Die Wahl hätte schlimmer verlaufen können. Im Vorfeld gab es düstere Prognosen und Angst vor landesweiten, gewalttätigen Protesten. Geschäfte verbarrikadierten sich. Bürger deckten sich mit Lebensmitteln ein, um mindestens eine Woche nicht mehr aus dem Haus zu müssen.

Solche Zustände sind in Europa derzeit noch undenkbar. Wegen einer Wahl fällt ein demokratisches Land nicht ins Chaos. In den USA zeigt allein die Angst, dass es anders kommen könnte, wie gespalten das Land ist und wie aufgeheizt die Stimmung ist. Bisher ist der Worst Case nicht eingetroffen. Man kann für die Bürger nur hoffen, dass es so bleibt und es einen friedlichen Übergang von der einen zur nächsten Administration gibt.

Proteste dürften früher oder später vorübergehen. Etwas anderes bleibt jedoch über die gesamte Amtsperiode eines Präsidenten erhalten: schlechte Stimmung. Parteianhänger der Partei, die den Präsidenten stellt, sind gut gelaunt. Die Verliererseite ist in Dauerdepression.

Das Verbrauchervertrauen ist anhand der Parteilinien gespalten. Die Grafik zeigt den massiven Unterschied in der Stimmung. Bis vor wenigen Jahren wurden die Daten unregelmäßig erhoben, daher sieht die Grafik bis 2016 etwas merkwürdig aus, doch selbst bei unregelmäßig erhobenen Daten wird klar wie die Stimmung funktioniert.


Unter Bush waren Demokraten deprimiert, unter Obama waren es die Republikaner. Unter Trump erreichte die Differenz ein Allzeithoch. Noch nie war die Stimmung unter den Anhängern der unterlegenen Partei im Verhältnis so schlecht. Seit dem Frühjahr hat sich die Lücke etwas geschlossen.

Demokraten machten sich Hoffnungen auf das Weiße Haus. Die Stimmung stieg, die der Republikaner tendierte seitwärts. Bleibt es dabei, dass Biden Präsident wird, werden Republikaner in eine mindestens vierjährige Depression verfallen.

Die Stimmung ist generell mit dem Konsum korreliert. Wer gut gelaunt ist und zuversichtlich in die Zukunft blickt, kauft ein. Wer hingegen Trübsal bläst und deprimiert ist, verfällt meist nicht in einen Kaufrausch. Das Wahlergebnis hat daher Konsequenzen für den Konsum. Zudem ist absehbar, dass die Differenz in der Stimmung zwischen den politischen Lagern noch weiter auseinandergeht als ohnehin schon.

Am Ende sind die Gewinne der Unternehmen aus Konsumausgaben gemacht. Müssen sich Anleger daher auf eine schleppende Erholung nach dem Covid-Schock einstellen?

Vermutlich nicht. Die USA sind zwar gespalten wie nie, aber an den Unternehmen, die das Kursgeschehen bestimmen (wenige Megacaps), geht das größtenteils vorüber. Viele Unternehmen vermeiden es, sich politisch klar zu positionieren. Sie wollen nicht von einer Partei boykottiert werden.

Ob die Hälfte der Bevölkerung deprimiert ist oder nicht, es geht an den meisten Großunternehmen spurlos vorüber. Das gilt selbst dann, wenn es zu langanhaltenden und gewalttätigen Protesten kommt. Die Börse kann kurzfristig auf die Situation reagieren. Mittelfristig spielt es jedoch keine Rolle.

Clemens Schmale


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