Paris (GodmodeTrader.de) - Die US-Wirtschaft ist gut in Form und doch fangen globale Investoren an, sich beim Blick auf das kommende Jahr zu fragen, ob dieses positive Szenario so weiter gehen kann: Können US-Unternehmen auch in Zukunft mit guten Zahlen glänzen? Wie wird sich die Inflation entwickeln und welche zinspolitischen Schritte wird die amerikanische Notenbank Fed einschlagen? Kenneth J. Taubes, CIO of US Investment Management bei Amundi, beleuchtet, mit welchen Trends Anleger für 2019 rechnen können.

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„Die US-Wirtschaft sollte im kommenden Jahr recht belastbar bleiben. Wir erwarten ein weiteres, wenn auch langsameres, Wachstum. Dafür sorgt das steigende Konsumverhalten der Amerikaner sowie der anhaltende Konjunkturoptimismus. Dennoch sehen wir für 2019 und 2020 erhöhte Risiken voraus, die für Anlageentscheidungen in den USA von Bedeutung sind“, schreibt Taubes in der Einleitung zu dem aktuellen Insight Blue Paper „US-Märkte – Was kommt auf uns zu?”. Dies sind Taubes zufolge die drei wichtigsten Themen:

  1. US-Unternehmen: Zenit erreicht

Eine Kombination von boomender Wirtschaft und Steuerkürzungen hätten in der Berichtssaison des dritten Quartals 2018 starke Unternehmenszahlen gebracht. Allerdings müsse man berücksichtigen, dass sich die Gewinnentwicklung durch die steigenden Einstandskosten, inklusive Löhne, wahrscheinlich bald ihrem zyklischen Höhepunkt nähere. Das heiße nicht automatisch, dass die Erträge nicht weiter wachsen könnten, aber Anleger sollten sich dieser Tatsache bewusst sein, heißt es.

„Am stärksten bedroht werden die Gewinnerwartungen von US-Unternehmen im nächsten Jahr jedoch von internationalen Themen, wie der Instabilität in Europa und der Verschuldung Chinas, sowie von der Stärke des Dollar. Auch die hohen Energiepreise und die möglichen Auswirkungen von Handelszöllen könnten für Volatilität sorgen. Bisher hatte der Handelsstreit nur wenig Einfluss auf die amerikanische Wirtschaft. Sollte die Lage allerdings eskalieren, könnte sich das negativ auf Inflation und Wachstum auswirken – und damit auch die Unternehmensgewinne drücken“, so Taubes.

Für Aktienanleger werde in dieser Marktphase eine sorgfältige Auswahl bestimmter Sektoren und einzelner Namen zusammen mit einem starken Fokus auf Qualität zu vertretbaren Preisen zunehmend wichtiger, heißt es weiter.

  1. Inflation ohne viel Bewegung

„Das starke Wachstum sollte in diesem Jahr mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von um die drei Prozent seinen Höhepunkt erreicht haben. Bis 2020 erwarten wir einen leichten Rückgang, aber es bleibt stabil. Für die kommenden 24 Monate sehen wir wenig Änderung bei der Kerninflation in den USA voraus. Während sie in diesem Jahr bei 2,5 Prozent liegt, sollte sie im nächsten Jahr 2,4 Prozent und in 2020 2,3 Prozent betragen. Allerdings wird es wahrscheinlich eine leichte Verschlechterung des Verhältnisses zum Wachstum des BIPs geben: Liegt die erwartete Steigerung des BIPs in diesem und im nächsten Jahr mit 2,9 bzw. 2,7 Prozent noch über der Inflation, so wird es nach unserer Vorhersage im Jahr 2020 mit 2,0 Prozent niedriger sein als die Teuerungsrate“, so Taubes.

Anleger sollten bedenken, dass es aufgrund der Inflationsentwicklung zu innenpolitischen Fehlentscheidungen kommen könnte – mit möglichen negativen Folgen für die Märkte, heißt es weiter.

  1. Zinspolitik bestimmt über Anleihestrategie

Dieser Ausblick basiere auf der Annahme, dass die Fed die monetären Bedingungen weiter straffe und keine plötzlichen Zinserhöhungen beschließe. „Eine Rezession sehen wir für das nächste Jahr nicht, aber die Märkte werden vorsichtiger werden. Bei festverzinslichen Werten sind alle Augen auf die Bewegungen der US-Notenbank gerichtet. Wir erwarten eine vierte Zinserhöhung in diesem Jahr und zwei weitere im nächsten. Die steigenden Zinsen haben kurz – und mittelfristige Staatspapiere bereits attraktiver gemacht; auch das Risiko eines Kursrückgangs bei öffentlichen und nichtöffentlichen Schuldverschreibungen mit hoher Qualität ist zurückgegangen“, so Taubes.

Für Anleger gelte es nun, ihre Portfolios zu überprüfen und bei festverzinslichen Werten stärker auf Qualität und Liquidität zu achten. Auch ein Blick auf defensive Sektoren biete sich an, um das Risiko eines Kursverlustes zu begrenzen, heißt es weiter.

„Große Überraschungen haben wir für die US-Märkte aktuell nicht auf unserem Radar. Negativ könnten sich etwa unvermittelt auftretende geopolitische Risiken auswirken. Auf der anderen Seite würden beispielsweise Erhöhungen der Infrastruktur- oder Investitionsausgaben positive Impulse bringen. Vor diesem Hintergrund glauben wir, dass US-Anlagen in allen Klassen auch weiter Chancen für globale Investoren bieten – aber bei einem stärker selektiven Ansatz als bisher“, so Taubes.