„Fed-Präsident Powell signalisierte folgerichtig weitere Zinserhöhungen in den kommenden Sitzungen des FOMC und räumt der Inflation weiterhin Vorrang vor dem Wachstum ein. Der nach wie vor angespannte Arbeitsmarkt erhöht den Preisdruck. Zur Erinnerung: In der letzten Zusammenfassung der Wirtschaftsprojektionen (SEP), die im Juni veröffentlicht wurde, lag die mittlere Prognose der FOMC-Teilnehmer für den Leitzins bei 3,4 bzw. 3,8 Prozent für 2022 und 2023 (siehe Abbildung 1). Das bedeutet, dass die Entscheidungsträger noch vor sechs Wochen davon ausgingen, dass der Leitzins etwa 90 Basispunkte über sein neutrales Niveau hinaus in den restriktiven Bereich steigen müsste, um die Preise stabilisieren zu können.

Angesichts der zunehmenden Anzeichen für eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums und der wahrscheinlichen Hartnäckigkeit der Fed bei der Inflationsbekämpfung sehen wir die Märkte sich immer mehr in Richtung Rezession positionieren. In der Tat haben wir in den letzten Wochen bereits einen deutlichen Rückgang der Zinserhöhungserwartungen festgestellt. Das heißt, dass sich Anlagen mit langer Duration besser entwickelt haben als solche mit kurzer Duration, einschließlich Investment-Grade-Anlagen gegenüber Hochzinsanleihen. In unserem Basisszenario gehen wir von einer weiteren Zinserhöhung um 75 Basispunkte im September aus, da die Fed lieber das Risiko einer mehr oder weniger ausgeprägten Rezession eingeht, als sich mit einem wohl kostspieligeren stagflationären Umfeld auseinandersetzen zu müssen.

In der Zwischenzeit werden die Märkte wahrscheinlich gegen solch große Zinserhöhungen und damit gegen die Fed wetten. Denn die Abschaffung der Forward Guidance scheint das "neue Normal" zu sein, was angesichts der atypischen Natur des Konjunkturzylus, den wir gerade erleben, durchaus verständlich ist. Allerdings erhöht diese neue Haltung die allgemeine Unsicherheit und folglich die Volatilität.“