Larry Summers hält „Quantitative Easing“ für mittlerweile ziemlich unwirksam und trommelt schon länger für verstärkteInfrastrukturausgaben, um die Wirtschaft aus ihrer Lethargie zu reißen. Schützenhilfe erhielt der Ökonom dabei Anfang Oktober vom IWF, der seine Position spektakulär verändert hat, und plötzlich nicht länger auf die Konsolidierung der Staatsschulden pocht, sondern ganz im Gegenteil eine beschleunigte Verschuldung fordert, um damit Investitionen in die Infrastruktur zu finanzieren.

Summers hat nun am Montag diesen Doppelpass dankbar angenommen, und in der Financial Times einen Artikel lanciert, in welcher er endgültig mit dem kapitalistischen Vorurteil abrechnet, dass es kein „Free Lunch“ geben darf. Die Rechnung, die er dabei aufmacht um das Gegenteil zu beweisen ist recht simpel:

Angenommen es wird eine Investition in eine neue Autobahn getätigt, deren Bau selbst keine stimulierenden Effekte auslöst, und über die Jahre eine Rendite von 6% erwirtschaftet. Der Staat kann davon je nach Besteuerung einen gewissen Prozentsatz – sagen wir 25% abgreifen und damit 1,5% des ursprünglich investierten Betrages pro Jahr in Form von zusätzlichen Steuereinnahmen kassieren. Da die Realzinsen in den meisten entwickelten Ländern mittlerweile unter 1% liegen, würde die initiale Verschuldung zum Bau des Highways langfristig die drückende Schuldenlast der Länder wunderbarerweise sogar reduzieren.

Ich will auf dieses hypothetische Gedankenspiel nicht weiter eingehen, sondern viel mehr auf den IWF verweisen, der heute ein hochkarätiges Seminar veranstaltet hat, in welchem unter anderem Kenneth Rogoff und Paul Krugman diese Idee weiter vertiefen.

Ich habe mir die Diskussion selbst noch nicht angetan, aber ich finde es schon jetzt sehr faszinieren, wie kunstvoll der IWF - nun nachdem sich Zinssenkungen und serielle QE-Programme als zunehmend ineffektiv herausstellen - eine Agenda pusht, deren Inhalt er vor einigen Jahren noch für unsinnig hielt,

Ich persönlich halte die Idee von massiven und fremdfinanzierten Infrastrukturmaßnahmen als hochgradig riskant, denn wer kann zu 100% garantieren, dass der Multiplikator dieser Art von Investment tatsächlich positiv ist?

Im Gegensatz zu den Zentralbankmaßnahmen wie QE wird hier nämlich nicht mit Spielgeld hantiert, sondern mit ganz realen zukünftigen Steuergeldern.

So, oder so – um Deutschland mit seiner international denunzierten Sparpolitik wird es immer einsamer.