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Alles bewegt sich in Zyklen, ob die Wirtschaft als Ganzes oder Teile davon. Das macht auch vor dem Arbeitsmarkt nicht Halt. So scheint der US-Arbeitsmarktzyklus so langsam zum Ende eines ganzen Zyklus zu kommen. Der Zyklus geht dabei vom letzten Tief der Arbeitslosigkeit bis zum nächsten Tief.

Im aktuellen Fall markierte der Arbeitsmarkt Ende 2006 sein zyklisches Hoch. Die Arbeitslosenrate erreichte mit 5,2 % ein Tief. Danach ging es nur noch bergab. Grafik 1 zeigt wie sich das konkret ausgestaltete. Ein Research Unternehmen hat dabei die Arbeitslosenrate den offenen Stellen gegenübergestellt.

Offene Stellen sind im Aufschwung zuhauf vorhanden. Im Abschwung sind sie rar. So bewegt sich ein Zyklus von vielen offenen Stellen und niedriger Arbeitslosigkeit über wenige offene Stellen zu hoher Arbeitslosigkeit und wieder zurück. Aktuell sind wir fast wieder am Ausgangspunkt angelangt.

Bei der Arbeitslosenrate handelt es sich um die sogenannte U5 Quote, die der offiziellen Quote noch entmutigte Menschen hinzuzählt. Diese Menschen sind zwar grundsätzlich verfügbar, suchen aber nicht mehr aktiv nach einem Job. Die Quote ist höher als die offizielle Rate.

Während die Arbeitslosenrate fast wieder dort ist, wo sie vor der Krise war, ist die Zahl offener Stellen noch deutlich höher. Ein Abschwung zeigt sich vor allem dann, wenn die Zahl offener Stellen rückläufig ist. Aktuell lässt sich noch kein eindeutiger Trend erkennen. Der Arbeitsmarkt bewegt sich noch zwischen Verbesserung und allmählicher Erschöpfung hin und her.

Was die Sache nicht vereinfacht, ist ein Umstand, der relativ neu ist. Betrachtet man die vergangenen Zyklen etwas anders (Partizipationsrate und Arbeitslosenquote, Grafik 2), dann sieht man sofort, wie es in den letzten Jahrzehnten funktionierte. Die Partizipationsrate stieg in jedem Zyklus an. Die Partizipationsrate sank nicht einmal während des Abschwungs, also wenn weniger Arbeitsplätze verfügbar waren.


Ein Wirtschaftsabschwung führte nicht dazu, dass sich Menschen aus dem Erwerbsleben einfach verabschiedeten. Der Anteil an Erwachsenen, die aktiv am Erwerbsleben teilnahmen, stieg unabhängig davon, ob sich die Wirtschaft im Aufschwung befand oder nicht.

Heute ist das anders. Grafik 3 zeigt die letzten beiden Zyklen vom Jahr 2000 bis 2006 und von 2006 bis heute. In diesen beiden Fällen sank die Partizipationsrate zusammen mit steigender Arbeitslosigkeit. Das ist wie ein doppelter Schlag. Jobs wurden gestrichen und gleichzeitig zogen sich immer mehr Menschen aus dem Erwerbsleben zurück.

Man kann es auch anders formulieren: obwohl der Anteil der Menschen, die arbeiten wollen, sank, stieg die Arbeitslosenquote. Früher war es umgekehrt. Es strömten mehr Menschen ins Arbeitsleben und trotzdem sank die Arbeitslosenrate. Frühere Aufschwünge waren viel dynamischer. Wäre die Partizipationsrate seit 2008 nicht deutlich gesunken, läge die Arbeitslosenquote heute nicht bei 4,5 %, sondern viel näher an 7-8 %. Wäre die Partizipationsrate weiter gestiegen, läge der Wert in der Nähe von 10 %.

Der Aufschwung ist also nicht so großartig, wie man auf den ersten Blick vermuten mag. Längere Ausbildungszeiten und andere Faktoren drücken die Partizipationsrate etwas, weil junge Menschen später in den Arbeitsmarkt eintreten und durch die Pensionierungswelle der Babyboomer mehr Menschen aus dem Arbeitsmarkt austreten. Dennoch hat sich strukturell etwas verändert und zwar nicht erst gestern.

So oder so kann man sagen, dass der Zyklus so langsam zu einem Ende kommt, wenn sich die strukturellen Probleme nicht lösen. In diesem Fall würde dies bedeuten, dass die Partizipationsrate wieder steigen müsste. Dann hätte der Aufschwung noch einmal mehrere Jahre. Kommt es nicht dazu, ist bald Schluss.

Clemens Schmale

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