Warren Buffett hatte in den letzten Jahren nicht immer ein glückliches Händchen. Vielleicht sollte er einfach seinem eigenen Rat folgen und nicht mehr auf einzelne Unternehmen setzen, sondern lieber den ganzen Markt. Das rät er jedem Anleger. Langfristig, so Buffett, kann man an der Börse nur gewinnen.

Am besten kauft man Aktien und schaut nie wieder hin oder zumindest nicht für viele Jahre. Früher oder später kommt es zu Gewinnen, auch wenn es kurzfristig holprig werden kann. Für Anleger überall auf der Welt ist dieser Rat ein Hohn. Der MSCI World exkl. US-Aktien bewegt sich seit über einem Jahrzehnt seitwärts (Grafik 1).


Einfach einen Index kaufen und warten hilft nicht überall auf der Welt. Selbst mit den Dividenden kommen Anleger über das letzte Jahrzehnt gerade einmal auf eine Nullrendite. Kaufen und Aktien für immer halten funktioniert nicht überall. Die wenigsten haben die Geduld ein Jahrzehnt zu warten, geschweige denn noch länger.

Mit US-Aktien konnte man langfristig wenig falsch machen. Sie steigen und steigen und das seit über 200 Jahren. In den letzten Jahren gab es dafür einen Grund. Der Rest der Welt, vor allem Europa und Japan, verarbeiten noch immer die Folgen der Finanz-, Euro- und Immobilienkrise. Aktien aus Entwicklungsländern sind stark an die Preisentwicklung von Rohstoffen gebunden. Auch hier gab es in den letzten Jahren nichts mehr zu feiern.

Wegen der unterschiedlichen Wachstumsaussichten und Schwergewichten wie Apple, Facebook und Amazon konnten die USA outperformen. Die Wachstumsaussichten lassen sich am besten über die Renditedifferenz beschreiben. Dort, wo höheres Wachstum herrscht, sind die Zinsen auch höher. So korrelierte die Outperformance von Aktien mit der Zinsdifferenz (Grafik 2).

Seit 2019 verringert sich die Zinsdifferenz. Die USA sind nicht mehr der Hort der Stabilität und des Wachstums. Der Aktienmarkt hielt sich dennoch gut und baute die Outperformance weiter aus. Etwas stimmt hier nicht. Ein Teil des Marktes (der Zinsmarkt) sagt ganz klar, dass in den USA auch nicht mehr viel zu holen ist. Der Aktienmarkt sagt etwas anderes. Meist bekommt der Zinsmarkt Recht.

Eventuell lässt sich die Outperformance noch durch die Technologieschwergewichte erklären. Generell brechen die Gründe für die Outperformance jedoch weg. Der US-Wirtschaft geht es nicht mehr besser als dem Rest der Welt. Historisch konnten andere Märkte die Outperformance Lücke zu den USA immer wieder etwas schließen, so z.B. auch deutsche Aktien (Grafik 3). Nichts ist für immer, auch nicht die Outperformance von US-Aktien.

Clemens Schmale


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