Der US-Aktienmarkt verzeichnet am Freitagabend erneut dramatische Kursverluste. Nachdem es am Donnerstag bereits zeitweise deutlich nach unten ging, konnte sich der Markt im späten Handel wie von Zauberhand erholen.

    Doch angesichts des herannahenden Wochenendes verlässt die Anleger am Freitag erneut der Mut, wobei es die Techwerte erneut besonders stark erwischt. Dabei gibt sich inzwischen selbst die US-Notenbank jede Mühe, einen Kollaps zu verhindern.

    S&P 500

    Am Donnerstag berichtete das "Wall Street Journal" bereits, dass die US-Notenbank darüber nachdenke, das Tempo ihrer Zinserhöhungen zu verlangsamen. Im kommenden Jahr könnte die Fed eine "abwartende Haltung" in Bezug auf weitere Zinserhöhungen einlegen, hieß es.

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    Am Freitag sprach sich zudem James Bullard, Präsident der St. Louis Fed, gegen eine Zinserhöhung im Dezember aus. Bullard ging aber noch einen Schritt weiter und behauptete, dass nach seinen Berechnungen der US-Leitzins bereits leicht über dem "neutralen" Niveau liege, bei dem der Zins weder bremsend noch unterstützend auf die Wirtschaft wirke. Das würde bedeuten, dass die Zinsen in Zukunft bestenfalls noch leicht weiter steigen könnten. Diese Aussagen widersprechen ziemlich deutlich dem, was man bisher von der Fed zum Thema "neutraler Zins" zu hören bekam: Noch im Oktober hatte Fed-Präsident Jerome Powell gesagt, dass der Leitzins aktuell wohl noch "weit" unter dem neutralen Niveau liege. Seit Ende November hatte es dann wiederholt geheißen, der Leitzins liege wohl nicht mehr weit vom neutralen Niveau entfernt. Doch die Aussagen von Bullard legen nun nahe, dass vielleicht bald eher wieder Zinssenkungen als -erhöhungen anstehen könnten, auch wenn Bullard diesen Gedanken selbst noch nicht explizit ausspricht.

    Mit ihren "taubenhaften" Aussagen zur Geldpolitik versucht die US-Notenbank offenbar, einen Kollaps des Marktes noch aufzuhalten. Doch die US-Notenbank spielt dabei ohne Frage auch mit dem Feuer und ihrer Glaubwürdigkeit. So scheint sich die Höhe des "neutralen Zinsniveaus" inzwischen daran zu bemessen, wo der Aktienmarkt aktuell steht.

    Wenn selbst die Notenbank den Markt nicht mehr halten kann, ist das ein besorgniserregendes Zeichen für Aktionäre. Der zunehmende Aktionismus der Fed scheint den Markt eher zu verunsichern als zu beruhigen. Anleger sollten sich besser anschnallen.


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