Silber brach in den vergangenen 48 Stunden um über 2 Dollar ein - erholt sich jetzt aber wieder. Aus technischer Sicht liegt nichts im Argen - der Selloff wurde bei rund 28,50 Dollar abgefangen, sodass die Unterstützung bei 28 Dollar gehalten werden konnte. Die US-Regulierungsbehörden scheinen richtig unter Druck zu stehen. Am 16. Dezember wurde eine Konferenz in Washington, D.C. abgehalten. Vorgestellt wurde ein Plan, der in den letzten Monaten ausgearbeitet wurde. Der Plan enthält konkrete Schritte, die alle in Richtung Verschärfung der Regulierung der Agrar-, Energie- und Metallmärkte gehen. Dann wurde die Konferenz abrupt abgebrochen. Wohl deshalb, weil Kommissar Bart Chilton während der Konferenz angekündigt hatte, gegen die Einführung von Positionslimits abstimmen zu wollen.

    Hintergrund: Um was geht es? Unter dem Druck immer weiter steigender Rohstoffpreise ist die US-Terminbörsenaufsicht CFTC dazu angehalten, schärfere Regulierungen der Rohstoffterminbörsen einzuführen. Sie ist seit Monaten dabei, konkrete Maßnahmen gegeneinander abzuwägen, darunter auch die bisher favorisierte Methode - die Einführung von Positionsobergrenzen für einzelne Marktteilnehmer. Mit der Vermeidung einer solchen zu hohen Konzentration von Marktpositionen soll eine Manipulation bzw. Marktverzerrung verhindert werden.

    Was hat das nun mit dem Silber-Selloff zu tun? Am Dienstag kündigte die CFTC an, die Abstimmung über den Plan schon bald durchführen zu wollen. Positionslimits könnten also früher als erwartet kommen. Die CFTC kann dann als zu groß erachtete Positionen näher unter die Lupe nehmen und darüber entscheiden, ob diese aufgelöst werden sollen.

    Derselbe, der gegen Positionslimits ist, lenkte am Dienstag laut Reuters-Berichten offenbar ein. Bart Chilton sagte gegenüber der Presse: "Während ich nun Positionslimits für die öffentliche Kommentierung freigeben werde, werde ich mich dafür stark machen, exzessive Spekulation in diesen Märkten sofort zu adressieren."

    Eine Verschärfung der Regulierung ist in einer Umfrage von Barclays unter institutionellen Investoren als die zweitgrößte Gefahr für Rohstoffinvestments im Jahr 2011 genannt worden, knapp hinter einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft. Unsicherheit führt an der Börse immer zu Kursverlusten, oft auch zu schnellen, wie im Fall von Silber.

    Dabei ist die Kursreaktion bei Silber zu einem gewissen Stück weit nicht verständlich, da die Positionslimits im Falle von Silber vor allem die Short-Positionen betreffen werden, die bei Silber an der COMEX in New York vermutlich von einer Großbank gehalten werden. Es wird darüber spekuliert, dass sogar China diese Short-Position hält, das ist aber nicht nachgewiesen. Diese Short-Position müsste bei der Einführung von Positionslimits aufgelöst werden, was wahrscheinlich zu dramatischen Kurssteigerungen bei Silber führen würde. Wäre da nicht die Einschränkung, die von der CFTC einmal diskutiert wurde: Jene nämlich, dass die Positionslimits nur für Long-, nicht aber für Short-Positionen gelten sollen. Aber auch das ist noch nicht spruchreif.

    Der Kursrückgang ist aus meiner Sicht eine gute Einstiegschance bei Silber.

    Mehr zu Silber und Rohstoffen im Rohstoff-Blog auf http://www.godmode-trader.de/blog/rohstoff

    Autor: Jochen Stanzl – Chefredateur Finanznachrichten BoerseGo.de

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