1. Das zweite Quartal hat für die US-Wirtschaft tatsächlich den erwarteten Rückprall nach dem – dem milden Wetter geschuldeten – kräftigen Wachstum im ersten Quartal gebracht: Das Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal nach vorläufigen Angaben lediglich um 2,5 % (qoq, ann.) gestiegen. Dies war schwächer als vom Markt erwartet, wir waren zu Recht etwas vorsichtiger in unserer Prognose (Bloomberg- Median: 3,0 %; DekaBank: 2,4 %).

2. Zwar blieb der private Konsum mit einem Wachstumsbeitrag von 1,7 Prozentpunkten die treibende Kraft des Wachstums, doch im Vergleich zum Vorquartal legte er nur noch knapp halb so dynamisch zu (2,5 % qoq, ann. nach 4,8 %). Überraschenderweise kamen auf Platz zwei der Wachstumstreiber die Vorratsinvestitionen mit einem Wachstumsbeitrag von 0,4 Prozentpunkten. Da die Produktion im zweiten Quartal im Vergleich zu Binnennachfrage recht dynamisch war, ist dies im Nachhinein jedoch durchaus einsichtig. Insbesondere die Autohersteller dürften hohe Lagerbestände angesammelt haben, in Erwartung einer höheren Nachfrage durch die angekündigten Rabattaktionen ab Juli. Die Tatsache, dass der Außenbeitrag einen Wachstumsbeitrag von 0,3 Prozentpunkten leistete, stand ebenfalls nicht auf unserer Rechnung. Nicht nur, dass die Exporte mit einem Plus von 3,3 % (qoq, ann.) stärker waren als von uns prognostiziert. Nein, auch die Importe überraschten mit einem schwachen Zuwachs von lediglich 0,2 %. Die Anlageinvestitionen schrumpften um 0,7 %. Der Löwenanteil für diese Schwäche ist den Wohnungsbauinvestitionen zuzuschreiben (-0,4 Prozentpunkte Wachstumsbeitrag). Aber auch die Ausrüstungsinvestitionen gingen leicht zurück (-0,1 Prozentpunkte Wachstumsbeitrag) – dies war in der Tat sehr enttäuschend. Dafür verzeichnete der gewerbliche Bau erneut einen kräftigen Anstieg. Der BIP-Deflator betrug 3,3 % yoy und kam damit sogar etwas schwächer als erwartet (Bloomberg-Median: 3,5 %; DekaBank: 3,6 %).

3. Zusammen mit den heutigen Daten wurde die jährliche Revision der Bruttoinlandsprodukts-Zahlen für die Jahre zurück bis 2003 bekannt gegeben. Bis auf wenige Ausnahmen wurden die Quartale Q1/2003 bis Q1/2005 nach unten revidiert, sodass die Jahresdurchschnitte nunmehr alle niedriger sind, als bisher angenommen. Das Wachstum im Jahr 2003 beträgt nunmehr 2,5 % (bisher 2,7 %), 3,9 % für 2004 (bisher 4,2 %) und 3,2 % für 2005 (bisher 3,5 %). Da die vergangenen vier Quartale nicht nennenswert verändert gemeldet wurden, besteht hieraus kein Revisionsbedarf für unsere Jahresprognose 2006.

4. Ein Teil des schwachen Wachstums im zweiten Quartal ist sicherlich dem starken ersten Quartal geschuldet und als Rückprall zu werten, beispielsweise was den privaten Konsum und die gewerblichen Investitionen anbelangt. Allerdings verdichten sich die Anzeichen, dass die Zinserhöhungen der Fed langsam in der Realwirtschaft ihre Wirkungen entfalten. Für die kommenden Quartale sind ähnlich niedrige Wachstumsraten wie im zweiten Quartal zu erwarten. Neben den höheren Zinsen dürften vom Arbeitsmarkt schwächere Impulse kommen, woraus eine nachlassende Einkommensdynamik resultiert.

5. Das Konsumklima der Universität von Michigan wurde in seiner finalen Veröffentlichung gegenüber dem vorläufigen Wert von 83,0 Punkten auf 84,7 Punkte nach oben revidiert. Wie schon beim Verbrauchervertrauen, das am vergangenen Dienstag bekannt gegeben wurde, so ist es auch hier etwas verwunderlich, dass die Verbraucher trotz der eher ungünstigen Rahmenbedingungen ihren Optimismus sogar noch steigern.

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von mehr als 135 Mrd. Euro und über fünf Millionen betreuten Depots gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.