1. Der Arbeitsmarktbericht für Juli bestätigte das Bild der Vormonate: eine schwache Beschäftigungsentwicklung gepaart mit einer ordentlichen Lohndynamik. Die Anzahl der Beschäftigten erhöhte sich im Juli um 113.000 Personen. Dies war etwas weniger als von uns und den Märkten erwartet (Bloomberg-Umfrage: 142.000 Personen, DekaBank: 130.000 Personen) entsprach aber nahezu exakt dem Durchschnitt des zweiten Quartals von 112.000 Personen. Die durchschnittlichen Stundenlöhne konnten dagegen mit 0,4 % mom positiv überraschen, was die Einkommensentwicklung anbelangt (Bloomberg-Umfrage: 0,3 %, DekaBank: 0,2 %). Auch hier setzte sich der Trend der vergangenen Monate fort. Die Jahresveränderungsrate verringerte sich hier aufgrund eines Basiseffektes geringfügig von 3,9 % auf 3,8 %. Die wohl größte Überraschung bot die Arbeitslosenquote, die auf 4,8 % anstieg (Bloomberg-Umfrage und DekaBank: 4,6 %). Hintergrund hierfür war ein Beschäftigungsrückgang um 34.000 Personen, der im Rahmen der monatlichen Haushaltsumfrage – im Gegensatz zu der Unternehmensbefragung, aus der die obigen Beschäftigungsdaten stammen – ermittelt wurde. Große monatliche Unterschiede in den Ergebnissen der beiden Befragungen sind eher die Regel denn die Ausnahme und sollten daher nicht überinterpretiert werden.

2. Für den Beschäftigungsaufbau im Juli war einmal mehr der Dienstleistungssektor (+115.000 Personen) hauptverantwortlich. Im verarbeitenden Gewerbe hat sich dagegen, nach einem unüblich kräftigen Beschäftigungsaufbau im Vormonat, die Anzahl der Beschäftigte um 15.000 Personen verringert. Im Dienstleistungsgewerbe sind es der Sektor der unternehmensnahen Dienstleister, der Sektor für Gastronomie und Freizeit sowie der Sektor für Gesundheits- und Bildungswesen gewesen, die für nennenswerten Beschäftigungsaufbau gesorgt haben. Erfreulich ist, dass im Bereich der Zeitarbeit, der zu den unternehmensnahen Dienstleistern gehört, die Beschäftigung mit -2.000 Personen rückläufig war. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass die zusätzlich geschaffenen Stellen im Bereich der unternehmensnahen Dienstleister eher langfristige Beschäftigungsverhältnisse sind.

3. Die unterschiedliche Lohnentwicklung im Juli in den einzelnen Sektoren ist ein schönes Beispiel für die Effekte der Globalisierung. So liegt die Jahresveränderungsrate der durchschnittlichen Stundenlöhne im verarbeitenden Gewerbe inzwischen bei 1,6 %. Ein so niedriger Wert wurde zuletzt Ende 1998 erreicht. Das heißt, selbst in der letzten Rezession im Jahr 2001 war die Lohndynamik in diesem Bereich höher. Das verarbeitende Gewerbe erfreut sich zwar einerseits einer global kräftigen Nachfrage. Andererseits ist gerade in diesem Sektor der internationale Wettbewerb enorm hoch, sodass trotz kräftiger Produktionsausweitungen weder Beschäftigungs- noch nennenswerte Lohnzuwächse erzielt werden können. Deutlich geringer ist der internationale Wettbewerb im Dienstleistungssektor. Hier ist die Jahresveränderungsrate der durchschnittlichen Stundenlöhne folgerichtig mit 4,8 % vergleichsweise hoch.

4. Der heutige Arbeitsmarktbericht für Juli bedeutet, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lohnsumme, die sich aus der Beschäftigungs- und der Lohnentwicklung ergibt, im Juli ähnlich stabil wie in den Vormonaten entwickelt haben dürfte. Anders als zu Beginn der konjunkturellen Erholung im Jahr 2003 resultiert die Dynamik der gesamtwirtschaftlichen Lohnsumme aktuell stärker aus der Lohn- denn aus der Beschäftigungsentwicklung. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend mindestens bis Ende dieses Jahres fortsetzen wird. Beschäftigungszuwächse von über 200.000 Personen sollten in diesem Zeitraum daher eher die Ausnahme als die Regel sein. Die daraus ableitbare Einkommensdynamik der privaten Haushalte dürfte aufgrund der Lohnentwicklung weiterhin kräftig sein und damit grundsätzlich Spielraum für weitere Konsumzuwächse bieten. „Grundsätzlich“ bedeutet hierbei, dass die privaten Haushalte aufgrund der erhöhten Leitzinsen nicht mehr wie in den Jahren zuvor von einem boomenden Immobilienmarkt profitieren können, sodass die Konsumdynamik in den kommenden Monaten schwächer sein wird als im vergangenen Jahr bzw. zu Beginn dieses Jahres.

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von mehr als 135 Mrd. Euro und über fünf Millionen betreuten Depots gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.