Die größte Volkswirtschaft der Welt sollte 2006 mehr als 3% wachsen. Im Folgejahr könnte die Wirtschaftsdynamik allerdings nachlassen und die Wachstumsrate auf unter 2,5% fallen. So sehen es zumindest die Akteure an den Rentenmärkten.

Zum Ende des Jahres 2005 fiel die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen unter das Niveau der zweijährigen Papiere. Zinsexperten sprechen in diesem Zusammenhang von einer Umkehr der Renditekurve. US-Rententitel mit einer Laufzeit von zehn oder zwei Jahren werfen Ende 2005 eine Rendite von 4,4% ab, wenn die Treasuries (US-Staatsanleihen) bis zur Endfälligkeit gehalten werden. Wer US-Schulden mit fünfjähriger Laufzeit kauft, kann eine Rendite von 4,3% kassieren – also 10 Basispunkte oder 0,1% weniger als bei den oben genannten Titeln. Normalerweise verlangen Investoren eine Rendite in Abhängigkeit der Laufzeit: Je länger die Laufzeit der Schuldtitel, desto höher die Rendite. Anleger verlangen einen Zuschlag, weil Ereignisse in 10 Jahren schwerer prognostizierbar sind als Vorkommen in 2 Jahren. Dementsprechend sollte die Rendite analog zu den Laufzeiten ansteigen. Das Ausfallrisiko von US-Staatsschulden ist gering. Als prognostizierbare Faktoren werden an den Rentenmärkten Inflation, Wachstum oder Arbeitslosenzahlen gesehen. Das Phänomen, dass Kurzläufer mehr abwerfen als Papiere mittlerer Laufzeiten (10 Jahre) oder gar Langläufer (10 Jahre und länger), bezeichnen Zinsanalysten als inverse Zinsstrukturkurve.

In der Vergangenheit haben inverse Zinskurven auf eine Rezession hingewiesen. Die Invertierung war bis dato ein zuverlässiger Konjunkturindikator für eine nachlassende Dynamik in dem darauf folgenden 4. Quartal (von heute gesehen also Ende 2006/ Anfang 2007). Eine Rezession ist als wirtschaftlicher Abschwung definiert, in dem die Wirtschaftsleistung eines Landes in zwei aufeinander folgenden Quartalen nicht wächst. Der breite Markt erwartet für 2006 noch ein ordentliches Wachstum von 3,3%. So schlimm wird es also hoffentlich nicht kommen trotz niedriger Sparquote der US-Haushalte, wahrscheinlich stagnierender Hauspreise, restriktiver Geldpolitik, US-Handelsbilanzdefizits und neuerlicher Staatsverschuldung. Die Gefahren eines Abschwungs sind allerdings da - keine Frage - und Bondinvestoren preisen die Möglichkeit eines Konjunkturabschwungs 2007 schon heute, Ende 2005 ein.

Renteninvestoren versuchen im Gegensatz zu Aktienanlegern, Risiken möglichst zu meiden. Sie suchen keine Chancen, sondern wollen vielmehr Risiken kontrollieren und minimieren. Anleiheinvestoren schauen weiter in die Zukunft und antizipieren das Auslaufen des Zinserhöhungszyklus und ein rückläufiges Renditeniveau am US-Rentenmarkt. Sie kaufen schon heute mittel- und langlaufende Treasuries, weil sie erwarten, dass die Notenbank irgendwann zum Ende des Jahres 2006 die Zinssätze von dem dann geltenden Niveau von 4,5% oder 4,75% senken könnte. Ganz konkret: US-Anleiheinvestoren befürchten eine wirtschaftliche Schwächephase, die sich in den kommenden Monaten anhand von makroökonomischen Konjunkturindikatoren andeuten könnte. Die aktuellen Prognosen sehen 2007 ein Wirtschaftswachstum in den USA von rund 2,5%, also ein Abschwächung. Rückläufige Renditen am Bondmarkt bedeuten steigende Kurse in den Anleiheportfolios – und genau deshalb kaufen die Akteure schon heute zehnjährige Treasuries. Sie wollen die Kupons verdienen und an den erwarteten Kurssteigerungen partizipieren. Sollte die FED (Federal Reserve Bank: US Zentralbank) die Zinsen senken, wird das kurze Ende der Kurve, die Renditen zweijähriger Rentenpapiere zurückkommen. Analog dazu sollten die Notierungen der Kurzläufer steigen.

Quelle: Morningstar Deutschland

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