Alles ist relativ, so auch die Nachfrage nach US-Anleihen. Die Nachfrage ist derzeit so niedrig wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Gegenüber den Beträgen, die der Staat zum Angebot stellt, liegt die Nachfrage nur noch beim Zweifachen (Grafik 1). Diese Bid to Cover Ratio ist die niedrigste seit 2008.

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Je nachdem, wen man fragt, ist das ein Skandal oder ganz normal. Man kann ja nicht sagen, dass Anleger US-Anleihen meiden wie die Pest. Noch ist die Nachfrage höher als das Angebot. Die Nachfrage übersteigt das Angebot sogar um 100 %. Der Staat könnte also theoretisch doppelt so viele Anleihen loswerden wie er tatsächlich platziert.

In der Praxis ist das nicht so einfach. Viele Anleger bieten in den Auktionen wesentlich mehr als sie tatsächlich haben wollen. Sie wollen so garantieren, dass sie zumindest den Betrag zugewiesen bekommen, den sie tatsächlich haben wollen. Die hohe Bid to Cover Ratio erweckt daher den Anschein großer Nachfrage, die es nicht wirklich gibt.

Nun gibt es noch einen Umstand, der zur Sorge ermuntert. Die Notenbank hat ihr QE Programm vor 10 Jahren begonnen. Viele Anleihen, die nun auslaufen, müssen ersetzt werden. Dies geschieht auch über die Auktionen. Zuletzt wurden 30 % der Anleihen der Notenbank zugewiesen (Grafik 2).

In der Praxis heißt das: die Nachfrage, die nicht von der Notenbank kommt, ist noch viel niedriger als es Grafik 1 suggeriert. Rechnet man die Zuteilungen an die Notenbank aus den Daten heraus, ergibt sich Grafik 3. Die Nachfrage übersteigt das Angebot immer noch, doch unter dem Gesichtspunkt, dass mehr geboten wird als Anleger am Ende wirklich wollen, ist die Nachfrage wirklich schwach.

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Keiner kann mit Sicherheit sagen, woran das liegt. Die Renditen für US-Anleihen sind in den letzten Monaten gefallen. Anleger finden die Rendite möglicherweise zu niedrig, um mehr nachzufragen.

Ein anderer Grund ist die Nachfrage aus dem Ausland. Der Anteil der US-Anleihen, der vom Ausland gehalten wird, ist rückläufig. Viele Länder, darunter China, fragen weniger US-Anleihen nach. Das ist natürlich auch ein hausgemachtes Problem. Viele Länder, mit denen sich die USA nun in Konflikt befinden, suchen nach Alternativen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Nachfrage gering ausfällt. Das war auch während der Finanzkrise so. Anleihen gelten zwar als sicher, doch das hilft wenig, wenn Anleger Geld brauchen. Sie müssen Assets liquidieren, wenn der Markt gegen sie läuft. Da bleibt dann wenig Geld, um dem Staat Geld zu leihen.

Aktuell haben wir keine Liquiditätskrise. Trotzdem ist die Nachfrage gering. Gäbe es die Notenbank nicht, müsste die Rendite wohl deutlich steigen, um Anleger anzulocken. Es gibt keinen Grund, weshalb der Markt zusammenbrechen sollte. Angesichts steigender Haushaltsdefizite ist der Trend jedoch bedenklich und könnte den Finanzmarkt irgendwann böse aufschrecken.

Clemens Schmale

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