Wie man aus der Presseberichterstattung entnehmen konnte, hat die türkische Regierung letzte Woche zur Überraschung aller den Zentralbankchef Naci Agbal ersetzt, nur viereinhalb Monate nach seinem Amtsantritt. Unter Agbals Leitung hatte die Zentralbank der Republik Türkei (TCMB) das Vertrauen der Märkte durch die Rückkehr zu einer orthodoxen Geldpolitik und eine transparente Kommunikation wiedergewonnen. Der Grund für seine Entlassung war die Zinserhöhung am 18. März - eine Erhöhung um 2 % gegenüber einer erwarteten Konsenserhöhung von 1 %. Präsident Recep Tayyip Erdogan ist empfänglich für eine aggressive geldpolitische Straffung.

Der neue TCMB-Vorsitzende Sahap Kavcioglu, ein Professor für Bank- und Versicherungswesen an der Marmara-Universität, ist nicht sehr bekannt. Er hat sich jedoch kritisch über die geldpolitische Straffung von Agbal geäußert. In seiner ersten Bankmitteilung erklärte Kavcioglu, dass die TCMB „die geldpolitischen Instrumente weiterhin effektiv im Einklang mit ihrem Hauptziel einsetzen wird, einen dauerhaften Rückgang der Inflation zu erreichen".

Unserer Meinung nach ist die Lage nicht wie im Jahr 2018 - eine Währungskrise, in der die Investoren gleichzeitig das Vertrauen in die Zentralbank und die Regierung verloren haben. Sie ist auch nicht mit dem Jahr 2020 vergleichbar, als die unorthodoxe Politik der Verwendung von Devisenreserven zur Stützung der Währung unhaltbar wurde. 2021 ist eine Neubewertung der geldpolitischen Unsicherheit. Wir sind derzeit in der Türkei untergewichtet und werden unsere Positionierung nach der nächsten Sitzung der türkischen Zentralbank überprüfen.