Trumps bisherige Amtszeit lässt sich wohl am besten mit Murphys Gesetz beschreiben: Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen. Das trifft den Nagel auf den Kopf. Trump glänzte schon in den ersten 100 Amtstagen nicht unbedingt durch Weitsicht, Ruhe und genereller Genialität, doch erst jetzt kommt das ganze Ausmaß ans Tageslicht.

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Zuerst war da die Sache mit Russland und Geheiminformationen. Ein wenig peinlich war das schon, als ihm sein nationaler Sicherheitsberater zur Hilfe eilen wollte. Dieser (McMaster) sagte in der medialen Aufbereitung zu der Frage, ob am Geheimnisverrat etwas dran sei: Ich war im Zimmer; es ist nicht passiert.

Andere, die auch zugegen waren, sagten das gleiche: es ist nicht passiert. Trump twitterte dann blöderweise aber: ja, ich habe es getan. Ob er das nun durfte oder hätte tun sollen oder nicht, ist vollkommen nebensächlich. Die Widersprüche sind einfach nicht besonders beruhigend. Inzwischen fragt man sich, wem in der ganzen Administration noch zu glauben ist.

Das Sahnehäubchen der bisherigen Präsidentschaft kommt in dieser Woche. Nachdem der FBI Direktor gerade erst entlassen wurde, deutet sich nun immer klarer an, weshalb das geschehen ist. Es waren die Ermittlungen gegen den früheren Sicherheitsberater Flynn, die Trump nicht passten. Das allein ist dabei noch nicht der eigentliche Skandal. Vielmehr soll Trump Flynn direkt gesagt haben: lass die Ermittlungen sein.

Letzteres ist im Sinne der Strafvereitelung eine Straftat. Würde sich das bestätigen, kann ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet werden. Einige prominente Republikaner (z.B. McCain) scheinen sich für so etwas durchaus erwärmen zu können.

Gewettet wird inzwischen fleißig. Grafik 1 zeigt die Wahrscheinlichkeit für ein Amtsenthebungsverfahren in diesem und den nächsten Jahren. Insgesamt liegt die Wahrscheinlichkeit über die Amtsperiode bei 50 %. Vielleicht tritt Trump aber auch eigenständig zurück. Die Wahrscheinlichkeit dafür wird auf etwas über 50 % taxiert.

Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Präsident wegen eines Skandals zurücktritt, bevor es zur Amtsenthebung kommt. Nixon war der bisher erste und einzige Präsident, der das tat. Der Börse war das übrigens recht egal. Grafik 2 zeigt den S&P 500 mit wesentlichen Watergate Momenten. Teilweise stieg der Markt, teilweise fiel er. Insgesamt fand das alles während eines Bärenmarktes statt. Diesen kann man Nixon nicht zuschreiben.

Der Markt reagierte an einzelnen Tagen auf Nachrichten. Nachhaltig hat die ganze Affäre kaum Auswirkungen gehabt. Lediglich nach dem Rücktritt 1974 kam es zu einem nennenswerten Selloff. Immerhin kam es kurz darauf zu einem nachhaltigen Tief.


Der Markt sollte sich auch weiterhin von Trumps Stunts nicht auf der Ruhe bringen lassen. Bis auf punktuelle Ausreißer ist selbst Chaos an höchster Stelle für die US-Börsen nicht relevant. Trump wird da vermutlich keine Ausnahme sein. Ihn unterscheidet zwar von seinen Vorgängern, dass er niedrige Zustimmungswerte hat, doch das sollte, wenn überhaupt, eher einen Rücktritt begünstigen.

Grafik 3 zeigt dazu die Zustimmungswerte der Präsidenten seit Truman. Im Normalfall beginnen Präsidenten mit hohen Zustimmungswerten. Hätten sie keine hohe Zustimmung gehabt, wären sie nicht gewählt worden... Trump begann bereits mit niedrigen Werten und je nach Umfrage erreichen die Werte gerade neue Tiefs.

Nach der Wahl konnte man wenigstens noch sagen, dass die Medien es auf Trump abgesehen hatten, doch das Volk hinter ihm steht. Inzwischen kann davon keine Rede mehr sein. Das Volk ist geradezu erschüttert.

Persönlich favorisiere ich einen Rücktritt Trumps. Er könnte hinschmeißen nach dem Motto: wenn mich die Leute und meinen Einsatz nicht wollen... Das würde zu ihm eigentlich ganz gut passen. Ein Rücktritt ist wohl das Beste, was den USA und der Welt passieren kann.

Das ist natürlich nur meine persönliche Meinung, die absolut keinen Anspruch auf Neutralität hat. Sie ist hochgradig subjektiv. Trump mochte ich weder vor der Wahl noch danach. So wie die bisherige Amtszeit verläuft wird sich daran wohl auch nichts mehr ändern.

Clemens Schmale

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