Nach Ansicht von Seema Shah, Chefstrategin des US-amerikanischen Asset Managers „Principal Global Investors“, setzt die Tatsache, dass in Aktienindizes wie dem S&P 500 einzelne Sektoren, wenige extrem hoch bewertete Titel und viele sogenannte „Zombie“-Firmen ein übergroßes Gewicht bekommen haben, Millionen von ETF-Anlegern einem unangemessenen Risiko aus. In ihren Insights verweisen sie und Dan Coleman, CIO bei der auf US-Aktien spezialisierten Tochtergesellschaft Edge Asset Management (Seattle), darauf, dass die FAMANG-Titel (Facebook, Amazon, Microsoft, Apple, Netflix und Alphabet) seit 2016 um rund 300 % gestiegen seien, während der S&P 500 im gleichen Zeitraum nur 88 % zugelegt habe. Gleichzeitig würden allein die zehn größten Unternehmen im S&P 500 gut 28 % des Index ausmachen.

Shah: „Der enorme Lauf der Growth-Titel hat zu einem historischen Performance-Spread gegenüber Value-Aktien geführt. Die Spanne in den Bewertungen zwischen Growth und Value (unter Verwendung des Forward KBV) hat 3,6 Standard­abweichungen über dem Durchschnitt erreicht. Beide Kennzahlen sind höher als während der Dot-Com-Blase.

Obwohl wir glauben, dass es bei einigen der Mega-Cap-Namen gute Gründe für ihre Performance und Bewertung gibt, dürfen Anleger bei der Allokation des Aktienrisikos nicht blind dem Trend folgen. So gibt es beispielsweise viele bekannte Technologieunternehmen, die noch keinen Gewinn erwirtschaftet haben, aber Hauptnutznießer der Kapitalzuflüsse in breite Indizes waren. Bis April 2020 hatten diese gewinnlosen Unternehmen Mühe, an den Aktienmärkten nennenswerte Kursgewinne zu erzielen. Dann, als die Liquidität der Zentralbank und die fiskalische Unterstützung der Regierung im Überfluss vorhanden waren, stürzten sich die Investoren auf Alles – in dem Glauben, dass es für Aktien nur eine einzige Richtung – nach oben – gehe (siehe „Goldman Sachs Non-Profitable Technology Index“: Chart auf S.2 rechts). Viele von ihnen werden feststellen müssen, dass diese tatsächlich auch Gewinn erwirtschaften müssen, um ihre Position als Marktführer zu halten.

Zwar ist keineswegs die Regel, dass die Märkte sofort wieder abstürzen, sobald sie einen neuen Höchststand erreicht haben; dennoch müssen die Anleger jetzt vorsichtig sein und Portfolios konstruieren, die kein übermäßiges Aktienrisiko eingehen. Und da die Aktienbewertungen immer weiter ausgedehnt werden, schwache Geschäftsmodelle zu sehr vom Zugang zu billigem Kapital abhängen und Unternehmen immer noch mit pandemiebedingten Herausforderungen konfrontiert sind, ist 2021 nicht die Zeit für eine pauschale, passive Allokation in die Aktienmärkte.“