Nach einer turbulenten Woche an den internationalen Kapitalmärkten präsentierten sich die Rentenmärkte leicht erholt. Der Euro entfernte sich wieder ein gutes Stück von der 1,30 US-Dollar-Marke. Das Thema Inflation entwickelt sich immer mehr zum wichtigsten Einflussfaktor für die Rentenmärkte.

USA: Inflation is the game

An den Finanzmärkten der Vereinigten Staaten rückt das Thema Inflation immer mehr in den Mittelpunkt. Am letzten Mittwoch wurde bekannt gegeben, dass die Kerninflationsrate der Anstieg des Verbraucherpreisniveaus unter Herausrechnung der stark schwankenden Nahrungsmittel- und Energiepreise im April um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen war. Die Jahresrate liegt damit inzwischen bei beachtlichen 2,3 Prozent (März: 2,1 Prozent) und damit vermutlich nahe der informellen Obergrenze der Federal Reserve Bank. Zudem haben sich die langfristigen Inflationserwartungen zuletzt spürbar erhöht, wie aus der Renditedifferenz zwischen Nominal- und Realzinsanleihen abzulesen ist. Im Zuge dieser Entwicklungen nahmen die Spekulationen auf eine weitere Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank wieder zu. Das Lager der Zinsfalken wird zusehends größer. Es wird von vielen Marktteilnehmern nicht einmal mehr ausgeschlossen, dass die Fed die Zinszügel bereits im Juni erneut strafft, um ihre Glaubwürdigkeit bei der Inflationsbekämpfung zu behalten, zumal Ben Bernanke noch nicht allzu lange im Amt ist. Konkrete Hinweise auf einen Zinsschritt gibt es bisher allerdings noch nicht.

Die gewachsene Unsicherheit sorgte für eine deutlich erhöhte Volatilität an den Märkten. Während die Aktienmärkte in der Vorwoche erhebliche Kurskorrekturen hinnehmen mussten, wussten die Rentenmärkte lange nicht, in welche Richtung sie marschieren sollten. Nach Bekanntgabe der amerikanischen Inflationsdaten gingen die Renditen zunächst in die Höhe, da Inflation generell Gift für die Rentenmärkte ist. Im Wochenverlauf gewannen die Sorgen vor einer geldpolitisch verursachten Konjunktur-verlangsamung die Oberhand, was zu sinkenden Renditen und damit steigenden Kursen für Besitzer von festverzinslichen Wertpapieren führte. Eine Reihe von Konjunkturdatenveröffentlichungen (Arbeitslosenzahlen Frühindikatorenindex, Philly-Fed-Index), die etwas schwächer als erwartet ausfielen, passten in dieses Bild. Zudem dürften wohl vor allem kürzere Laufzeiten von Mittelzuflüssen aus anderen Anlagesegmenten profitiert haben. Per saldo ist der US-Rentenmarkt schließlich gestärkt aus der Woche gegangen. Die Rendite zehnjähriger Treasuries fiel immerhin um 13 Basispunkte. Sie liegt aber dennoch weiterhin bei über fünf Prozent.

Dollar: Totgesagte leben länger

Der Devisenmarkt kommt ebenfalls nicht zur Ruhe. Nachdem zum Wochenbeginn fast nur noch darüber diskutiert wurde, wann beim Euro die 1,30-USD-Marke fiele und wie weit es dann noch nach oben ginge, gab es für viele überraschend in den nachfolgenden Tagen eine kräftige Gegenbewegung. Am Freitag notierte die Gemeinschaftswährung kurzzeitig sogar unter 1,27 US-Dollar und damit drei Cent niedriger als in der Spitze. Die Unsicherheit über die amerikanische Zinspolitik war auch hier das beherrschende Thema und sorgte für die heftigen Kursschwankungen. Insbesondere die zwar noch vage Aussicht auf einen weiteren Zinsschritt der Fed nahm Druck vom US-Dollar.

Bei der EZB nichts Neues

Die europäischen Rentenmärkte konnten sich im Schlepptau des US-Bondmarktes nach den Rückschlägen der letzten Wochen etwas erholen. Die Meldungen von der Konjunkturseite ergaben dabei jedoch kein eindeutiges Bild. Einerseits erhöhte sich beispielsweise die Industrieproduktion im Euroraum im Vorjahresvergleich um 3,8 Prozent, was beweist, dass der Aufschwung auch im produzierenden Gewerbe angekommen ist. Andererseits gab der ZEW-Index, der auf einer Umfrage unter Finanzanalysten basiert, zum vierten Mal in Folge nach. Zudem fiel in Frankreich das Wachstum im ersten Quartal 2006 mit 0,5 Prozent gegen Vorquartal etwas geringer aus als zunächst erwartet. Bestätigt wurden dagegen die vorläufigen Inflationszahlen. Im April lag die Teuerungsrate bei 2,4 Prozent und damit weiterhin deutlich über dem EZB-Zielwert. Auch die Kernrate ist erneut leicht angestiegen und befindet sich nun bei 1,5 Prozent. Eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank im Juni gilt damit weiterhin als ausgemachte Sache, wobei wir eine Anhebung um 25 Basispunkte auf dann 2,75 Prozent als wahrscheinlichsten Fall ansehen. An den Rentenmärkten ist angesichts des insgesamt labilen Umfelds mit einer anhaltend hohen Schwankungsintensität zu rechnen.

Ausblick:

Im Euroraum stehen mit dem deutschen Ifo-, dem belgischen BNB- und dem italienischen ISAE-Index wichtige Frühindikatoren zur Veröffentlichung an. Nach dem Höhenflug in den Vormonaten könnte es auf hohem Niveau zu leichten Korrekturen kommen, ohne dass dies als Hinweis auf eine schwächere Konjunktur zu werten wäre. In den USA dürfte mit Argusaugen auf Daten zur Preisentwicklung geschaut werden. Parallel zur zweiten BIP-Schätzung wird am Donnerstag der BIP-Deflator bekannt gegeben, am Freitag steht dann noch der Kerndeflator des privaten Konsums auf dem Konjunkturdatenkalender. Beide Zahlen könnten Aufschluss über die weitere Inflationsentwicklung geben.

Quelle: Union Investment

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