Basel (BoerseGo.de) - In diesem Jahr haben eher zyklische Sektoren in den Monaten von Mai bis Juli outperformed. Im September hat das Pendel aber wieder hin zu den defensiven Sektoren gedreht. Das überlagernde Thema in der Sektorallokation ist nach wie vor das Tiefzinsumfeld mit tiefem Wirtschaftswachstum. Das heißt, dass aus einer strukturellen Sicht Aktien defensiver Sektkoren über die nächsten Jahre attraktiver erscheinen als zyklische Sektoren, wie Gabriel Bartholdi, Aktienstratege bei der Bank J. Safra Sarasin, in einem aktuellen Marktkommentar schreibt.

Dies habe zwei Gründe. Erstens würden Aktien aufgrund des Tiefzinsumfeldes mit hohen Dividenden (meistens aus den defensiven Sektoren) als Alternative gegenüber Anleihen betrachtet und würden von den Investoren stärker nachgefragt. Zweitens seien viele Unternehmen in den zyklischen Sektoren ohne wiederkehrende Umsätze auf einen größeren Optimismus der Wirtschaftsakteure angewiesen, um eine steigende Investitionstätigkeit und höhere Konsumbereitschaft auszulösen, heißt es weiter.

„Im aktuellen Wirtschaftsumfeld fehlt dieser Optimismus. Dies führt dazu, dass zyklische Unternehmen kein überdurchschnittliches Gewinnwachstum verzeichnen können, um das operative Risiko zu kompensieren. Insgesamt ist das momentane Umfeld verantwortlich für längere Phasen, in welchen defensive Sektoren stärker outperformen. Dieser Trend konnte bereits in den letzten vier Jahren beobachtet werden“, so Bartholdi.

Trotz der strukturellen Attraktivität der defensiven Sektoren, könnten Zeitperioden beobachtet werden, in welchen zyklische Sektoren outperformen. Diese Phasen würden hauptsächlich von den Wirtschaftsüberraschungen beeinflusst. Bei mehr positiven Wirtschaftsüberraschungen zeigten zyklische Sektoren eine bessere Kursentwicklung. Entsprechend könne es sich lohnen, auch während des aktuellen strukturellen Trends, welcher für defensive Sektoren spreche, eine aktive Sektorrotation im Portfolio vorzunehmen und temporär auf zyklische Sektoren zu setzen. Das jetzige Niveau der Wirtschaftsüberraschungen der G10 Länder zeige noch keinen starken Trend an. Dies habe auch damit zu tun, dass die positiven Überraschungen aus den USA von den negativen Überraschungen aus Euroland ausgeglichen würden, heißt es weiter.

„Wir rechnen jedoch damit, dass sich vor allem in Euroland im nächsten Quartal die Konjunkturindikatoren stabilisieren werden. Dies dürfte dazu führen, dass die positiven Wirtschaftsüberraschungen zunehmen, was für zyklische Sektoren sprechen wird. In unserer Sektorallokation setzen wir jedoch bereits jetzt auf eher zyklische Sektoren. Wenn das allgemeine Wirtschaftswachstum gedrückt bleibt, werden vor allem die Unternehmen honoriert, welche überdurchschnittliches Gewinnwachstum verzeichnen können. Des Weiteren stützen die positiven US-Konjunkturdaten vor allem den USA-lastigen Informationstechnologiesektor. Aufgrund dessen favorisieren wir entgegen der strukturellen Trends die zyklischen Konsumgüter- und Informationstechnologiesektoren“, so Bartholdi.