationssteuerung erfolgt anhand eines diskretionären Anlageprozesses. Dabei bildetet Europa unseren Anlageschwerpunkt.

    JP: Auf welche fundamentalen Kennzahlen schaut ein Fachmann? KGV, Buchwert, Dividendenrendite – was hat sich für Sie als Messgröße zur Auswahl von Aktien bewährt?

    Herr Penndorf, das Wichtigste bei der Selektion von Aktien ist, dass man sich nicht auf eine einzige Messgröße verlässt, sondern alle zur Verfügung stehenden Informationen in die Entscheidungsfindung einfließen lässt. Selbstverständlich schauen auch wir uns die fundamentalen Kennzahlen an (wie z.B. KGV, P/B, EV/EBITDA, Dividendenrendite usw.).
    Wir bilden daraus eine Rankingliste, die diese einzelnen Kennzahlen gewichtet und aus der Aggregation aller Kennzahlen ein Ranking bildet. Wir nennen das dann „Auswahlliste“. Unseres Erachtens muss aber zusätzlich ein qualitativer Prozess erfolgen. Die Betrachtung dieser Kennzahlen stellt insofern nur den ersten Schritt unseres Selektionsprozesses dar.

    JP: Können Sie uns ein Beispiel geben?

    Wenn Sie die die größten Aktienpositionen unseres Fonds betrachten, dann erkennen Sie schnell, dass wir eine Mischung aus fundamental günstig bewerteten Aktien, wie etwa die Allianz, Nestle und die Rückversicherungsaktien, kombinieren mit Aktien mit qualitativ herausragenden Werten.

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    Quelle: Factsheet des Selection Rendite Plus Anteilklasse I per 29.06.2018.

    Hier sei unser Langzeitinvestment Wirecard oder die MorphoSys genannt. Zwar sind diese Titel durchaus teuer (geworden), doch vereinen diese Titel folgende Erfolgsfaktoren: herausragendes Wachstumspotential, hervorragendes Management, breite Produktpipeline, keine Abhängigkeit von einem einzelnen Kunden. Mit diesem Ansatz sind wir in der Vergangenheit gut gefahren.

    JP: Die Wirtschaftswoche hat Sie und Ihre Kollegen Anfang des Jahres zu den 10 besten Vermögensverwaltern (aus über 400 Banken, Sparkassen und Vermögensverwaltern) gewählt. Warum kennen viele Anleger die Selection Asset Management GmbH noch nicht und was sollte man unbedingt über Sie wissen?

    JS: Diese Auszeichnung macht uns stolz. Wir sind hier von einem unabhängigen Finanzblatt so gut bewertet worden, das macht die Auszeichnung noch wertvoller.

    Warum kennen viele Anleger uns noch nicht? Zunächst muss man wissen, dass wir im institutionellen Fondsmanagement zuhause sind. Wir haben unsere eigene Firma auch erst im Jahr 2015 gegründet. Allerdings haben wir Fondsmanager, Claus Weber und ich, zuvor den Fonds bereits seit über 10 Jahren bei einer renommierten Privatbank für einen ausgewählten Anlegerkreis gemanagt. Aber was uns von vielen oder vielleicht sogar den meisten Vermögensverwaltern unterscheidet ist, dass wir 100 %ig unabhängig sind. Die Firma ist inhabergeführt, frei von „Politics“ und an keine fremden Kapitalgeber gebunden. Das erlaubt es uns, uns rein auf das Fondsmanagement zu konzentrieren. Das ist das größte Plus.

    JP: Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um sein Geld von Profis wie Ihnen verwalten zulassen. Richtet sich das Angebot nur an Superreiche oder gibt es auch Möglichkeiten, mit „kleinem Geld“ bei Ihnen anzulegen?

    JS: Wie bereits erwähnt, gibt es jetzt seit Februar dieses Jahres eine Retailtranche. Das bedeutet, dass jeder „Kleinanleger“ in diesen Fonds investieren kann. Der Anteilspreis liegt bei ca. 100 Euro. Das heißt, jedermann kann hier an Board kommen.

    JP: Wenn nun ein Kunde, sagen wir vielleicht ein Top-Manager, Profisportler oder ein mittelständisches Unternehmen, sein Geld direkt bei Ihnen in der Vermögensverwaltung anlegen möchte: Wie genau sieht der Prozess aus? Was kann ein, bitte entschuldigen Sie die Formulierung, „kleines“ Haus aus München vielleicht besser als eine internationale Großbank?

    JS: Die klassische Vermögensverwaltung bieten wir für größere Vermögen an. Ab einer Größenordnung von ca. 10 Mio. Euro können wir für Kunden einen Spezialfonds auflegen, der nach den Vorgaben des Kunden umgesetzt wird. Da wir vollkommen unabhängig sind, gibt es bei uns keine Interessenkonflikte wie etwa bei Banken oder bankabhängigen Asset Managern. Wir handeln zu 100 Prozent im Sinne unserer Kunden. Wir haben keine Vorgaben, außer von der Bafin natürlich. Wir können uns voll und ganz auf die Anforderungen des Kunden einstellen und mit ihm individuell ein Anlagekonzept erarbeiten.

    JP: Abschließend noch eine Frage zu den Märkten. So selten wie lange nicht gehen die Meinungen zum weiteren Verlauf der Aktienmärkte, aber auch der Anleihen- und Rohstoffmärkte unter den Experten auseinander. Was erwarten Sie noch für das Jahr 2018 und wie sind Sie möglicherweise hier vorbereitet?

    JS: Im aktuellen Umfeld sind wir – so glauben wir – in einer recht einmaligen Situation. Die Märkte werden zu einem Gutteil von geopolitischen Meldungen getrieben, die noch dazu durch irrationale Bemerkungen führender Politiker zu einem wesentlichen Teil kurzfristig oft sehr volatil reagieren.

    Andererseits glauben wir nicht, dass sich das „Trump-Risk“ irrationaler Aussagen und Aktionen mit quantitativ, mathematischen Modellen greifen lässt. Gerade die institutionellen Kunden aber auch viele Privatleute in Deutschland stehen Kursschwankungen sehr kritisch gegenüber. Im Falle der Institutionellen liegt dies in ihrer äußerst begrenzten Risikotragfähigkeit begründet. Viele deutsche Privatkunden sehen Kursschwankungen als Risiko und weniger als Chance. So spricht man beispielsweise in Deutschland ja auch häufig von „Währungsrisiken“ und weniger von „Kurschancen im Währungsbereich“. All dies zeigt die äußerst geringe Risikobereitschaft, die bei liquiden Anlagen vorherrscht.

    JP: Und welche Schlussfolgerungen ziehen Sie daraus für Ihre aktuelle Positionierung?

    Einerseits glauben wir, dass gerade europäische Aktien nach wie vor nicht zu teuer bewertet sind. Im Gegensatz zu den meisten (Staats-)Anleihen oder auch der Assetklasse Immobilien finden sich viele Werte mit – unter den gegebenen Umständen – vernünftigen Renditen. Eine gute Selektion bleibt hier der Schlüssel für den Anlageerfolg.

    JP: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Scholl!

    Die Selection Asset Management GmbH managt Spezialfonds für institutionelle Anleger sowie Publikumsfonds. Zu den Kernkompetenzen zählen der Bereich festverzinsliche Wertpapiere, insbesondere Wandelanleihen, sowie die systematische Aktienselektion. Zu den Kunden der Münchener Investmentboutique gehören z.B. der Industriekonzern Gea Group, der Asset Manager Amundi oder der Verband der chemischen Industrie (VCI).

    Weiterführende Informationen zur Selection Asset Management GmbH finden Sie unter:

    selectionam.de/ueber-uns/

    Selection Asset Management GmbH
    Herzog-Heinrich-Straße 32
    80336 München
    Telefon: 089 - 339 80 1680

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    Quelle: Selection Asset Management GmbH