Gastbeitrag des Guidants-Experten Dr. Christoph Bost

Sehen Sie uns dies in Zeiten von Donald Trump bitte nach! Aus China gab es vergangene Woche kaum Konjunkturdaten, es ist aber auch anzunehmen, dass diesen wenig Beachtung geschenkt worden wäre. Zu brisant ist das Thema Handelskrieg.

Bereits vergangene Woche wiesen wir darauf hin, dass Donald Trump Äpfel mit Birnen vergleicht, denn das Defizit der Handelsbilanz allein stellt noch kein aussagekräftiges Bild im Handelskrieg da. Die Amerikaner schauen nur auf die Zölle und fühlen sich schon als Sieger, schließlich könnten sie wegen des Handelsdefizits viel mehr Waren aus China mit Zöllen belegen als umgekehrt: 500 Milliarden Dollar versus 130 Milliarden Dollar.

Aber die aktuellen Zahlen zu den Investitionen zeigt nun das ganze Ausmaß des Debakels. Denn Donald Trumps harte Linie im Handelskonflikt würgt nun chinesische Investitionen in die USA ab. Laut einer aktuellen Studie der Rhodium Group sind die US-Investments aus Fernost im ersten Halbjahr 2018 um satte 92 Prozent eingebrochen. Durch den Konfrontationskurs von Präsident Donald Trump sind die USA nun wohl für viele Investoren Chinas offenbar zu heiß geworden. Mit einem Volumen von nur 1,8 Milliarden US-Dollar seien die Direktinvestitionen und Standortaufbauten chinesischer Firmen in den USA so niedrig wie seit sieben Jahren nicht mehr, so die Studie.

Rechnet man laut den Experten von Rhodium Group Auflösungen von Investments noch mit ein, ist die Bilanz der Studie zufolge sogar negativ. Demnach haben Chinas Investoren in den ersten fünf Monaten des Jahres 9,6 Milliarden Dollar an Assets in den USA verkauft. Bleiben also Netto-Direktinvestments von minus 7,8 Milliarden Dollar. Dieser massive Rückgang kam aber nicht ganz überraschend, die Rhodium Group bezeichnet den Abfall chinesischer US-Investments als “real und andauernd”. Denn bereits 2017 schraubte China seine Engagements in den USA zurück (auch eine strengere Überwachung der rapiden Expansion chinesischer Firmen durch Peking selbst trug dazu bei). Von 49 Milliarden Dollar im Gesamtjahr 2016 fiel das Investitionsvolumen bereits auf 29 Milliarden Dollar. Bleibt nun die Frage offen, ob es sich bei den Aktionen von Donald Trump wohl um eine Milchmädchenrechnung gehandelt haben dürfte?! Das Handeln der Amerikaner ist viel zu kurz gedacht und zeigt, dass in Washington eher die Dilettanten sitzen, in Beijing dagegen die Strategen.

In einer globalisierten Welt dürfte Trumps Verhalten unterm Strich deutlich mehr Nachteile mit sich bringen, wenn es Kapitalflüsse derart abwürgt, insbesondere wenn es sich um die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und obendrein den größten Handelspartner handelt. Statistisch gesehen eröffnet obendrein die amerikanische Starbucks-Kette alle 15 Stunden einen neuen Coffee Shop in China. Der Fast-Food-Gigant Yum (dazuzählen die Fastfoodketten „KFC“ und „Pizza Hut“) will in China in den nächsten 15 Jahren rund 15.000 Restaurants aufmachen. Nike und Gap bauen stetig ihr Ladennetz aus. Ebenso Häagen-Dazs und Dunkin' Donuts. Auf Chinas Straßen rollen immer mehr Chevrolets und Fords. Und für Apple ist China inzwischen der wichtigste Markt.

Und wie heißt es doch so schön, wer zuletzt lacht, lacht am besten! Es bleibt nichts anderes übrig als genau abzuwarten, wie sich die Lage im Handelskrieg weiter entwickelt, dies dürfte dann den Ausschlag für die Entwicklung an den chinesischen Börsen geben.

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