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US-Schulden gehören zu den sichersten der Welt. Das liegt nicht nur am guten Rating durch die Ratingagenturen, sondern auch an der Wahrnehmung der Anleger. Die USA haben ihre Schulden bisher immer beglichen. Es gab bisher keinen Bankrott. Das unterscheidet die USA von vielen anderen Staaten – und immerhin, die Historie ist mehr als 200 Jahre lang.

Die USA haben nicht nur einen tadellosen Track Record, sie konnten mit Schulden auch einigermaßen gut umgehen. Seit 1790 gab es mehrere Perioden, in denen die Schulden rasant anstiegen, z.B. während des Zweiten Weltkriegs (Grafik 1). Die Schulden konnten bisher aber danach immer wieder reduziert werden.

Die Prognosen brechen mit der Historie. Das Congressional Budget Office geht bis 2050 von einem Anstieg der Verschuldung aus. Es dürfte 150 % der Wirtschaftsleistung erreichen. Es findet also nach dem Schuldenexzess, verursacht durch die Finanzkrise, kein Abbau der Schulden mehr statt.

Dass kein Schuldenabbau mehr stattfinden kann, liegt mehr oder minder auf der Hand. Die Einnahmen dürften stagnieren. Gemessen an der Wirtschaftsleistung liegen die Einnahmen derzeit bei 17,8 %. Bis 2050 könnten die Einnahmen auf knapp 20 % steigen. Dieser Anstieg ist aber nicht einmal ansatzweise ausreichend, um die Ausgaben abzudecken.

Die Ausgaben setzen sich aus drei Blöcken zusammen (Grafik 2). Die Masse der Ausgaben entfällt auf Leistungen, die der Staat per Gesetz nicht kürzen darf. Dazu gehören bestimmte Sozialleistungen, Renten und Militärausgaben. Gerade die Sozialleistungen werden überproportional stark steigen. Das liegt an der steigenden Lebenserwartung und trotz Aufschwungs an zunehmender Armut. Der Staat muss einspringen.

Der zweite Block, über den der Staat nicht frei entscheiden kann, besteht aus Zinszahlungen für die Schulden. Der Staat kann nicht einfach jegliche Zinszahlungen einstellen. Der Bankrott wäre formalisiert und niemand würde dem Staat mehr Geld leihen. Die trotzdem steigenden Ausgaben ließen sich nicht mehr finanzieren.

Zu guter Letzt gibt es einen Block, über den der Staat mehr oder weniger frei entscheiden kann. Diese variablen Ausgaben beinhalten aber auch einen Großteil des Militärbudgets. Es ist undenkbar, dass hier gekürzt wird. Dennoch kann man sich zumindest einreden, dass die Einnahmen die fixen Ausgaben bis zum Jahr 2029 decken. Danach ist das nicht mehr der Fall.

Bis 2029 hat der Staat durch Ausgabenkürzungen theoretisch die Möglichkeit, das Budget auszugleichen. Danach liegen die fixen Ausgaben über den Einnahmen. Es gibt ab diesem Zeitpunkt kein Zurück mehr. Ab 2029 – wenn sich bis dahin nichts ändert – sind die USA praktisch insolvent. Ab diesem Zeitpunkt ist klar, dass die USA ihre Schulden nie wieder werden zurückzahlen können.

Streng genommen ist der Staat dann bankrott. Er kann sich natürlich weiter finanzieren und immer mehr Schulden aufnehmen, doch eine Rückzahlung ist schlichtweg nicht mehr möglich. Wann der Zahlungsausfall stattfindet, kann nicht prognostiziert werden. Ab 2029 ist aber klar, dass der Zahlungsausfall kommen muss. Die Rechnung geht einfach nicht mehr auf.

Clemens Schmale

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