1. Der nationale Einkaufsmanagerindex ISM für das verarbeitende Gewerbe ist im August von 56,6 auf 53,6 Punkte gefallen (Bloomberg-Umfrage: 57,0 Punkte, DekaBank: 56,5 Punkte). Nachdem gestern schon der Einkaufsmanagerindex für die Region Chicago sehr schwach veröffentlicht worden war, war dies eigentlich keine wirkliche Enttäuschung.

2. Alle Teilkomponenten verzeichneten Rückgänge, wobei diese bei den zwei Schwergewichten am stärksten ausfielen: Die Auftragseingangskomponente fiel von 60,6 auf 56,4 Punkte, die Produktionskomponente von 61,2 auf 55,9 Punkte. Beide Komponenten befinden sich aber noch auf einem hohen Niveau. Die Beschäftigungskomponente gab nur geringfügig von 53,2 auf 52,6 Punkte nach. Insgesamt signalisiert der ISM-Index, dass die Industrie sich weiterhin in der Expansionsphase befindet, dass jedoch die Boomphase mit starken Produktionszuwächsen vorbei ist.

3. Dank der Rabattaktionen einiger Automobilhersteller sind die privaten Konsumausgaben im Juli im Monatsvergleich erneut kräftig um 1,0 % angestiegen (Bloomberg-Umfrage: 1,0 %, DekaBank: 1,1 %).

Hinzu kam eine Aufwärtsrevision des Vormonatswertes von 0,8 % auf 1,0 %. Eine kleine Enttäuschung kam von den persönlichen Einnahmen, die im Monatsvergleich nur um 0,3 % zunahmen (Bloomberg- Umfrage und DekaBank: 0,5 %). Die Sparquote rutschte Terrain auf -0,6 %.

4. Nachdem die Rabattaktion von General Motors schon im Juni die Autokäufe angeheizt hatte, zogen im Juli auch Ford und Chrysler nach. Diese Rabattaktionen der Automobilhersteller stimulierten den privaten Konsum so stark, dass die Sparquote auf einen Tiefstand von -0,6 % fiel. Damit haben also die Konsumenten durch Kreditaufnahme ihren kräftigen Konsumzuwachs finanziert. In der niedrigen Sparquote spiegelt sich sehr deutlich wider, dass die US-Konsumenten dank der Vermögenszuwächse durch den Anstieg der Immobilienpreise große Spielräume für einen auf Pump finanzierten Konsum haben.

5. Der Blick in die Details der persönlichen Einnahmen offenbart, dass die Arbeitseinkommen im Juli deutlich um 0,5 % gegenüber dem Vormonat gestiegen sind. Verantwortlich für den vergleichsweise schwachen Einkommenszuwachs war die enttäuschende Entwicklung der Unternehmereinkommen (-0,4 %) und der Transfereinkommen (-0,3 %). Auch die Mieteinnahmen bremsten (-3,9 %) – damit hatte man allerdings rechnen können.

6. Die heutigen Zahlen waren insgesamt gesehen durchwachsen, sprechen jedoch für ein anhaltend hohes Wirtschaftswachstum in den USA. Der private Konsum dürfte zwar im vierten Quartal nur unterdurchschnittlich steigen, doch dies ist nur ein vorübergehender Rückpralleffekt wegen des vorgezogenen Konsums im dritten Quartal. Schwerer wiegt die Frage, welche Auswirkungen die Verwüstungen, die der Hurrikan „Katrina“ derzeit im Süden der USA anrichtet, auf das Wirtschaftswachstum haben. Noch lässt sich wenig sagen. Tatsache ist, dass die Tropenstürme der letzten Jahre, beispielsweise der ähnlich starke„Andrew“ 1992, kaum sichtbare Spuren im Wirtschaftswachstum hinterlassen haben. Tatsache ist aber auch, dass es dieses Mal anders sein könnte. Denn angesichts der sowieso schon recht knappen Benzinvorräte in den USA, der Raffinerieausfälle und der Ausfälle bei den Erdgaslieferungen könnte es in den kommenden Monaten zu starken Preisanstiegen bei Benzin, Heizöl und Erdgas kommen, die Bremsspuren insbesondere beim privaten Konsum hinterlassen könnten.

7. Finanzmarktreaktionen: Die Finanzmärkte zeigten auf die Einkommens- und Konsumdaten, die gegen 14:30 Uhr veröffentlicht wurden, zunächst nur geringe Reaktionen. Der schwache ISM-Index (Bekanntgabe: 16:00 Uhr) führte dann vor allem an den Devisenmärkten zu deutlichen Bewegungen. Der Euro gewann gegenüber dem US-Dollar 0,6 Cent und notierte eine halbe Stunde nach Bekanntgabe der Zahlen bei 1,2460 Euro pro US-Dollar. Die Renditen für US-Treasuries verringerten sich um fünf Basispunkte auf 4,00 %, und die 10-jährigen Bundrenditen erreichten mit 3,059 % kurzfristig ein neues Renditetief. Der DAX gab seinen bis dahin erzielten Tagesgewinn von gut 40 Indexpunkten ab und notierte gegen 16:30 Uhr bei 4830 Punkten.

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von rund 130 Mrd. Euro gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.