Die US-Wirtschaft wächst immer noch in gemächlichem Tempo. Nach wie vor werden Jobs geschaffen. Die Arbeitslosigkeit sinkt. Auf den ersten Blick ist alles in Butter. Auf den zweiten Blick bewegt sich die Konjunktur auf dünnem Eis.

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Zuallererst ist da die Zinswende zu nennen. Diese schlägt gerade fehl. Die Notenbank hebt die kurzfristigen Zinsen an. Die langfristigen Zinsen, die nicht von der Notenbank, sondern vom Markt bestimmt werden, kommen jedoch nicht vom Fleck. Das führt dazu, dass der Zinsspread zwischen den lang- und kurzfristigen Zinsen immer kleiner wird.

Grafik 1 zeigt diesen Zinsspread. Dieser konnte sich Ende 2016 nach oben absetzen. Zu verdanken hatten wir das unter anderem Donald Trump. Vollmundig wurden gigantische Investitionen und Steuersenkungen, die die Menschheit noch nicht gesehen hat, angekündigt. Daraus ist bisher nichts geworden und der Markt glaubt inzwischen auch nicht mehr daran, dass es in Zukunft etwas wird.

Der Unglaube des Marktes zeigt sich einerseits an den Zinsen, andererseits auch an Aktien. Die Aktien hochbesteuerter Unternehmen waren nach Trumps Wahlsieg die Outperformer. Davon ist kaum noch etwas übriggeblieben. Auch Bankaktien, die von Deregulierung profitieren sollten, konnten die Outperformance nicht halten.

Für Konsumenten sind das nicht unbedingt schlechte Nachrichten. Niedrige Zinsen entlasten. Noch immer entfallen zwei Drittel der Schulden der Privathaushalte auf Hypotheken. Die Zinsen für eine dreißigjährige Hypothek sind niedrig. Sie liegen bei 3,8 %. Das ist höher als das Rekordtief bei 3,44 %, aber immer noch sensationell günstig.

Haushalte sollten bei so niedrigen Zinsen eigentlich mehr Geld in der Tasche haben. Das ist nicht der Fall. Die Sparquote sank zuletzt wieder deutlich – auf 3,5 %. Das ist nahe des bisherigen Tiefs des seit 2010 andauernden Aufschwungs. Es ist auch in der Nähe der bisherigen Rekordtiefs kurz vor der letzten Rezession.

Die Sparquote stieg in der Vergangenheit immer wieder sprunghaft an. Das lag entweder an Steuersenkungen oder an Steuergutschriften. Steuergutschriften sind in den USA ein beliebtes Instrument, um die Konjunktur anzuschieben. Ein Teil der Gutschriften wird gespart. Es sind Einmaleffekte, die schnell verpuffen.


Eine sinkende Sparquote bedeutet letztlich nichts anderes, als dass Konsumenten praktisch alles, was sie verdienen, für den Konsum ausgeben. Der Konsum macht in den USA 70 % der Wirtschaftsleistung aus.

Der Konsum kann keine neuen Impulse mehr bringen. Konsumenten sind bereits am Limit, was das Ausgabenwachstum anbelangt. Das gilt, obwohl immer mehr neue Jobs geschaffen werden und die Arbeitslosigkeit angeblich so niedrig ist wie seit 16 Jahren nicht mehr. All das scheint die finanzielle Situation der breiten Masse nicht zu verbessern.

Bisher hielt der Konsum die Wirtschaft über Wasser. Das Wachstum wurde aber durch eine sinkende Sparquote erkauft. In wenigen Quartalen ist das einfach nicht mehr möglich. Spätestens dann dürfte die Konjunktur kippen.

Clemens Schmale

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