Ist es nicht bemerkenswert? Es ist heute der 09. November 2016. Vor genau 27 Jahren brachten die Deutschen in Berlin die Mauer zu Fall. Das Symbol von Ein- und Abgrenzung schlechthin! Mit dem heutigen Wahlsieg von Donald Trump wird nun ein neuer, gewaltiger Mauer-Bau wieder zum Thema. Damit will der Republikaner die Grenze zum südlichen Nachbarn Mexiko zupflastern. Vom Ausmaß her betrachtet hätten die beiden Bollwerke wenig gemeinsam. Bis zu 3.200 Kilometer lang werden könnte die Mauer an der amerikanisch-mexikanischen Grenze. Doch die Symbolik spricht Bände: Abschottung, Protektionismus und Handelshemmnisse könnten fortan wieder salonfähig sein. Für die Weltwirtschaft und die Globalisierung ein Schreckensszenario. Genau deshalb fielen die Reaktionen an den internationalen Finanzmärkten im Zuge des immer wahrscheinlicher werdenden Wahlsiegs von Donald Trump in der Nacht auf Mittwoch so heftig aus. Besonders in Asien brachen die Kurse ein, bevor sich eine erkleckliche Erholung einstellte. Zwar habe das Wahlergebnis die Märkte kurz durcheinander gewirbelt, doch „trotz aller Aufregung gilt: An den Börsen wird das Leben weiter gehen", kommentierte Anlagestratege Heinz-Werner Rapp vom Vermögensverwalter Feri Investment recht nüchtern. Dies ist nur eine Stimme, viele Marktbeobachter,- und interpreten, Ökonomen, politisch Verantwortliche haben sich nach dem Wahlsieg von Donald Trump zu Wort gemeldet. Im Folgenden stellen wir eine Übersicht zu den einzelnen Reaktionen zusammen:

  • EU-Ratspräsident Donald Tusk und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker wollen möglichst bald ein Treffen mit dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump in Europa organisieren. „In diesen Tagen ist es wichtiger denn je, die transatlantischen Beziehungen zu stärken", schreiben sie mit Blick auf den Klimawandel, den Kampf gegen den Terror und die Flüchtlings- und Ukraine-Krise.
  • Nach dem Wahlsieg von Donald Trump hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) einen Kurswechsel in Deutschland und Europa gefordert, um Populisten das Wasser abzugraben. Trump sei auch eine Warnung an uns, sagte der Vizekanzler den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
  • Ifo-Präsident Clemens Fuest sieht nach dem Wahlsieg Donald Trumps schwierigere Zeiten auf die Weltwirtschaft zukommen. „Wenn Trump die Handelsschranken durchsetzen könnte, die er angekündigt hat, wäre der Schaden groß. Er wird bestehende Abkommen kaum kippen können, aber der Abschluss neuer Abkommen wie TTIP wird deutlich schwieriger. Europa sollte trotzdem versuchen, TTIP einem erfolgreichen Abschluss zu führen", so Fuest.
  • DIW-Präsident Marcel Fratzscher ist hingegen optimistisch. „Natürlich wird es kurzfristig zu Verwerfungen an den Finanzmärkten kommen. Das sieht man ja bereits jetzt, und das dürfte sich in den kommenden Tagen fortsetzen. Aber ähnlich wie nach dem Brexit-Votum der Briten werden sich die Wellen wieder glätten. Schnell wird man feststellen, dass sich eigentlich nicht so viel ändern wird. Auch der mächtigste Mann der Welt kann nicht tun, was er will“, so der DIW-Präsident, der aber gleichfalls davon ausgeht, dass TTIP jetzt für zumindest vier Jahre erst einmal auf Eis gelegt wird.
  • Das Institut für Weltwirtschaft IfW betrachtet Trumps Sieg als einen „weiteren, großen destabilisierender Faktor“ in Zeiten wachsender globaler Unsicherheit. Viele von Trumps Äußerungen seien Kampfansagen an Grundprinzipien der globalen Ordnung, den Freihandel und die offene Gesellschaft, sagte IfW-Präsident Dennis Snower. Er fürchtet schwere Folgen, sollte Trump seine Ankündigungen wahr machen.
  • Nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) wird die Unsicherheit nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten die deutsche Wirtschaft belasten. Vor allem für Investitionen sei Ungewissheit Gift, sagte IW-Direktor Michael Hüther der dpa. Es sei bislang unklar, ob die „kruden, nicht zusammenpassenden, eigentlich auch erschreckenden Äußerungen" Trumps umgesetzt würden.
  • Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer: „Trump ist ein erklärter Gegner des Freihandels. Darunter werden nicht nur Mexiko, Kanada und China leiden. Vielmehr wird er der gesamten Welthandelsordnung schweren Schaden zuführen. Der Welthandel, der in preisbereinigter Rechnung bereits seit zwei Jahren stagniert, wird unter einem Präsidenten Trump sicher nicht zur alten Dynamik zurückfinden. Das wird die Exportnation Deutschland zu spüren bekommen, wenn der gegenwärtige konsumgetriebene Aufschwung in ein paar Jahren ausläuft“.
  • Larry Hatheway, Chefökonom bei GAM: „Trumps Wahlkampfversprechen zu deutlichen Steuersenkungen und höheren Militärausgaben deuten darauf hin, dass die USA in den kommenden Jahren eine deutlich expansivere Fiskalpolitik verfolgen werden. Es sind hier Werte von bis zu 2 Prozent des Bruttosozialproduktes vorstellbar für die nächsten Jahre, was dem US-Wachstum einen deutlichen Schub verleihen könnte. Politisch gesehen dürfte eine Präsidentschaft Trumps bei einer gleichzeitigen Republikanischen Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus die Aufhebung des Affordable Care Acts (‘Obama Care’) wahrscheinlicher machen, während eine Regulierung der Medikamentenpreise bzw. von Versicherungsprämien unwahrscheinlicher wird.
  • Nach Ansicht von Paul McNamara, Emerging Markets Fixed Income (GAM) kam das Wahlergebnis in den USA überraschend und erwischte die Positionierungen im Portfolio auf dem falschen Fuß. „Wir bleiben bei unserer Einschätzung, dass dieses Resultat einen gewichtigen Schritt weg von der Globalisierung bedeutet und das Wirtschaftsklima, welches während den vergangenen 30 Jahren in Washington, beim IMF, der Weltbank sowie in den US Regierungskreisen vorherrschte, eine neue Richtung einschlagen wird. Der Wahlausgang heute bedeutet große Veränderungen und wir hüten uns davor, die Auswirkungen zu unterschätzen“.
  • Legal & General Investment Management (LGIM): „Nach dem ersten kurzfristigen Schock dürfte die Verunsicherung an den Märkten noch weiter anhalten“, erklärt Lars Kreckel, globaler Aktienstratege bei LGIM. „Erst Trumps Handlungen in den kommenden Tagen und Wochen könnten Klarheit schaffen. Spannend wird vor allem seine Haltung gegenüber der Federal Reserve und zu Janet Yellen sein. Ein Führungswechsel an der Fed-Spitze würde nicht nur die Unabhängigkeit der Notenbank untergraben, sondern auch zu gesteigerter Unsicherheit an den Märkten führen. Viele Investoren halten es für unwahrscheinlich, dass ein möglicher Nachfolger Yellens gemäßigteren Kurs in der Zinspolitik weiterführen würde.“
  • Auch die Strategen von Standard Life Investments halten es für wahrscheinlich, dass die Märkte als Reaktion auf die Wahl Trumps zum US-Präsidenten noch einige Wochen lang von Unsicherheit geprägt und in einem “Risk off”- Modus verharren werden. Erst auf mittlere Sicht sei verlässlich zu erkennen, welche Politik ein Präsident Trump im Zusammenspiel mit dem Kongreß wirklich verfolgen werde, heißt es in einem aktuellen Kommentar des britischen Investmenthauses. Die Analysten sehen in diesem Umfeld aber Gelegenheiten, auf der Basis fundamentaler Unternehmensanalyse sowohl in den Aktien- als auch den Anleihemärkten aussichtsreiche Werte herauszupicken. „Selbst in einem weiterhin günstigen Szenario für die Handelspolitik werden Firmen, die in besonderer Weise auf globale Wertschöpfungsketten oder zugewanderte Arbeitskräfte angewiesen sind, eine ungewissere Zukunft haben“, schreibt Andrew Milligan, Head of Global Strategy. Auf der anderen Seite gebe es Firmen, die von einer weniger lästigen Regulierung profitieren würden. „Wenn jedoch die neue Regierung unter Trump in aggressiver Weise jede Politik, die bisher die Globalisierung gestützt habe, zurückfährt, kommt es wahrscheinlich zu einer längeren Schwächeperiode für Risiko-Assets”, so Milligan.
  • Holger Sandte, Europa-Analyst bei Nordea Asset Management: „Niemand weiß genau, was ein Präsident Trump bedeutet. Und diese Unsicherheit ist genau das Problem. Sie spiegelt sich auch in der negativen Reaktion auf den Finanzmärkten wider. Sollte das wochenlang anhalten, wird die Fed die Zinsen im Dezember nicht anheben. Wie nach dem Brexit-Referendum ist die Prognoseunsicherheit nun besonders hoch. Wenn Trump seine Ausgabenpläne umsetzt, könnten die US-Anleiherenditen deutlich steigen, was die US-Wirtschaft und damit die Weltwirtschaft belasten würde. Auch für den Freihandel wird es schwierig. Und in Europa werden die Anti-Establishment-Bewegungen Aufwind spüren.“