Der DAX hat heute aus dem Minus heraus weit ins Plus gedreht. Gegen 16.00 Uhr notiert der Index 1,4 Prozent im Plus bei 9.620 Punkten. Festere Ölpreise und ein stabiler Shanghai-Composite (+0,7 Prozent) trotz schlechter chinesischer Konjunkturdaten stützen. Offenbar vertrauen Anleger auf die Bereitschaft der Notenbanken, mit neuen geldpolitischen Maßnahmen die konjunkturelle Entwicklung am Laufen zu halten. Wie abgebrüht die Investoren inzwischen sind, zeigt sich an den Zahlen: In China ist der offizielle Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im Februar auf 49,0 Punkte und damit den tiefsten Stand seit vier Jahren gefallen. Auch der privatwirtschaftlich ermittelte Caixin-Einkaufsmanagerindex setzte unterhalb der Wachstumsschwelle stärker zurück als erwartet. Das gleiche Bild ergab sich im Dienstleistungssektor; hier trübte sich die Lage ebenfalls ein: Der offizielle Einkaufsmanagerindex fiel auf 52,7 Punkte von 53,5 Punkten im Januar, blieb damit aber noch oberhalb der Marke von 50 Punkten, die eine Expansion anzeigt. Wie von den Anlegern erhofft, hat Chinas Zentralbank bereits reagiert. Am gestrigen Montag senkte sie die Mindestreserveanforderung an die Banken, um mehr Geld für die Kreditvergabe flüssig zu machen.

    Auch in den USA ist die Notenbank bemüht, die sich zuletzt verhalten entwickelnde Konjunktur nicht abzuwürgen. Vor der Sitzung der Fed in der übernächsten Woche sehen sich die Anleger heute vom Fed-Präsident von New York, William C. Dudley, in der Hoffnung auf weiterhin niedrige Zinsen bestätigt: Das Fed-Offenmarktmitglied führt aus, dass „die wirtschaftliche Expansion meist dann endet, wenn die Fed durch eine steigende Inflation zu Zinsschritten gezwungen wird. Die Inflation liegt aber unter dem Zielwert“, so Dudley. Der nächste Zinsschritt dürfte folglich auf sich warten lassen.

    Die Vorgaben sind für US-Anleger dementsprechend gut, die Kurse der wichtigsten Indizes steigen: Der Dow-Jones-Index legt um 0,5 Prozent auf 16.600 Punkte zu. Der S&P-500  erhöht sich um 0,6 Prozent auf 1.944 Punkte. Der Nasdaq100  klettert um 0,8 Prozent auf 4.240 Punkte.

    Konjunkturseitig sind heute die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und Daten zu den aktuellen US-Bauausgaben veröffentlicht worden.

    Am Aktienmarkt stehen die Papiere des Börsenbetreibers Intercontinental Exchange (ICE) im Fokus. ICE könnte ein Gegengebot für die London Stock Exchange (LSE) abgeben. LSE und die Deutsche Börse hatten vor einer Woche angekündigt, über eine Fusion unter Gleichen zu verhandeln. Durch einen Zusammenschluss entstünde eine Börse, die sich auf Augenhöhe mit den Platzhirschen Chicago Mercantile Exchange (CME) und ICE bewegen würde. Das Papier von ICE notiert 3,5 Prozent im Minus.

    Der Preis für Rohöl der Sorte Brent steigt am Dienstag auf ein Acht-Wochenhoch von knapp 37 US-Dollar je Barrel. Auch die US-Leichtölsorte WTI nähert sich mit gut 34 US-Dollar je Barrel wieder dem Vier-Wochenhoch von vergangenen Freitag. Rückenwind erhalten die Ölpreise von Nachrichten eines fallenden Ölangebotes seitens der OPEC und in den USA. Am Morgen hatten noch enttäuschende Konjunkturdaten aus China die Ölpreise zeitweise gebremst.

    Der Goldpreis pendelt um den Vortageswert von 1.240 US-Dollar - gestützt von schwachen Inflationsdaten aus der Eurozone und den geldpolitischen Lockerungen in China. Das Interesse an Gold bleibt weiterhin hoch: Nach neuerlichen Zuflüssen in die von Bloomberg erfassten Gold-ETFs von 19,4 Tonnen gestern, wurden die ETF-Bestände im Februar um insgesamt 185,6 Tonnen aufgestockt. Dies war der höchste monatliche Zufluss seit sieben Jahren, informiert die Commerzbank. Seit Jahresbeginn summieren sich die Zuflüsse damit auf über 240 Tonnen, was der globalen Goldminenproduktion von fast einem Monat entspricht.

    Investoren kalkulieren beim Euro mit einer weiteren Abschwächung durch wahrscheinliche neue EZB-Maßnahmen im März. Die gestern für die Eurozone gemeldete Minusinflation bestätigt diese Einschätzung. Der Euro ist daraufhin zum US-Dollar unter die Marke von 1,09 gefallen. Um 16.00 Uhr notiert das Währungspaar bei 1,0860, ein Minus von 0,17 Prozent.

    Konjunktur

    US-Bauausgaben dreimal so hoch wie erwartet

    USA: Bauausgaben Januar +1,5 %. Erwartet werden +0,5 % nach +0,1 % zuvor.

    ISM-Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe steigt

    Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe liegt im Februar bei 49,5 Punkten. Erwartet wurde ein Wert von 48,5 nach 48,2 zuvor.

    Markit-Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe über den Erwartungen

    Der Markit Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe liegt im Februar bei 51,3 Punkten. Erwartet wurde ein Wert von 51,0 nach 52,4 zuvor. (endgültig)

    US-Einzelhandelsumsätze schwächer

    Redbook Einzelhandelsumsätze sind in der Vorwoche um 2,4 % zurückgegangen, nach -2,3 % zuvor.

    Aktien im Blick

    Honeywell gibt Fusionswunsch mit United Technologies auf

    Der US-Industriekonzern Honeywell hat seine Pläne für einen Zusammenschluss mit Wettbewerber United Technologies zu den Akten gelegt. Zur Begründung führte Honeywell die fehlende Bereitschaft von United Technologies zu entsprechenden Verhandlungen an.

    Ford Motor steigert Absatzzahlen

    Ford Motor: Der US-Absatz liegt im Februar mit 217.200 Fahrzeugen 20,2 % über dem Vorjahresniveau, erwartet wurden 210.000. 

    Italien knöpft sich Google vor

    Italienische Behörden werfen Google vor, in dem Land 98,2 Millionen Steuern zu wenig bezahlt zu haben. Mehrere Manager seien auch persönlich ins Visier geraten.

    Dollar Tree verfehlt die Analystenschätzungen

    Der Discount-Gemischtwarenhändler Dollar Tree verfehlt im abgelaufenen Geschäftsquartal mit einem Gewinn von $1,01 je Aktie die Analystenschätzungen von $1,05. Umsatz mit $5,37 Mrd ebenfalls unter den Erwartungen von $5,42 Mrd.

    Medtronic trifft die Analystenschätzungen

    Das Medizintechnikunternehmen Medtronic trifft im abgelaufenen Geschäftsquartal mit einem Gewinn von $1,06 je Aktie die Analystenschätzungen. Umsatz mit $6,93 Mrd jedoch unter den Erwartungen von $7,05 Mio.