Eigentich vergeben wir im Rohstoff-Report keine Ratings. Und das wird auch in Zukunft nicht sein. Die Überschrift - und die Bedeutung des Strong Buy Ratings - umschreibt aber genau, was ich in diesem Artikel sagen möchte. Die Vereinigten Staaten befinden sich in einer Wirtschaftskrise, die trotz wiederholten Behauptens der Medien noch nicht vorüber ist. Der US-Dollar verliert seinen Status als einzige Reservewährung der Welt und muss sich diesen Status in Zukunft mit anderen Währungen wie dem Euro, Yen und chinesischem Renminbi teilen.

    Dollarpessimismus prägt die Tagespresse, die Zeitungen sind voll mit Warnungen vor einem Kollaps der US-Währung. Der bevorstehende Dollarcrash wird eine Panik auslösen, heißt es immer wieder. Es ist psychologisch aber höchst unwahrscheinlich, dass sich die Menschen sehenden Auges in eine Panik begeben werden.

    Aus diesem Grund ist der Dollar für mich auf Sicht der nächsten Monate ein Strong Buy.

    Zweifelhafte Validität der Dollar-Crash-Theorie

    Eine Massenpanik entsteht dann, wenn gleichzeitig viele Menschen die Selbstkontrolle verlieren, zum Beispiel bei einem überraschenden Brand in einem geschlossenen Raum. Im übermächtigen Fluchtreflex rennen alle zum Ausgang, der dann verstopft ist, was die Panik noch mehr schürt.

    Es ist aber unwahrscheinlich, dass eine solche Panik auf Kommando losgetreten werden kann. Stellen Sie sich folgendes vor: Sie sind selbst in dem Raum, in dem ein Feuer enstehen wird. Das Feuer bricht aber nicht plötzlich und überraschend aus, sondern der Brandstifter steht vor allen Anwesenden und erklärt ihnen in ruhigen Worten etwa das folgende:

    „Meine Damen und Herren, ich lege jetzt ein Feuer. Ich werde damit beginnen, erstmal Holz zu holen. Das wird vier Wochen dauern. Wenn Sie dann immer noch da sind, fehlt immer noch der Spiritus, mit dem ich das Holz anzünden will. Das dauert noch mal drei Wochen. Und außerdem muss ich auch noch etwas essen gehen, das dauert…“

    Sie sehen, worauf ich hinaus will. Mittlerweile wurde alles geschrieben und gesagt, was es zum Dollar zu sagen gibt. Jeder weis, dass der Dollar eine schwache Währung ist. Jeder, der große Vermögenswerte in US-Dollars angelegt hat, wartet nicht darauf, bis das Feuer ausbricht. Er hat sich bereits vorbereitet.
    EW Analyse: Shortseller aufgepasst

    Aus Sicht der technischen Analyse, die ein genaues Timing einer Long-Position im US-Dollar ermöglicht, befinden wir uns in einer Wendezone. André Tiedje, Elliotwellenanalyst bei Godmode-Trader.de, sieht derzeit eine letzte Aufwärtswelle im Euro zum US-Dollar, die bis 1,5122 US-Dollar laufen könnte. Die Welle kann sich zwar auch darüber hinaus gehend "auspendeln". Große Sprünge sind aber nicht mehr zu erwarten, laut Tiedje. Anschließend rechnet er damit, dass sich eine Welle „C“ abwärts ausbilden wird bis in den Bereich 1,21 oder auch 1,1389 US-Dollar. „Dieses Ziel dürfte am 22.04.2010 erreicht werden“, betont Tiedje.

    Kursverlauf seit November 1996 (Kerzendarstellung / 1 Kerze = 1 Monat)

    Assetblase: Game Over?

    Wertet der Dollar auf, fallen die Rohstoffe. Dieser Zusammenhang gilt schon immer und begründet sich vor allem darin, dass fast alle Rohstoffe in US-Dollar gehandelt werden. Seit Beginn der Finanzkrise ist die Bedeutung des Dollars für die Rohstoffe abermals gewachsen. Wie aus einem Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) hervorgeht, speist der Dollar Carry Trade die Aufwärtsbewegung an den Märkten. Kapitalstarke Investoren nehmen zu günstigen Zinsen US-Dollar-Kredite auf, verkaufen diese gegenüber einer Währung in einem Hochzinsland wie Australien und investieren die Hochzinswährung in gewinnträchtige Assets wie Gold, Aktien oder Öl. Sie verdienen dann zum einen an der Zinsdifferenz der beiden Währungen als auch an den Kursgewinnen der gekauften Assets. Dieser Carry Trade hätte ein promptes Ende, wenn unsere Analyse einer Dollar-Rally eintreten sollte. Das würde bedeuten, dass es zu schnellen Verkäufen bei Aktien oder Rohstoffen kommen würde, da Investoren die in Dollar aufgenommenen Kredite zurückbezahlen müssen.

    Der New Yorker Universitätsprofessor und Wirtschaftsguru Nouriel Roubini sagte gegenüber der Financial Times, dass die “Mutter aller Carry Trades” – der Dollar Carry Trade – eine Spekulationsblase bei Aktien und Rohstoffen entstehen lässt. Dies lege die Saat für eine neue Finanzkrise. Roubini mag seine Thesen oft überspitzt formulieren, um seine Botschaften möglichst weit zu verbreiten, doch dieses Mal wurde seine Warnung vom Institute of International Finance wiederholt. Es besteht „Bedarf eine weitere Assettblase abzuwehren.“ Auch die Weltbank warnt vor einer „neuen Assetpreisblase.“

    Gedult der Fed ist begrenzt
    Wenn Sie sich wundern, dass Carry Trade Kredite möglich sind, aber Kredite für Unternehmen oder Verbraucher nicht, dann sind sie nicht alleine. Die Chefin des US-Einlagensicherungsfonds Federal Deposit Insurance Corp. (FDIC) Sheila Bair hat sich am 11. November öffentlich genau darüber beklagt. „Ich sehe nicht, dass viele Kredite vergeben werden. Ich sehe aber viele Carry Trades. Es gab aber mal eine Zeit, wo eine Bank um Einlagen warb und dann Kredite vergab. Diese Zeit wünsche ich mir zurück“, betont Bair. Derzeit wird also die Spekulation, die Finanzwirtschaft unterstützt, während die Realwirtschaft weitestgehend ignoriert wird.

    Interessantes hinsichtlich des Dollar Carry Trades lies ebenfalls am 11. November der Fed-Präsident von Dallas, Richard Fisher, verlauten. Wie die Commerzbank in einer Researchnote schreibt: „Er betonte in einer Rede in Austin, dass der niedrige Leitzins (und besonders die Aussicht, dass er vorerst niedrig bleibt) den Dollar belastet, da er als Finanzierungswährung in Carry-Trades attraktiv wird. Sollte diese Belastung allerdings „unkontrolliert“ verlaufen, würde die Fed „für angemessene Abhilfe sorgen“. Auch wenn das sicherlich ein Kommentar aus der zweiten Reihe war: Es ist ein Hinweis darauf, dass die Geduld der Fed angesichts der Dollarschwäche nicht unbegrenzt ist.“

    Geduld der Länder ist begrenzt

    US-Finanzminister Geithner war am Donnerstag auf der APEC-Konferenz in Singapur. Mehrere Außen- und Handelsminister der Pazifik-Anrainerstaaten (APEC) haben im Vorfeld des Wirtschaftsgipfels schon ihren Unmut über die Dollarschwäche geäußert. „Die Botschaft an Minister Geithner war, dass wir einen stabilen und starken Dollar brauchen“, meinte beispielsweise der russische Finanzminister Dmitry Pankin. Geithner betonte auf einer Pressekonferenz nach der APEC-Konferenz, dass ein starker Dollar „sehr wichtig“ für die USA sei. Pankin betonte dann aber: „Sie müssen ihren Worten auch Taten folgen lassen. Die Volatilität [Anm. der Redaktion: des US-Dollars] verursacht große Schäden bei uns.“

    Interessant, dass genau in der charttechnischen Wendezone für den Dollar, in der wir uns jetzt befinden, diese Statements so forciert verlautbart werden. Die ganzen letzten Monate war selten davon die Rede, dass der Dollar gestärkt werden soll. Warum aber gerade jetzt? Warum hält man einen offiziellen Wirtschaftsgipfel in Asien ab, bei dem offiziell über die Stärkung des US-Dollars gesprochen wird, während die Minister während allen G20-Gipfeltreffen der letzten Monate das Dollarthema gemieden haben wie der Teufel das Weihwasser?

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