Die USA sind immer noch die einzige Weltmacht und die größte Wirtschaftsmacht der Erde: Es drängt sich aber immer mehr der Eindruck auf, dass zumindest für den ökonomischen Part die Schlussphase eingeläutet ist. Von der drastischen Erholung der Weltwirtschaft können die Amerikaner nur unbefriedigend profitieren; der früher chronisch umjubelte, weil „freie“ Arbeitsmarkt zeigt eklatante akute Schwächen:

Die Arbeitslosenquote liegt bei gut 9%,was eher noch optimistisch gerechnet ist, das im Vergleich hoch regulierte Deutschland weist nur 7% aus.
Die dramatische Verschuldungsproblematik kann man wohl als einen wichtigen Grund für die Misere identifizieren, daneben auch ein ineffizientes und zur starken Chancenspreizung führendes Bildungssystem. Die McDonalds und Burger Kings Amerikas können gar nicht genug Jobs schaffen für die vielen Menschen, die nicht adäquat ausgebildet sind. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten wird zur Heimat der begrenzten Aussichten, vom Niedergang der Freiheit, die die USA auf allen Gebieten in ihrer Geschichte auszeichneten, ganz zu schweigen.

Mit dem Auslaufen von „QE2“ (Quantitave Easing) wird offensichtlich werden, dass selbst der zarte, momentan stattfindende Aufschwung nur durch Infusionen von Unmengen Liquidität erkauft werden kann. In den USA formiert sich schon seit einiger Zeit Protest gegen diese ineffektive Politik von Regierung und Notenbank, der sich in der konservativen Sammelbewegung „Tea Party“ manifestiert. Dieser bunte Haufen rekrutiert sich aus unterschiedlichsten Richtungen von fundamentalchristlichen Gegnern der Evolutionstheorie bis hin zu revolutionären Währungsreformern wie Ron Paul, der wohl auch dieses mal wieder als Kandidat antreten wird.
Prominentestes Aushängeschild ist die ehemalige Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin, die besser im menschenleeren Alaska bleiben sollte (wo sie wenig Schaden anrichten kann), aber wohl keine allzu schlechten Chancen hätte, falls sie antritt.

Sollte die Tea Party einen Kandidaten bei den Republikanern durchsetzen können, dann dürfte 2012 bzw. 2013 ein hoch spannendes Jahr werden. Vor allem Ron Paul, bekannt auch durch zahlreiche lesenswerte Bücher, hat sich in Sachen Währungspolitik klar positioniert. Nicht umsonst heißt eines seiner Bücher: „End the Fed“! Ich habe einige seiner Werke gelesen, und manchmal muss man sich fragen, ob er die Konsequenzen seiner Forderungen völlig durchdacht hat. Das Ende des Zentralbanksystems im ökonomisch wichtigsten Staat der Erde hätte natürlich weitreichende Konsequenzen für den gesamten Globus, ein offizieller Staatsbankrott der USA wäre fast unausweichlich.

Die Erwartung ist natürlich nicht ganz unbegründet, dass wer immer auch am Ende ins Weiße Haus einzieht, ganz schnell von der Macht des Faktischen eingeholt wird. Die Fed wird man kaum über Nacht schließen können. Aber dass es so wie bisher nicht mehr lange weiter gehen kann, spüren die meisten Menschen. Mein Branchen-Kollege Ralf Flierl erwartet gar eine Währungsreform in den nächsten fünf Jahren. Aber lassen Sie sich nicht zu sehr runterziehen, ob und wann es passiert kann keiner mit Sicherheit sagen. Vorbereitet sein kann jedenfalls kein Fehler sein.

Ihr
Daniel Kühn