• WTI Öl - Kürzel: WTI - ISIN: XC0007924514
    Börse: Commerzbank CFD / Kursstand: 47,665 $/Barrel

Von der Bevölkerung kann man nicht gerade behaupten, dass sie bei den Hurrikans Glück gehabt haben. Viele Menschen, ob in den USA oder der Karibik, haben kein Zuhause mehr. Das wird sich in einigen Regionen so schnell auch nicht ändern. So manches Gebiet ist praktisch komplett verwüstet. Wie lange es dauert, eine komplett neue Stadt aus dem Boden zu stampfen, kann man sich ansatzweise vorstellen.

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Im Gegensatz dazu hat die US-Ölindustrie die Naturkatastrophe verhältnismäßig gut überstanden. Die Konzentration von Ölproduktion und Verarbeitung ist im Golf von Mexiko und Texas sehr hoch. Fast ein Drittel der Ölverarbeitung der USA findet dort statt. Entsprechend gab es an der Börse heftige Reaktionen.

Der Benzinpreis stieg zeitweise um 50 % an. Man hatte Angst, dass ein Teil der Kapazität längerfristig ausfallen könnte. Wie sich nun zeigt, ist das nicht der Fall. Überstanden ist Hurrikan Harvey damit aber noch nicht. Anfang September waren 5 Raffinerien komplett stillgelegt (siehe Grafik 1).

Diese fünf Raffinerien können ca. 1 Mio. Barrel Ölprodukte pro Tag herstellen. Das entspricht in etwa 6 % der gesamten US-Kapazität. Ein viel größerer Teil an Raffinerien operiert auf Sparflamme. Betroffen sind hier gut 3 Mio. Barrel. Bis Ende September sollten diese Raffinerien wieder volle Kapazität erreicht haben.

Unterm Strich wird es in den USA keinen Engpass bei Benzin geben. Die Lager sind immer noch voll und die Produktion wird in wenigen Wochen wieder den gewohnten Umfang erreichen. Die Industrie und die Verbraucher sind hier mit einem blauen Auge davongekommen. Trotzdem ist der Einbruch der Produktion hoch gewesen.

Grafik 2 zeigt die gesamte Verarbeitungsmenge der US-Raffinerien. Der Einbruch war während und nach Harvey so groß wie zuletzt 2005 und 2008, als ebenfalls Hurrikans die Produktion beeinträchtigten.

Ein Blick auf die Karte der Raffineriestandorte in den USA zeigt, wo die Kapazitäten konzentriert sind (Texas). Florida ist für die Ölindustrie praktisch irrelevant. Stürme, die auf dem Atlantik an der Karibik vorbei auf die USA zusteuern, sind für die Ölindustrie normalerweise keine Gefahr.

Für Florida ist das Fehlen von Raffinerien ein Problem, zumal der Bundesstaat auch schlecht an das Pipelinenetz angeschlossen ist. Ölprodukte wie Benzin werden per Schiff antransportiert. Stürme unterbrechen die Versorgung, sodass lokal eine große Knappheit auftreten kann und mit ihr ein entsprechender Preisanstieg vonstattengeht.

Für die USA und für Anleger sollte insgesamt wieder Ruhe an der Zapfsäule einkehren. Damit einhergehend sollten auch die Benzinpreise weiter fallen, vermutlich um weitere 10 %. Das käme meiner Shortposition auf Benzin recht gelegen.

Clemens Schmale

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