• EUR/USD - Kürzel: EUR/USD - ISIN: EU0009652759
    Börse: FOREX / Kursstand: 1,15770 $

Paris (GodmodeTrader.de) - Angeregt durch einen Beitrag von Bundesjustizminister Heiko Maas wird derzeit die Frage gestellt, wie sich Europa aus der Dominanz des US-Dollar befreien könnte. In seinem aktuellen Marktkommentar diskutiert Philippe Waechter, Chefvolkswirt von „Ostrum Asset Management“, die Aussichten für ein von den Vereinigten Staaten unabhängiges internationales Währungssystem. „Der Euro wäre zwar ein Kandidat für ein solches System“, schreibt der Chefvolkswirt des zu Natixis Investment Managers gehörenden französischen Asset Managers. Aber, so Waechter abschließend: „Europa wird den Dollar weiterhin ertragen müssen, da es nicht in der Lage ist, langfristig eine einheitliche politische Front zu bilden.“

Tatsächlich, so Waechter, lohne es sich, über eine grundlegende Überarbeitung der derzeitigen Finanzarchitektur nachzudenken und ein multipolares System – im Vergleich zur derzeitigen, stark vom Dollar abhängigen Struktur führen, die der deutsche Minister beklage – zu skizzieren. Eine multipolare Struktur würde bedeuten, dass mehrere geografische Regionen ihre jeweils eigene Referenzwährung hätten. Das wäre dann die Währung des dominierenden Landes in der jeweiligen Region. Das Wechselkurssystem würde zweistufig: Ein lokales System mit der Währung jedes Landes, gekoppelt an die Referenzwährung der Region; und ein globales System zwischen den Referenzwährungen jeder Region.

Waechter: „In einer integrierten Weltwirtschaft hat es diese Art der Aufstellung noch nie gegeben. Bisherige Systeme mit mehreren Referenzregionen waren nicht integriert und es gab zwischen ihnen nur einen begrenzten Handel: Mehrere Referenzwährungen konnten daher nebeneinander existieren, was auf die fehlende Integration hinweist.“ Das heutige globale System hingegen sei stark integriert. In einer integrierten Wirtschaft gelte das Gegenteil des Gresham´schen Gesetzes: gutes Geld verdränge schlechtes. Damit ein multipolares System funktioniere, müssten also alle Referenzwährungen gleichwertig sein, heißt es weiter.

„Dies ist jedoch nie der Fall – aus mindestens zwei Gründen, die in der Regel gleichzeitig auftreten: Unterschiedliche Regionen besitzen nicht die gleiche Wirtschaftskraft, sei es in Bezug auf Wachstumstrends oder Innovationsfähigkeit; sie haben auch nicht die gleiche politische Macht, und darin liegt die eigentliche Herausforderung. Die internationale Referenzwährung ist die Währung der dominierenden politischen Macht: Dieses Land setzt seine wirtschaftliche Macht durch, und neben seiner politischen Fähigkeit, militärische und geografische Entscheidungen zu beeinflussen, gibt dies dem dominierenden Land die dominante Währung. Japan hatte in den achtziger Jahren eine starke Wirtschaftsmacht, aber seine Währung konkurrierte nie mit dem Dollar aufgrund politischer Schwäche.... und das Gleiche könnte man von Europa sagen, das es nicht schafft, langfristig starke politische Entscheidungen zu diktieren“, so Waechter.

Angesichts dieser Faktoren habe der Dollar eine glänzende Zukunft vor sich. Es gebe allen Grund, Donald Trump zu kritisieren, aber seit einem Jahr und mehr entfalteten seine Entscheidungen ihre Wirkung. Kein anderes Land habe die politische Schlagkraft der Vereinigten Staaten, und Trump nutze dies zu seinem großen Vorteil. Europa fehle es völlig an den Mitteln, um der politischen Stärke der USA etwas entgegen zu setzen. Weil der „alte Kontinent“ nicht in der Lage sei, anderen seine Entscheidungen aufzuzwingen, könne auch seine Währung nicht mit der Macht des Dollar mithalten, heißt es weiter.

„Nicht die Währung an sich, sondern die politische Macht dahinter macht die Währung eines Landes zu einem globalen Instrument. In dieser Hinsicht und angesichts der Machtdemonstration der Vereinigten Staaten aus diplomatischer Sicht hat der Dollar also ein langes Leben vor sich. Europa wird den Dollar weiterhin ertragen müssen, da es nicht in der Lage ist, langfristig eine einheitliche politische Front zu bilden“, so Waechter.