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Mahnende Stimmen gab es schon lange: US-Aktien seien dramatisch überbewertet und ein Ende des Bullenmarktes damit absehbar. Nach dem jüngsten Sell-off können sich die Mahner bestätigt sehen. Aber wie steht es tatsächlich um die Bewertungen am US-Aktienmarkt?

Um eine sinnvolle Antwort auf diese Frage zu geben, lohnt sich ein Vergleich der Aktien-Bewertungen mit dem Bewertungsniveau von US-Staatsanleihen. Häufig haben institutionelle Anleger nur die Wahl, das Geld entweder in sicheren Staatsanleihen zu parken oder auf Risiko zu spielen und Geld im Aktienmarkt anzulegen. Im Folgenden soll die relative Attraktivität von Aktien gegenüber US-Staatsanleihen anhand einer ganz einfachen Kennzahl analysiert werden.

Dividendenrendite: Sind Aktien attraktiver als Anleihen?

Eine sehr einfache Möglichkeit zur Beantwortung der Frage, ob US-Aktien drastisch überbewertet oder attraktiv für einen Kauf sind, ergibt sich bei einem Blick auf die Dividendenrendite. Konkret kann man die Dividendenrendite des breiten US-Aktienindex S&P 500 mit der Rendite von US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren vergleichen. Ist die Dividendenrendite höher als die Anleiherendite, sind Aktien attraktiver als Staatsanleihen. Liegt die Rendite der Staatsanleihen über der Dividendenrendite, sind Anleihen attraktiver.

Aktuell beträgt die Dividendenrendite des S&P 500 nur 1,84 Prozent, während die Rendite der US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren 2,88 Prozent beträgt. Demnach bleiben in den USA beim einfachen Vergleich der Renditen tatsächlich Staatsanleihen attraktiver als Aktien. Damit Aktien wieder attraktiver wären als Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit, müssten nach diesem einfachen Modell die Kurse am US-Aktienmarkt um ungefähr 36 Prozent sinken (oder die Dividenden in dieser Größenordnung ansteigen).

Ein Blick in die Geschichte zeigt allerdings, dass dieser Vergleich etwas zu einfach ist. Die folgende Grafik vergleicht den langfristigen Verlauf der Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen mit der Dividendenrendite des S&P 500.

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Wie die Grafik zeigt, ist die Dividendenrendite im S&P 500 schon seit den späten 1950er Jahren, abgesehen von kurzen Unterbrechungen, immer niedriger als die Rendite von US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren. Man kann also sagen: Die Bewertung am US-Aktienmarkt ist schon seit Jahrzehnten höher als das Bewertungsniveau bei Anleihen - auch wenn sich beide in den vergangenen Jahren wieder angenähert haben.

Ein Grund für die relative Überbewertung des Aktienmarktes könnte sein, dass die Dividenden in den vergangenen Jahrzehnten immer stark angestiegen sind, wenn man den US-Aktienmarkt als Ganzes betrachtet. Bei Aktien wird also Wachstum "eingepreist", wodurch es gerechtfertigt sein könnte, dass die aktuellen Dividendenrenditen niedriger sind als die Renditen der Staatsanleihen.

Kommt es allerdings nicht zu diesem weiteren Wachstum der Dividenden, das erwartet wird und bereits in den Kursen enthalten ist, wäre das schlecht für Aktien. In diesem Fall wäre der US-Aktienmarkt nämlich auch nach dem jüngsten Sell-off noch deutlich überwertet. Ohne Dividendenwachstum müsste der S&P 500 nach dem einfachen Dividenden-Bewertungsmodell um rund 36 Prozent einbrechen, um in Bezug auf die Dividendenrendite wieder ein faires Bewertungsniveau im Vergleich zum Anleihemarkt zu erreichen.

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