Ankara (Godmode-Trader.de) - Die türkische Wirtschaft erholte sich im dritten Quartal weitgehend von dem Einbruch im Frühjahr. Nach Angaben des Nationalen Statistikamts legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zu. Analysten hatten lediglich mit einem Zuwachs um 4,8 Prozent im Konsens gerechnet. Saison- und kalenderbereinigt expandierte die Wirtschaft auf Quartalsbasis um 15,6 Prozent - das ist die höchste je in der aktuellen BIP-Reihe gemessene vierteljährliche Veränderung, nachdem die Leistung im Vorquartal aufgrund der Auswirkungen der Pandemie bereinigt um 10,8 Prozent eingebrochen war.

Der private Konsum zog im Sommerquartal um 9,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr an und war damit einer der Hauptantriebskräfte des Wachstums. Eine beträchtliche Dynamik bei den Verbraucherkrediten und andere innenpolitische Konjunkturimpulse dürften hinter der Erholung stehen.

Dank einer günstigen Ausgangslage schnellten die Investitionsausgaben um 22,5 Prozent im Jahresvergleich in die Höhe und erreichten damit den höchsten Stand seit 2011. Die Unternehmen stellten in einer Vielzahl von Sektoren ihre Produktionskapazitäten wieder her und erhöhten somit ihre Auslastungsraten auf das Niveau vor der Pandemie. Während die Bauausgaben stiegen, da die Verkäufe von Eigenheimen aufgrund attraktiver Hypothekenzinsen zunahmen, verzeichneten die Maschinen- und Ausrüstungsinvestitionen ein Plus von 24 Prozent. Allerdings dürfte die Verschuldung des Unternehmenssektors angesichts der jüngsten Währungsschwäche weiterhin ein wichtiger Hemmschuh für neue Investitionen bleiben.

Auf der anderen Seite wirkten sich der Außenhandel belastend aus. Dies ist auf einen Rückgang der Exporte um 6 Prozent im Jahresvergleich zurückzuführen, während die Importe um 3,1 Prozent anstiegen. Angesichts der Ausweitung des Außenhandelsdefizits ist dies nicht überraschend.

In der sektoralen Aufgliederung haben alle Sektoren mit Ausnahme der freiberuflichen und administrativen Dienstleistungen die Gesamtwachstumsrate unterstützt, was auf eine breit angelegte Erholung hindeutet. Von den positiven Antriebskräften haben die Industrie und die Finanzdienstleistungen dabei den größten Beitrag geleistet.

Die Aussichten für das vierte Quartal sind jedoch trübe, da das Land von einer neuen und heftigen Corona-Welle heimgesucht wird. Das Land hat deswegen neue Beschränkungen des öffentlichen Lebens ergriffen.