Es gibt ja nicht den einen Aktienmarkt. Man muss klar zwischen entwickelten Ländern und Entwicklungsländern unterscheiden. Ebenso besteht ein großer Unterschied zwischen den USA und Europa. Der US-Markt ist historisch gesehen weitaus weniger volatil als die vielen europäischen Märkte. Generell ist der Trend der gleiche, nur ist er in Europa meist stärker ausgeprägt. Das kann im Bullenmarkt eine bessere Performance in Europa bedeuten. Im aktuellen Bullenmarkt galt das nicht. Hier verloren europäische Indizes in Korrekturzeiten viel mehr als in den USA, holten diese Verluste aber nicht wieder so gut auf wie die US-Indizes.

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Seit Jahren sind die US-Indizes daher attraktiver. Sie sind es auch heute noch. In Europa kühlt sich das Wachstum merklich ab. In den USA steht die Wirtschaft noch unter Volldampf. Entsprechend sprudeln auch die Gewinne der Unternehmen mehr und Gewinne bestimmen die Kurse.

Den US-Markt finde ich nach wie vor interessanter. Auch der Dollar kann sich nach wie vor sehen lassen. Mein Depot habe ich bereits vor Jahren auf Dollar umgestellt. Bis auf weiteres wird das auch so bleiben. Die Perspektiven in den USA sind einfach nach wie vor besser als in Europa.

Nun hat die Oktoberkorrektur viel Porzellan zerschlagen und für Verunsicherung gesorgt. Bei so viel Dynamik und ständigem Hin und Her sieht man manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht. Während der Markt korrigierte und alle Aufmerksamkeit bekam, tat sich an anderer Stelle etwas ziemlich Bedeutendes.

Die Zinskurve (Zinsdifferenz zwischen Anleihen unterschiedlicher Laufzeit) hat ein positives Signal geliefert. Man kann verschiedene Spreads betrachten. Am häufigsten wird die Differenz von 10- zu 2-jährigen Anleihen analysiert. Man kann aber auch die Differenz der 30-jährigen zu den 5-jährigen Anleihen betrachten.

Tipp: Auf diesem Desktop können Sie die Zinsstruktur selbst beobachten (erstellt von Daniel Kühn)

Grafik 1 zeigt diese Spreads. Seit Jahren flachen die Zinskurven ab. Das zeigt im Normalfall auch den Fortgang des Konjunkturzyklus an. Ist der Spread erst einmal negativ, befinden wir uns am Ende des Zyklus. Eine Rezession folgt dann innerhalb weniger Quartale.

Bis September war die Lage eindeutig. Die Kurven flachten ab. Eine Rezession stand zwar nicht unmittelbar bevor, aber sie war fast schon erkennbar. Jetzt gibt es über alle möglichen Spreads einen Turnaround. Solche gab es auch schon früher. Sie haben den Trend nicht umgekehrt, aber die Abflachung hinausgezögert. Genau das geschieht auch jetzt wieder.


Durch diesen Turnaround hat die US-Wirtschaft im aktuellen Zyklus wieder ein paar Monate gewonnen. So schlimm ist die Lage also nicht, auch wenn es sich so anfühlt. Im Big Picture (Grafik 2) ist der Turnaround kaum erkennbar. Es geht hier also nicht darum, dass der Aufschwung nun plötzlich massiv an Dynamik gewinnt. Es geht lediglich darum, dass wir von einer Rezession wieder ein Stück weggerückt sind. Das sollte man bei seinen Anlageentscheidungen nicht vergessen.

Autor: Clemens Schmale