Viele Kommentatoren zerbrechen sich derzeit den Kopf darüber, wie das wohl weiter gehen wird in den USA. Der Haushaltsstreit und die anstehende Anhebung der Schuldenobergrenze sind dabei nur zwei Themen, die heiß diskutiert werden.

Mindestens so bedeutend, vor allem auf längere Sicht, ist die Frage, wie es mit der Konjunktur in den USA weiter geht. Denn das kann uns gefallen oder auch nicht: Fest steht, dass von der Wirtschaftsentwicklung in den USA immer noch ein Großteil der Weltwirtschaft abhängt.

Einige Kollegen bemühen offensichtlich Glaskugeln, um eine Antwort auf diese wichtige Frage zu finden. Andere orientieren sich lieber an handfesteren Dingen und sehen sich konjunkturelle Frühindikatoren an. Das macht durchaus Sinn, denn zumindest in der Vergangenheit konnte man damit einigermaßen zuverlässige Aussagen über künftige Entwicklungen machen.

Leider hat sich ausgerechnet in diesem Punkt unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit in den vergangenen Monaten ein epochaler Wandel vollzogen, der die Lehren aus der Vergangenheit gewissermaßen auf den Kopf stellt.

Dazu die folgende Abbildung: Sie zeigt die Korrelation zwischen 26 wichtigen US-amerikanischen Frühindikatoren und der Entwicklung der Löhne auf dem US-amerikanischen Arbeitsmarkt. Die Lohnentwicklung ist ein wichtiger Gradmesser für die Dynamik der Konjunktur, daher ist dieser Wert an sich recht zuverlässig. Wie man nun unschwer erkennen kann, ist die Korrelation der beiden Stellgrößen auf das niedrigste Niveau seit 1954 abgestürzt.

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Gleiches gilt übrigens für die Korrelation der Lohnentwicklung mit dem viel zitierten ISM-Index. Hier ist der Wert sogar auf das niedrigste Niveau seit 1952 eingebrochen.

Was bedeutet das nun aber für die tägliche Praxis? Sehr einfach: Es bedeutet, dass die Frühindikatoren, die von Banken, Analystenhäusern und Wirtschaftsredaktionen mit viel Aufwand analysiert werden, um so einen Blick in die Zukunft zu erhaschen, schlicht und ergreifend nicht mehr funktionieren.

Anders formuliert: Die Frühindikatoren lassen im Moment keine Aussage darüber zu, ob es mit der Konjunktur in den USA wieder aufwärts geht, oder eben nicht. Mutmaßlich ist dies den „steuernden Eingriffen“ der Politik zu verdanken, die leider nicht nur in den USA am besten zu wissen glaubt, was für „die Märkte“ gut ist.

Die Erkenntnis könnte manchem durchaus den Schlaf rauben. Denn was soll dann noch die ganze Analysearbeit und woher bitteschön soll man denn zuverlässige Aussagen über die weitere Entwicklung der US-Wirtschaft ableiten, wenn die Indikatoren auf die man sich beruft, praktisch wertlos sind?

Tja, das ist gewissermaßen die Gretchenfrage, die sich im Moment leider nicht so ohne weiteres beantworten lässt.

Doch die Grafik oben hat noch eine weitere wichtige Botschaft für uns im Gepäck. Und die hilft uns zumindest ein wenig weiter:

Wie man ebenfalls gut erkennen kann, unterliegt die Korrelation zwischen den 26 Frühindikatoren und der Lohnentwicklung gewissen Schwankungen.

An dieser Stelle kommen die senkrechten grünen Balken ins Spiel. Sie signalisieren rezessive Phasen in den USA. Verbindet man beide Informationen gedanklich miteinander, dann erkennt man, dass die Korrelationskurve während der vergangenen 60 Jahre immer dann besonders niedrig notierte, wenn wenig später ein solcher senkrechter grüner Balken auftauchte.

Das heißt, die Korrelation war immer dann besonders niedrig, wenn die Wirtschaft in den USA wenig später in eine Rezession abtauchte.

Da nun die Korrelationskurve den niedrigste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen erreicht hat, drängen sich zwei Schlussfolgerungen auf:

Erstens: In den kommenden Monaten steht in den USA eine Rezession auf der Agenda.

Und zweitens: Wegen der Heftigkeit des Ausschlags der Korrelationskurve in weit negatives Terrain sollte diese Rezession deutlich stärker ausfallen als frühere konjunkturelle Schwächephasen.

Damit sind wir dann doch ein ganzes Stück schlauer als vorher.

Abschließend noch ein paar Worte zum Gold:

In einem sehr lesenswerten Kommentar auf der Internetseite des geschätzten Kollegen Frank Meyer ist der folgende Satz zu lesen:

„Die Aufgabe des Bullen ist es, so viele Reiter, wie nur irgend möglich abzuschmeißen! Wenn der letzte „schwache“ Reiter in hohem Bogen vom Bullen geflogen ist, kann dieser befreit von dannen stürmen“.

Mit bemerkenswerter Weitsicht weist der Autor außerdem darauf hin, dass vermeintliche Schnäppchenkurse beim Gold, auf die einige jetzt vermutlich spekulieren, durchaus zwei Seiten haben könnten. Gerade vor dem Hintergrund des Kasperletheaters in den USA sollte man sich den folgenden Satz gut einprägen:

„Was, wenn aus welch „einleuchtend klingenden Erklärungen“, die Börsen „zur Beruhigung“ und „zum Schutze aller“, einfach für die nächsten Tage geschlossen werden? Was, wenn ein Goldankauf kurzfristig per Dekret verboten wird? Was machen Sie dann mit einem „Schnäppchenpreis“ von 1.100 USD auf dem Computerbildschirm, ohne kaufen zu können? Was, wenn „als vertrauensbildende Maßnahme“, der Goldpreis plötzlich mit einem neuen Referenzpunkt, von sagen wir mal 7.500 US-Dollar oder noch höher festgesetzt wird?“

Der Kommentar mit dem Titel "Gold - Achtung Eisberg voraus" stammt übrigens vom August 2011. Wir erinnern uns: Das war jene Phase, als alle noch ganz dringend Gold und Silber haben wollten, weil das Finanzsystem angeblich morgen zusammenbrechen werde.

Und der erste Textabschnitt daraus, den wir gerade zitiert haben, ist deshalb so wunderbar treffend, weil er mit wenigen Worten beschreibt, wie Börse funktioniert. Doch er beschreibt sogar, wie sie nicht funktioniert.

Weil wir gerade beim Kasperletheater in den USA waren: Mit Goldman Sachs-Chef Lloyd Blankfein und Jamie Dimon von JP Morgan waren kürzlich die beiden mächtigsten Männer der Welt zu Besuch bei Barack Obama. Offiziell wollten sie ihrer wichtigsten Politmarionette mitteilen, wie wichtig es ist, dass die USA ihre Schulden bezahlen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/10/03/wall-street-banker-setzen-obama-die-daumenschraube-an/

Nun sind natürlich insbesondere die Chinesen genau der gleichen Meinung. Man kann es ihnen nicht verübeln: Gut 1,3 Billionen US-Dollar an US-amerikanischen Staatsanleihen liegen dort in den Kellern herum. Sollten die plötzlich abgeschrieben werden müssen, weil Blankfein, Dimon und Obama ganz andere Dinge besprochen haben, als offiziell verkündet wurde, dann wäre das kein Spaß.

Und zwar nicht nur für die Chinesen...

Wie das Ergebnis der Bundestagswahl zu verstehen ist, was die Goldschwäche bedeutet und wie es an den Börsen weiter gehen könnte, damit haben wir uns in der Oktober-Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs ausführlich beschäftigt.

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de