Die US-Notenbank verzichtet vorerst auf eine Lockerung ihrer Geldpolitik. Beim Zinsentscheid am Mittwoch beließ der Offenmarktausschuss der Federal Reserve den Leitzins wie erwartet in einer Spanne von 2,25 bis 2,50 Prozent.

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Auf der Pressekonferenz zum Zinsentscheid betonte Fed-Präsident Jerome Powell, dass man zunächst ein besseres Bild von den Risiken bekommen wolle und weitere Daten abwarten wolle, bevor man möglicherweise die Zinsen senke. Die Risiken hätten zwar zugenommen, es sei aber wichtig für die Fed, nicht überzureagieren.

Allerdings strich die Fed wie erwartet eine Formulierung aus dem Statement zum Zinsentscheid, wonach die Fed bezüglich einer Änderung ihrer Geldpolitik "geduldig" sein wolle. Nun heißt es, dass die Fed "angemessen" reagieren werde.

Die Prognosen der einzelnen Mitglieder des Offenmarktausschusses stellen bis Jahresende im Mittel eine Zinssenkung in Aussicht: Sieben Mitglieder des Offenmarktausschusses erwarten bis Jahresende zwei Zinssenkungen, acht Mitglieder erwarten keine Veränderung beim Leitzins und jeweils ein Mitglied erwartet eine Zinssenkung bzw. sogar eine Erhöhung bis Jahresende. Bis Ende 2020 rechnen zudem nur neun von 17 Mitgliedern des Offenmarktausschusses. dass die Zinsen gesenkt werden.

Während die Fed mit dem heutigen Zinsentscheid die Tür für mögliche Zinssenkungen aufgestoßen hat, hält sie sich weiterhin alle Möglichkeiten offen, um auf Neuigkeiten zur Konjunktur zu reagieren.

Der Präsident der Federal Reserve Bank von St. Louis, James Bullard, stimmte als einziges stimmberechtigtes Mitglied des Offenmarktausschuses bereits für eine Zinssenkung bei diesem Zinsentscheid.

An den Finanzmärkten war überwiegend erwartet worden, dass der Leitzins bei diesem Zinsentscheid noch nicht verändert wird. Gleichzeitig rechnen die Märkte aber fest mit einer Senkung beim kommenden Zinsentscheid Ende Juli. Außerdem werden bis Jahresende vom Markt inzwischen drei Zinssenkungen erwartet.

Die abwartende Haltung der US-Notenbank kann auch als Zurückweisung der Angriffe von US-Präsident Donald Trump auf die Unabhängigkeit der Notenbank gewertet werden. Trump hatte wiederholt lautstark zu Zinssenkungen aufgerufen und zuletzt sogar die Zukunft von Jerome Powell an der Fed-Spitze infrage gestellt.

Im vergangenen Jahr hatte die US-Notenbank den Leitzins vier Mal jeweils um 0,25 Prozentpunkte erhöht. Seit Beginn des Jahres 2019 hatte sich aber wegen der nachlassenden Weltkonjunktur und der Handelskonflikte der USA mit dem Rest der Welt eine mögliche geldpolitische Wende angedeutet. Entsprechende Spekulationen waren teilweise auch von Fed-Präsident Jerome Powell selbst befeuert worden.

Die US-Wirtschaft wächst nach Einschätzung der Fed mit moderatem Tempo, der Arbeitsmarkt präsentiere sich weiter "stark", heißt es im Statement zum Zinsentscheid.

Updates von der Pressekonferenz mit Fed-Präsident Jerome Powell:

  • Das Statement zum Zinsentscheid wurde an entscheidender Stelle verändert, so Fed-Präsident Jerome Powell. Verantwortlich dafür seien die gestiegene Unsicherheit und der weiterhin gedämpfte Inflationsdruck.
  • Man betone nun, dass man angemessen reagieren werde.
  • Der Gegenwind hat zuletzt zugenommen, mehr Mitglieder sahen einen Grund für eine Lockerung. Die Risikostimmung an den Finanzmärkten habe sich eingetrübt.
  • Die Wirtschaft hat sich seit Jahresbeginn robust entwickelt, die Unsicherheiten haben aber zugenommen.
  • Die Wachstumserwartungen der FOMC-Mitglieder haben sich nur wenig verändert. Allgemein wird ein Wachstum zwischen 2,0 bis 2,2 Prozent erwartet, was im Einklang mit den längerfristigen Wachstumserwartungen steht.
  • Der Arbeitsmarkt bleibt stark und auch der Konsum ist zuletzt gewachsen.
  • Die Risiken hätten eindeutig zugenommen seit dem letzten Zinsentscheid. Gleichzeitig sei es wichtig, dass man nicht überreagiere, so Powell.
  • Man wolle auf nachhaltige Trends reagieren und nicht auf einzelne Datenpunkte oder áuf Stimmungsschwankungen, so Powell.
  • Man sei vorbereitet, die zur Verfügung stehenden Instrumente zu nutzen, um das Wachstum zu stützen. Handelsgespräche könnten erheblichen Einfluss auf die Stimmung haben.
  • Angesprochen auf eine mögliche Amtsenthebung durch US-Präsident Trump betont Powell, dass die Gesetze klar seien und er eine Amtszeit von vier Jahren habe. Er sei entschlossen, diese Amtszeit zu erfüllen.
  • Man rechne damit, kurzfristig viel mehr über die Risiken zu erfahren so Powell.
  • Die Unterstützung für die Änderungen beim Statement und den geldpolitischen Pfad war im FOMC relatv breit, so Powell.
  • Mit dem Ausmaß möglicher Zinssenkungen habe man sich noch nicht beschäftigt, so Powell. Der Dot-Plot zeige im Mittel eine Zinssenkung, aber dies vermittle nur ein sehr grobes Bild.
  • Es gab keine große Unterstützung für Zinssenkungen bereits jetzt, so Powell. Nur ein FOMC-Mitglied stimmte für eine Zinssenkung bereits bei diesem Zinsentscheid. Die Mehrheit sei der Meinung gewesen, dass es besser sei, ein besseres Bild von den Risiken zu bekommen und weitere Daten abzuwarten, so Powell. Man wolle "mehr sehen", bevor man die Zinsen senke.
  • Falls notwendig, werde man schnell handeln, so Powell. Die Industrie, Investitionen und der Handel hätten sich zuletzt schwächer gezeigt. Die Risiken für den Handel haben zugenommen.
  • Zum ersten Mal seit zehn Jahren hätten auch bislang ausgeschlossene Schichten am Wirtschaftsaufschwung teilgenommen, so Powell. Deshalb sei man auch so entschlossen, den Aufschwung zu verlängern.
  • Facebook habe vor Ankündigung der Kryptowährung Libra relativ "große Runden gemacht" (externe Meinungen eingeholt), so Powell. Ob auch die Fed einbezogen wurde, beantwortet Powell nicht eindeutig.
  • Digitale Währungen befinden sich laut Powell im sehr frühen Stadium und es werde noch lange dauern, bis Digitalwährungen Zentralbankgeld ersetzen können. Man habe zur direkten Regulierung von Kryptowährungen nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, man habe aber großen Einfluss auf das Zahlungssystem.
  • Ein höheres Inflationsziel von vier Prozent sei keine realistische Alternative zum aktuellen Inflationsziel, so Powell. Er frage sich, wie glaubwürdig ein solches Inflationsziel angesichts der schwächelnden Inflation wohl sein könne, so Powell.
  • Die Risiken der Banken seien deutlich geringer als vor der Finanzkrise. Allerdings gebe es nun zunehmende andere Akteure wie Fonds, die ebenfalls Risiken für das Finanzsystem bedeuten könnten.
  • Viele Daten zeigen, dass der Arbeitsmarkt in einer robusten Verfassung sei, so Powell.
  • Bezüglich des Bilanzabbaus habe man keine weiteren Entscheidungen getroffen und man werde das beachten, was man bisher bereits kommuniziert habe.