Zu Beginn der 1980ger Jahre diskutierten die beiden befreundeten US-amerikanischen Future-Trader Richard Dennis und William Eckhardt, ob man jeden beliebigen börseninteressierten Laien durch die Vermittlung eines klaren Regelwerkes zu einem erfolgreichen Trader ausbilden könnte. Während Dennis diesen Standpunkt vertrat, argumentierte Eckhardt, dass für eine wirklich dauerhaft erfolgreiche Trader-Karriere Fähigkeiten notwendig wären, welche nicht vermittelbar und auch nicht erlernbar wären. Um der Diskussion ein Ende zu bereiten, veröffentlichten sie 1983 eine Anzeige im Wall Street Journal, woraufhin sich über 1.000 Bewerber für dieses Projekt fanden. Schlussendlich wurden 13 Teilnehmer ausgewählt, wobei als Hauptkriterium formuliert wurde, das niemand von ihnen über professionelle Trading-Erfahrungen verfügen durfte. Die Gruppe erhielt den Namen „Turtle-Traders“.

    Nach einer Schulungs- und anschließenden Simulationsphase, wurden die 10 erfolgreichsten der 13 Teilnehmer durch Dennis mit Kapital ausgestattet. Das Experiment erwies sich als erfolgreich. In den folgenden vier Jahren erzielte die Gruppe einen durchschnittlichen Gewinn von etwa 80 Prozent und einige dieser Teilnehmer sollen noch heute in einigen Managed-Future-Fonds tätig sein.

    Damit sollte der Beweis erbracht sein, dass erfolgreiches Trading definitiv erlernbar ist, so wie jede berufliche Aktivität erlernt werden kann. Fähigkeiten und Gespür trennen am Ende möglicherweise die sehr Erfolgreichen vom durchschnittlich erfolgreichen Trader, aber es ist nicht so, dass der Beruf des Traders nur einigen Interessierten und „Befähigten“ vorbehalten bleibt.

    Wie jeder Beruf verlangt die erfolgreiche Umsetzung dieser Tätigkeit jedoch auch die Befolgung und Umsetzung einiger Prämissen.

    Es passiert im Kopf …

    Ein jeder, der sich mit dem Thema Börsen-Trading bereits intensiver beschäftigt hat, wird an einer einschneidenden Erkenntnis nicht vorbei kommen: die Entscheidung über Gewinn oder Verlust mit einem Trade hängt nicht in erster Linie vom Verständnis der zu handelnden Regelwerke zum Ein- und Ausstieg in / aus einer Position ab, sondern wird in erster Linie über unsere emotionale Einstellung zu diesem Geschäft gefällt. Ich gehe soweit zu sagen, dass selbst die treffsichersten Ein- und Ausstiegsregeln nichts wert sind, wenn diese von einem emotional gehetzten Trader zum Einsatz gebracht werden.

    Diese Erkenntnis ist nichts Neues und schon gar nicht etwas Revolutionäres: man hat es bereits oft gelesen, man hat es noch öfter gesagt bekommen. Und dennoch ist es etwas Einschneidendes, wenn sich diese Erkenntnis über die Zeit einstellt und der „Aha“-Effekt eintritt. Auch Sie werden sich diesem Erkenntniseffekt nicht entziehen können, früher oder später holt dieser Sie ein, denn auch für Sie gilt diese Tatsache. Mit dieser Erkenntnis eng verbunden sind fast zyklisch immer wiederkehrende Selbstzweifel, besonders wenn einschneidende Veränderungen in Ihrer Trading-Entwicklung erfolgen, wie der Übergang vom Simulations-Trading, hin zum Echtgeldhandel.

    Dieses emotionale Auf- und Ab ist ein Prozess, welcher jeden Trader erfasst, nicht nur in seiner Lern- und Entwicklungsphase, sondern auch zu späteren, fortgeschrittenen Zeitpunkten. Immer wieder wird die Motivation in Frage gestellt, immer wieder fragt man sich, ob man den sich stets ändernden Rahmenbedingungen wirklich gewachsen ist. Aber viel wichtiger ist das immer wiederkehrende „auf die Probe stellen“ der eigenen Selbstdisziplin, deren „Aufweichen“ fast „Eins zu Eins“ seine Spuren in der Ergebnisentwicklung unseres Handelns hinterlässt.

    Wie können wir diesem Problem begegnen? Die ernüchternde Antwort ist: es gibt kein Patentrezept dagegen. Es gibt keinen Schalter, den wir einfach umlegen können, um von da an weniger emotional belastet zu arbeiten. Dennoch sind wir dem Druck, den wir uns selbst bereiten, nicht wehrlos ausgeliefert.

    Die Hauptursache der emotionalen Belastungen und immer wiederkehrenden „Schnellschüsse“, aus denen Fehler resultieren, welche wiederum unsere emotionale Belastung wie in einer Spirale erhöhen, ist meist eine falsche oder unzureichende Selbsteinschätzung, eine fehlerhafte Einordnung unserer Fähigkeiten und Möglichkeiten im Marktumfeld und dem Setzen falscher Prioritäten und Ziele. Ich will es auf den Punkt bringen:

    (A) Es gibt keinen Markt für Anfänger und keinen Markt für Profis. Es gibt nur einen Markt für beide Extreme (und allem, was sich dazwischen bewegt). Wenn wir aber nicht lernen und verstehen, nach welchen Mechanismen ein Markt und seine sich darin bewegenden Akteure verhält, werden wir falsche Einschätzungen treffen und folglich falsche Schlüsse ziehen.

    (B) Wir schätzen uns in der Regel falsch ein. Wir legen die Messlatte (unsere persönliche, nur für uns geltende Messlatte) in der Regel zu hoch an. Wir sind ungeduldig und erwarten viel zu rasche Fortschritte. Warum ist das so? Weil sich kaum jemand darüber im Klaren ist, dass der Handel an der Börse eine Tätigkeit mit Komplexitäten darstellt, wie diese auch in anderen Berufen anzutreffen ist, mitunter einer weit höheren Komplexität. Presse und Fernsehen stellen es mitunter stark vereinfacht dar: junge Händler im Adrenalinrausch, mit schicken Autos und einem partydurchtränkten Lebensstil. Doch dieses Klischee ist falsch, absolut falsch. Wirklich gute Händler durchlaufen lange und sehr kostenintensive Ausbildungsphasen. Derivate-Händler sind mathematisch und statistisch extrem gut trainierte Experten, deren Entwicklung mitunter über Jahre reicht, bis sie Höchstleistungen erbringen. Die Halbwertzeiten von Händlern variieren deutlich, wenn sie dem hohen Anforderungsdruck ihrer sie beschäftigenden Institute nicht standhalten. Das heißt: wir müssen uns ebenfalls die nötige Zeit und Tiefe geben, um unseren realistischen Platz in diesem Markt von Unsicherheiten und Emotionen zu finden.

    (C) Es werden mitunter die Ziele, unsere Ziele im Zusammenhang mit dem, was wir an der Börse tun, völlig falsch gesetzt. Wer sich das Ziel setzt, in kürzester Zeit ein Niveau zu erreichen, in einem hochkomplexen Markt, durchdrungen von Geschäftsabläufen, welche zwar gravierenden Einfluss auf Kursentwicklungen haben (jenseits von Trendlinien, Pivot-Punkten und sonstigem), aber nicht einmal im Ansatz verstanden werden (mitunter völlig unbekannt sind), um stetige Erträge herausziehen zu wollen, steht außerhalb jeglicher Realität. Wie lange denken Sie, müssten Sie lernen, um einen A-340 von Airbus in einen dauerhaften Parabelflug halten zu können? Sie meinen, hier werden Äpfel mit Birnen verglichen? Ja, da gebe ich Ihnen recht. Denn wenn Sie das Fliegen erlernt haben und die Physik dazu beherrschen, sollte es nach Jahren zur Routine werden können. Börse wird dagegen niemals zu einer Routine werden.

    Die genannten Aspekte sind ein Fakt, den wir akzeptieren und verstehen müssen. Aber wenn wir das verstanden und akzeptiert haben, ist unsere Ausgangslage gut, in unserer Nische zu jenen wenigen Prozenten an Akteuren heranzuwachsen, denen es tatsächlich gelingt, regelmäßig und stetig Erträge zu erzielen.

    Auf was lasse ich mich ein?

    Es gibt diverse Fachbücher im Buchhandel, welche Interviews recht stetig erfolgreich arbeitender Trader und Investoren wiedergeben. Liest man sich ein, kommt die erste verblüffende Erkenntnis, dass hier mitunter absolut unterschiedliche Vorgehensweisen beschrieben werden, die zum Teil konträr zueinander stehende Prämissen zur Grundlage haben, am Ende aber dennoch dauerhaften Erfolg zu ermöglichen scheinen. Somit wird gleich deutlich: das ultimative Regelwerk, den geheimnisvollen Erfolgsansatz scheint es überhaupt nicht zu geben.

    Doch lässt man Gelesenes länger auf sich wirken, werden zwei Aspekte deutlich: (1) ausnahmslos alle Akteure verfügen über ein striktes, rigoros ein- und umgesetztes Ausstiegsszenario für ihre einmal eingegangenen Positionierungen (was mitunter die einzige gemeinsame Schnittmenge in der Fülle von Handelsansätzen ist) und (2) sie verfügen alle über eine kompromisslose Selbstdisziplin. Und diese Selbstdisziplin in jeder Hinsicht ist es, welche es den befragten Akteuren erlaubt und überhaupt erst ermöglicht, wirklich dauerhaft das Ruder im Bezug auf ihren Erfolg in der Hand zu behalten.

    Selbstdisziplin ist folglich ein Schlüssel zum Erfolg. Das sage ich nicht nur so daher, weil es gut klingt, sondern weil es so ist. Wer eine Selbstdisziplinierung auf Dauer im Markt nicht aufrechterhalten kann, begibt sich mitunter auf sehr dünnes Eis und erliegt „plötzlich und unerwartet“ seinen persönlichen „Schwarzer Schwan“-Ereignissen.

    Doch was heißt das jetzt konkret? Wie und wo muss ich als Händler Selbstdisziplin halten?

    Diese substanzielle Kernfrage, um die sich am Ende Erfolg oder Misserfolg drehen wird, kann nicht mit einem Schlagsatz beantwortet werden, sondern fächert sich auf diverse Aspekte des Handels auf. Benennen wir zunächst unsere eigenen Schwachstellen. Welche Fehler sind die typischsten Missgriffe und Einstellungen, welche unserem gewollten Erfolg im Wege stehen?

    - Wir hören immer auf Meinungen anderer, da wir uns entweder nicht die notwendige Zeit nehmen, um börsentäglich den Markt und das Marktumfeld entsprechend zu analysieren, oder es fehlt uns das notwendige Wissen dazu.

    - Wir suchen den Super-Indikator oder das zuverlässige Handelsregelwerk, mit dem wir stabile Ertragseinnahmen erwarten und wechseln und springen somit ständig hinter neuen Ideen hinterher.

    - Wir unterschätzen Risiken und überschätzen die Möglichkeiten welche ein Trade jederzeit bereithält.

    - Wir sind ungeduldig und ehrgeizig, wir halten stur an unserer Meinung fest und neigen zu Aktionismus.

    - Wir überschätzen uns selbst, vergleichen uns stets mit anderen und sehen uns immer wieder Selbstzweifeln gegenüber.

    Ein jeder von uns kennt die eine oder andere der hier aufgezählten Schwächen, vielleicht treffen auch alle fünf Schwächen in ihrer Gesamtheit auf den einen oder anderen zu. Wie können wir diese Fallstricke überwinden und dauerhaft unterdrücken.

    In den Banken wird während der Ausbildung und auch später während des Praxiseinsatzes recht unsensibel vorgegangen. Man wird zwar entsprechend inhaltlich ausgebildet, bekommt umfassende Produktkenntnisse vermittelt, lernt das Erkennen der Marktteilnehmeraktivitäten im Markt, wird in diversen Regelwerkstechniken geschult und erhält auch psychologische Unterstützung, steht aber von Beginn an unter Erfolgsdruck. Die Auswahlkriterien sind hoch gesteckt und die Performance-Druck-Schraube wird recht zügig angezogen. Trading ist ein Geschäft, jeder Euro, der in die Ausbildung fließt, muss sich rasch amortisieren und Rendite abwerfen. Die Folge ist, dass sich tatsächlich ein durchaus bestimmter Menschenschlag im Handel durchsetzt, allerdings einer, der nicht unbedingt dem Klischee entspricht, welches gern und oft in der Öffentlichkeit postuliert wird.

    Auch wenn sich die Formen der Ausbildung, mit ihren entsprechenden Ergebnissen in den letzten Jahrzehnten durchaus als erfolgreich erwiesen haben, lassen sich diese Vorgehensweisen nicht einfach auf die notwendigen Ausbildungsmethoden, welche wir für uns als „Privat-Trader“ anwenden können, einfach kopieren. Vielmehr müssen wir Modifizierungen durchführen. Aber diese Modifizierungen betreffen nur den Weg zu unseren Ausbildungszielen. Das Ergebnis unserer Anstrengungen kann von den Ergebnissen welche ein Händler in der Bank am Ende seiner Ausbildung erzielt nicht abweichen.

    Selbstdisziplin basiert auf Selbstvertrauen. Selbstvertrauen basiert auf der Erkenntnis, dass man sein Thema beherrscht. Folglich müssen wir uns Wissen aneignen. Neben dem notwendigen umfangreichen Wissen über die Rahmenbedingungen unseres Handels, müssen wir realistisch einschätzen können, was wir von unserem Trading erwarten können.

    Mir persönlich hat folgende Vorgehensweise geholfen, den Erwartungen meines Arbeitgebers gerecht zu werden und auch für mich die Überzeugung zu erlangen, das Geschäft zu verstehen:

    Zunächst müssen wir uns die Frage stellen, welches Problem denn nun wirklich das Problem ist, welches uns daran hindert, erfolgreich zu handeln. Ist es ein nicht Vorhandensein eines klaren Trading-Konzeptes? Ist es Angst oder mangelnde Entscheidungskonsequenz? Ist es Unsicherheit bezüglich des eigenen Könnens oder glaubt man nicht wirklich an das System oder die Methode welche man handelt? Das Herausfinden unserer Stolpersteine und das klare Benennen dieser Probleme ist die erste und minimalste aber auch wichtigste Voraussetzung dafür, dass wir unseren Erfolg unseres Tradings steigern können. Viele erfolgreiche Trading-Experten steigerten ihr Vertrauen in ihre Methode dadurch, dass sie eine detaillierte Trading-Planung durchführten. Ich kenne viele sehr erfolgreiche Trader, die über jede ihrer Aktivitäten an der Börse genau Buch führten und auch heute noch führen. Dabei listen sie nicht nur ihre einzelnen Aktivitäten detailgetreu auf, sondern sie beschreiben auch ihre persönlichen Einschätzungen zum Umfeld, zur Dominanz einzelner Marktakteursgruppen und zu deren Vorgehensweise. In der börsentäglichen Nachbetrachtung des Handels hat es sich als sehr vorteilhaft erwiesen, die Gründe aufzulisten weswegen man ausgerechnet bestimmte Positionierungen eingegangen ist und andere (obwohl sie regelkonform gewesen wären) nicht eingegangen ist. Was haben Sie gesehen, dass sie dazu verleitet hatte, in diesen oder jenen Trade einzusteigen oder nicht einzusteigen? Durch diese Vorgehensweise formulieren Sie Ihre Entscheidungsgrundlagen naturgemäß in ganzen Sätzen, was es ihrem Gehirn erleichtert, über die Jahre einen umfangreichen „Daten- und Informationsspeicher“ anzulegen, indem Ereignisse und Folgeereignisse nach bestimmten Mustern abgespeichert und jederzeit abgerufen werden können. Die Psychologie nennt diese Vorgänge als „De-ja-vu“ - Erlebnisse.

    Dieses Vorgehen ist ein sehr erfolgreiches Mittel um ein klares Bild von sich selbst als Händler im Markt zu erhalten. So bekommt man ein sehr detailgetreues Abbild seiner Stärken und Schwächen und lernt die Ansatzpunkte kennen, an denen man ansetzen muss, um seine persönlichen mentalen Hürden zu überwinden. Ein solches Vorgehen erlaubt es Ihnen auch, konkrete und immer wiederkehrende Fehler während der Umsetzung ihres Regelwerkes zu identifizieren.

    Ein weiterer Vorteil dieser Selbstüberprüfung ist die Erkenntnis, welche Marktphase, welches Ereignis oder welches Muster ihnen Erfolg oder Misserfolg brachte. Wenn Sie das wissen, können Sie die Muster, die nicht zu ihrem Vorteil gewirkt haben, eliminieren. Es ist für sie persönlich absolut nebensächlich, ob andere Trader unter bestimmten Voraussetzungen herausragende Handelsergebnisse erzielen. Wenn sie mit diesen Rahmenbedingungen kein Geld verdienen, dann müssen sie aufhören, diese zu handeln. Das gilt auch für den Einsatz von Indikatoren, dem Fokus auf Zyklen und Wellen, und anderen Dingen, welche in der Theorie vielversprechend sind. Überlassen Sie diese Konzepte ruhig den Leuten, die damit gut arbeiten können. Sie müssen Aufzeichnungen darüber führen, was für sie funktioniert, um sich dann daran diszipliniert zu halten.

    Finden Sie den für Sie geeigneten Markt und den für Sie geeigneten Handelsstil

    Um in einem Markt erfolgreich handeln zu können, ist es zwingend notwendig, diesen Markt in all seinen Facetten wirklich zu kennen. Ich halte sehr wenig von Marktakteuren, welche in einer Vielzahl von Märkten unter dem Vorwand, breit aufgestellt zu sein, aktiv sind. Eine akzeptable Ausnahme wären hier einzig professionelle Systemtrader, welche eine Vielzahl von Handelssystemen in einer Vielzahl von Märkten nach einem klar definierten und in jeder Hinsicht getesteten Regelwerk zum Einsatz bringen. Ich habe mich mein gesamtes berufliches Leben als Trader (nach meiner Tätigkeit als Market-Maker) schwerpunktmäßig auf einen einzigen Markt fokussiert, dem Dax-Future. Andere Future- und Aktienmärkte fanden nur ihre Berücksichtigung beim Einsatz von Handelssystem-Portfolios.

    Erfolgreiches Trading hängt nicht nur davon ab, dass man das Regelwerk versteht, nachdem Handelsentscheidungen getroffen werden, sondern auch vom Erkennen der Aktivitäten anderer Akteursgruppen, welche den Kursverlauf des jeweiligen Marktes vorrangig dominieren. Ein solches notwendiges umfangreiches Wissen kann man aber nur erlangen, wenn man sich tatsächlich nur auf einen oder zwei Märkte konzentriert.

    Um stetige Handelserträge erzielen zu können, müssen Sie ein für sich passendes Handelsregelwerk in einem für Sie passenden Handelszeitfenster finden. Der Handel in weiterführenden Zeitfenstern, sei es im Swing- oder Positions-Trading, konfrontiert uns in gewissen Abständen mit der Tatsache, dass sich die Struktur des Marktes ändert und damit einmal eingeschliffene Handelsregelwerke an Zuverlässigkeit verlieren und modifiziert werden müssen. Ich habe dieser Tatsache dadurch Rechnung getragen, dass sich mein Handelsstil auf immer kleinere Zeitfenster zurückzog, und sich auf die Grundmuster beschränkte, welche in ihrer spartanischen Ausführung wohl ihre Gültigkeit behalten werden, solange sich Kurse auf der Grundlage von Bewegungsimpulsen bewegen und immer wieder Impulswechseln unterliegen.

    Setzen Sie sich realistische Ziele

    Dem Setzen von realistischen Zielen, kommt im Trading eine sehr hohe Bedeutung zu. Falsch gesetzte Ziele können nicht nur demotivieren, sie können uns auch zu fehlerhaftem Verhalten an der Börse verführen. Während der Ausbildung wurde für Junghändler als erstes Kursziel die Vermeidung von Verlusten definiert. Hier galt die Devise: „bleibt im Wasser, bleibt am Leben“. Wenn man sich Tag für Tag an der Börse in seinem Handelsregelwerk aktiv bewegt, ohne dass es zu einer Kumulation von Verlusten kommt, ist schon einmal ein enormer Erfolg erzielt. Zumindest hat man damit ein Fundament geschaffen, auf welches man solide Ergebnisse in der Zukunft aufbauen kann.

    Simulationshandel versus Echt-Geld-Trading

    In den Banken wird in der Regel vom Simulations-Trading Abstand genommen. Hier wird die Steuerung des Druckes auf den Händler über die Positionsgröße in Echt-Geld vollzogen. Als Privat-Trader, der mit seinem eigenen Geld aktiv ist, sollte von der Möglichkeit, Handel auf Simulationsoberflächen durchführen zu können, unbedingt Gebrauch gemacht werden. Zweifellos hat der Handel mit Simulations-Geld andere mentale Auswirkungen auf uns als der Handel mit Echt-Geld. Wir sollten uns aber von dem Gedanken lösen, Handel müsse uns einen „Kick“ liefern, den wir nur mit Echt-Geld erzielen würden. Wer den „Kick“ sucht, hat folglich andere Prämissen, welche ihn zum Handel an der Börse veranlassen. Stetiges Geld-verdienen steht dann jedenfalls nicht an erster Stelle. So würde sicherlich auch ein Test-Pilot, dem sein Überleben nicht an erster Stelle seiner Prioritätsliste steht, sondern der den halsbrecherischen Adrenalin-Schub bevorzugt, ein Vorab-Fliegen im Simulator ablehnen.

    Das Handeln auf einer guten Simulations-Oberfläche mit Echtzeitkursen und marktnaher Orderausführung (zeitlich und preislich) hat ihre unbestrittenen Vorteile in zwei Aspekten: sie erlaubt uns, das Arbeiten mit der Handelsplattform zu erlernen, zu verinnerlichen und die Handelsabläufe fehlerfrei und beschleunigt zu trainieren und sie erlaubt uns, das Regelwerk im Kopf so abzuspeichern, dass man es „im Schlaf“ beherrscht.

    Dennoch, dass Arbeit mit einer Simulations-Handelsoberfläche schafft ein Problem, welches einem Händler in der Bank erspart bleibt, für den Privat-Trader aber noch einmal zu einer gewaltigen Hürde werden kann. Ich spreche vom Wechsel von Simulationsgeldhandel auf Echtgeldhandel. Für einen Außenstehenden scheint dieser Schritt überschaubar zu sein. Und doch wird so gut wie jeder, der sich dieser Situation bisher gegenüber sah, bestätigen, dass hier erneut so etwas wie eine Sinnkrise auftreten kann. Waren die Ergebnisse im Simulations-Trading bereits stetig und stabil, waren die Ertragskurven ansprechend, beherrschte man Regelwerk und Plattform, fällt der eine oder andere wieder in das alte, zögerliche und selektive Verhalten zurück, welches seinen Handelsstil zu Beginn seiner ernsthaften Trading-Ausrichtung prägte. Bereits automatisierte Abläufe werden wieder hinterfragt, es wird auf Rahmenbedingungen (Marktakteure, Orderflüsse) nicht mehr oder verkrampft geachtet, es werden gesteckte Ziele und Grenzen völlig übersehen oder bewusst ausgelassen und man verfällt wieder dem Urinstinkt der Frühphase des Tradings.

    Diesen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen. Und hier helfen uns nur zwei Faktoren: Selbstvertrauen in die eigene bisher erbrachte Leistung und konsequente Disziplin in der Umsetzung des bisher Gelernten.

    Ich möchte hier noch einmal auf die Grundmotivation zu sprechen kommen, welche einen ernsthaften Trader von einem Hobbytrader unterscheidet: es ist die Motivation, regelmäßig, stetig Erträge aus dem Markt heraus zu generieren und sich darauf eine unabhängige Existenz für sich und seine Familie zu schaffen oder doch zumindest dauerhafte Zusatzerträge zu anderen Einkommensarten zu sichern. Diese Grundmotivation ist naturgemäß mit einer Grunderwartung gekoppelt. Diese Grunderwartung erhält ihre anfängliche Bestätigung, wenn es auf Simulationsebene gelingt, tatsächlich akzeptable Ergebnisse pro Tag zu erzielen. Fällt man nach dem Übergang zum Echtgeldhandel in alte Handelsgewohnheiten zurück, was sich naturgemäß in den jeweiligen Handelsergebnissen im Unterschied zu den Simulationsergebnissen niederschlagen muss, kommt eine Maschinerie in Gang welche kritische Auswirkungen auf die weitere Entwicklung des angehenden Traders haben kann.

    Ein von Dritten völlig unabhängig erzielbares Einkommen, losgelöst von unternehmerischen und konjunkturellen Beschränkungen, ist zweifellos ein gigantischer Motivator. Stellt sich der erwartete Erfolg auf Simulationsebene dann tatsächlich ein, erweist sich dann aber die Realität aufgrund der mentalen Änderungen, welche ein junger Trader anfänglich zwangsläufig durchläuft, als gegensätzlich, droht die anfängliche Motivation in Resignation umzuschlagen. Somit müssen wir uns die Frage stellen, was unsere Motivation auf hohem Niveau halten kann. Die Antwort ist denkbar einfach: ein positives Ergebnis im Handel. Und hier rede ich nicht von hohen Ergebnissen. Selbst ein positives Mini-Ergebnis, welches aber mit einer hohen Kontinuität (fast börsentäglich) über ein oder zwei Monate in Folge erzielt werden kann, wird zum sprichwörtlichen Nachbrennereffekt für das Selbstvertrauen. Das Wissen, dass man tatsächlich in der Lage dazu ist, auf sich allein gestellt im Kapitalmarkt stetige Erträge für sich und seine Familie erwirtschaften zu können, schafft die Voraussetzung, aus einem stabilen Trader einen exzellenten Trader zu machen.

    Um den Übergang von Simulationsgeldhandel auf Echtgeldhandel möglichst reibungsarm zu überstehen, sollte sich jeder angehende Trader zunächst einmal darüber im Klaren sein, dass die Ergebnisse, welche er im Vorfeld auf Simulationsbasis erzielte, meist in Realität zu Beginn nicht mehr erzielt werden können. Es gilt somit, die latent hohen Erwartungshaltungen gleich zu Beginn des Wechsels deutlich herunterzuschrauben. Im zweiten Schritt sollte einem jeden angehenden Trader Bewusst sein, dass das Erzielen von nur fünf Punkten pro Tag im FDAX (Umsatzgebühr unberücksichtigt) ein Bruttojahreseinkommen von über 30.000 € mit sich bringt. Viele Junghändler sind sich zu Beginn ihrer Karriere meist gar nicht bewusst welches Potenzial (welches Risiko) manch ein Future in sich trägt. Ich plädiere immer wieder dafür, dass ein angehender Trader, welcher nach einer erfolgreichen Simulations-Zeit beginnt mit Echtgeld zu handeln, sein Tagesziel sehr niedrig ansetzt und nach Erreichen, selbst wenn es in der ersten halben Handelsstunde des Tages erfolgt, den Echtgeldhandel einstellt und auf Simulation umschaltet. Hintergrund soll sein, sich selbst zu beweisen, dass er (der Trader) über Monate hinweg in der Lage ist, ein positives Trading-Ergebnis zu erzielen.

    Und hier kommt jetzt die Selbstdisziplin ins Spiel. Immer wieder höre ich Argumente, wonach man eine vermeintlich gute Marktphase ausnutzen wollte oder man einfach ein Problem damit hat, bereits nach einer halben Handelsstunde von Echtgeld auf Simulationsgeld umzuschalten, da man dem Simulationshandel nicht den notwendigen Stellenwert in seiner Bedeutung beimisst. Andererseits wird am Echtgeldhandel festgehalten, wenn das enge Minus-Ziel des Tages auf der Unterseite erreicht wird und dessen Erreichen zu einem absoluten Stopp des Handels an diesem Tag verpflichtet. Hier passieren immer wieder eklatante Verstöße gegen die Selbstdisziplin, führen am Ende selten zu einem Erfolg und destabilisieren damit nicht nur kurzfristig das Selbstvertrauen sondern auch langfristig die Motivation an dem strategischen Ziel, ein erfolgreicher Trader zu werden, festzuhalten.

    Es führt kein Weg daran vorbei: in Jahrzehnten der Händlerausbildung in den Banken wurde immer und immer wieder der Beweis erbracht, dass bei einem Handel ohne Regelwerk und ohne strikte und bedingungslose Selbstdisziplin ein Erfolg auf Dauer ausbleibt. Sich dieser Tatsache bewusst, werden heute in den Handelsräumen bereits sehr früh angehende Trader aussortiert, welche Schwächen in der Selbstdisziplin aufweisen. Diese Eigenschaft ist eines der Hauptkriterien bei der Auswahl des Händlernachwuchses.

    Ich fasse somit zusammen: Selbstdisziplin ist eine notwendige Eigenschaft, welche wir als Trader jeden Handelstag immer und immer wieder zum Einsatz bringen müssen. Der Einsatz von Simulationshandelsoberflächen ist ein wertvoller Schritt hin zur mentalen Automatisierung unserer Handelsabläufe im Sinne unserer Regelwerke. Ein Leistungseinbruch beim Wechsel vom simulierten Handel zum Echtgeldhandel ist nicht ungewöhnlich und sollte durch eine Anpassung unserer Erwartungshaltungen an unsere Trading-Ergebnisse in Echtgeld Rechnung tragen. Das Erzwingen wollen hoher Tradings-Ergebnisse führt nicht zum Aufbau des notwendigen Selbstbewusstseins eines erfolgreichen Händlers, sondern eher in die Sackgasse. Folglich ist das Arbeiten in kleinen Schritten und der Erzielung eines kleinen aber stetigen positiven Ergebnisses im realen Handel der nachweislich bessere Weg.