Offiziel hat UniCredit zwar ein Tier 1-Ratio von 12,1 % und steht damit solide dar, nur leider interessiert diese Zahl den informierten Banker herzlich wenig, denn die Kapitalquote errechnet sich nämlich folgendermaßen:

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    Tier 1 (in %) = Tier 1 Kapital / Risk Weighted Assets (risikogewichtete Assets, RWA)

    Sprich, je geringer die RWAs, desto besser steht die Kernkapitalquote da. Es ist also weitestgehend irrelevant welche Quote eine Bank ausweist, sondern viel wichtiger ist, wie realistisch die RWAs “berechnet” werden.

    UniCredit hat Gesamt-Assets (Total Assets, TA) von 830 Milliarden Euro und risikogewichtete Assets von 370 Milliarden.

    Setzt man die beiden Zahlen ins Verhältnis ergibt sich ein relativer Wert von 45 % (der Anteil der RWAs an den TAs), was auf den ersten Blick solide wirkt, denn bei systemischen EU-Banken liegt der Wert durchschnittlich nur bei 34 %.

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    UniCredit S.p.A.

    Leider sind diese niedrigen RWA-Werte nichts weiter als Schall und Rauch, denn vor allem Euro-Banken “tricksen” an dieser Stelle, dass sich die Balken biegen.

    Große Institute bewerten das Risiko ihrer Assets anhand von proprietären Modellen, also auf gut deutsch so wie es ihnen am besten in die Bilanz passt, während kleinere Euro-Banken auf standartisierte Vorgaben zurückgreifen und im Zuge dessen 62 % (!) ihrer Gesamtassets nach Risiko gewichten.

    Es ist schwer vorstellbar, dass eine Bank wie UniCredit, bei der noch vor wenigen Jahren 15 % der Kredite toxisch verseucht waren, nur RWAs von 370 Milliarden Euro ausweist.

    Unterstellt man, dass die standardisierte TA/RWA-Quote von kleineren Banken (deren Quote übrigens weitestgehend mit systemisch wichtigen US-Banken konform geht) weit näher an der Wahrheit liegt, dann explodieren die risikogewichteten Assets der UniCredit aus dem Stand auf mindestens 500 Milliarden Euro, was zu einer Unterkapitalisierung von fast zehn Milliarden Euro führen würde.

    Weitere Probleme kurz angerissen:

    1) Das Non Performing Exposure (NPE für toxische Kredite) hat sich zwar deutlich reduziert, liegt aber weiterhin bei 38 Milliarden, was 7,7 % (!) des gesamten Portfolio entstpricht.

    2) Nicht enthalten bei den NPEs ist das 16 Milliarden schwere FINO-Portfolio, welches per Verbriefung aus der Bilanz ausgelagert wurde, aber an dem die Bank noch mit 50 % beteiligt ist. Diese Kredite müssen richtigerweise zurück in die Bilanz geholt werden und würden die NPEs deutlich anstiegen lassen.

    3) UniCredit hat als risikolos eingestufte italienische Anleihen im Wert von 60 Milliarden in der Bilanz. Würden diese Bond nach Basel 3 entsprechend dem Kredit-Rating Italiens bewertet werden, müssten mindestens 50 % oder rund 30 Milliarden risikogewichtet werden.

    Ich spekuliere hier äußerst grob und fahrlässig über einige möglichen Leichen im Keller einer Problembank, aber mir erscheint es intuitiv überaus absurd, weshalb sich eine deutsche Bank willentlich eine derartige “can of worms” antun sollte.

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