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Ankara (Godmode-Trader.de) - Er ist der Schwiegersohn von Präsident Recep Erdogan und von diesem zum Finanzminister der Türkei erkoren worden. Doch Berat Albayrak hat bereits wiederholt überfordert mit der ihm übertragenen Amtsverantwortung gewirkt. Einen neuerlichen Fauxpas erlaubte er sich bei einem viel beobachteten Auftritt, der Präsentation des Drei-Jahres-Plans der Regierung für die Wirtschaft am Dienstag.

Albayrak erläuterte, wie sich die Regierung die wirtschaftliche Entwicklung in den Jahren 2021 bis 2023 vorstellte. Sein Programm werde dafür sorgen, dass die Türkei die finanziellen Ungleichgewichte infolge der Corona-Pandemie bewältigt, betonte er. Doch auf die Frage des türkischen Journalisten Hakan Güldağ, wie er die schwache Landeswährung Lira stützen wolle, die diese Woche mehrfach neue Rekordtiefs zu Dollar und Euro verzeichnet habe, erlaubte er sich den Lapsus zu sagen, der Wechselkurs sei ihm nicht wichtig. „Ich schaue nicht drauf. Die Industrie ist robust. Wir haben die Kontrolle über den Wechselkurs in unseren Händen,“ wie die Nachrichtenwebsite T24 berichtete.

Angesichts der Tatsache, dass der Finanzminister die Folgen seiner Worte nicht wirklich abschätzen kann, klingt letztgenannte Behauptung mehr als hohl. So jedenfalls fasste das der Finanzmarkt auf. Erneut zogen Investoren die Reißleine und trennten sich von der Lira, die am Dienstag auf ein neuerliches Rekordtief von 7,8542 je Dollar fiel, was die Verluste in diesem Jahr auf etwa 24 Prozent summiert.

Albayrak gab bei der Präsentation am Dienstag Prognosen für Wirtschaftsindikatoren wie Wachstum, Inflation und Arbeitslosigkeit ab. So erwartet die türkische Regierung ein Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent in diesem Jahr und eine Verlangsamung der Inflation von 11,8 Prozent im vergangenen Monat auf 10,5 Prozent im Dezember. Die Türkei berechnet ihr Wirtschaftswachstum anhand des Wechselkurses zwischen Lira und Dollar.

Ob diese Prognosen eintreffen, bezweifelt der Markt. Die türkische Wirtschaft wurde schwer von der Corona-Krise getroffen und außenpolitische Wagnisse, wie der Gasstreit mit Griechenland oder die jüngste Eskalation in der Konfliktregion Berg-Karabach, in der die Türkei sich als Schutzmacht für Aserbaidschan geriert, zerstören weiteres Investoren-Vertrauen.

Die Talfahrt der türkischen Währung setzt sich damit weiter fort, obwohl die Notenbank des Landes in der vergangenen Woche eine kräftige Zinserhöhung vorgenommen hatte. Sollte die geldpolitische Entscheidung gegen den Willen Erdogans gefällt worden sein, „wird der Markt die Zinserhöhung nicht als Bestandteil eines konsistenten Rahmenkonzepts und auch nicht als nachhaltig einschätzen“, erklärte Devisenexperte Tatha Ghose von der Commerzbank den fehlgeschlagenen Versuch der Notenbank, den Kurs zu stabilisieren.

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