1. In den vergangenen Monaten wurde von Seiten der Zentralbank wie auch von staatlicher Seite versucht die Krise am Hypothekenmarkt zu entschärfen. Diese Maßnahmen konnten jedoch im ersten Quartal 2008 eine weitere Zuspitzung der Hypothekenkrise nicht verhindern: Der gestern bekannt gegebene Datensatz „Mortgage Delinquencies“, der von der Mortgage Bankers Association (MBA) quartalsweise veröffentlicht wird, beinhaltet hinsichtlich der Zahlungsschwierigkeiten von Kreditnehmern wichtige Informationen. Diesen Daten lässt sich entnehmen, dass der Anteil der Zahlungsrückstände (Delinquencies) an den ausstehenden Hypotheken im ersten Quartal von 5,82 % auf 6,35 % deutlich angestiegen ist. Der Anteil der tatsächlichen Zwangsvollstreckungen erhöhte sich ebenfalls kräftig von 2,04 % auf 2,47 %. In beiden Fällen liegen Rekordstände vor.

2. In der Unterteilung des Hypothekenmarktes in subprime / prime sowie variabel / fest verzinst zeigt sich im Bereich der schwerwiegenden Zahlungsverzögerungen eine Fortsetzung der Tendenz aus den Vorquartalen: Der Anteil der schwerwiegenden Zahlungsverzögerungen erhöhte sich im Subprime-Segment stärker als im Prime-Segment und bei Hypotheken mit variabler Verzinsung stärker als bei fest verzinslichen. Mit Ausnahme des Prime-Segments mit variabler Verzinsung (Anstieg von 4,12 % auf 5,43 %) sind die Zunahmen zumindest geringer als noch im vierten Quartal 2007. Dennoch, die Anteilniveaus sind teilweise historisch hoch: So stieg der Anteil im Subprime-Segment von 20,54 % auf 24,11 % (variabel) bzw. von 8,18 % auf 8,73 % (festverzinslich). Im Prime-Segment (festverzinslich) erhöhte sich der Anteil von 0,99 % auf 1,11 %.

3. Mit Hilfe des Datensatzes vom MBA lässt sich unter anderem auch aufschlüsseln, wie groß die einzelnen Bereiche im Hypothekenmarkt sind. Im ersten Quartal 2008 waren beispielsweise 12,3 % aller Hypotheken Subprime-Verträge (nach 12,7 % im Vorquartal). Fast 40 % der Hypothekenverträge, bei denen eine schwerwiegende Zahlungsverzögerung vorlag, waren Prime-Verträge. Somit sind die Anteile an schwerwiegenden Zahlungsverzögerungen im Prime-Segment zwar deutlich niedriger als im Subprime- Segment. Aufgrund des höheren Gewichts des Prime-Segments am Hypothekenmarkt ist die Anzahl der Hypotheken mit schwerwiegenden Zahlungsverzögerungen aber durchaus beachtlich, sodass nicht von einer auf das Subprime-Segment beschränkten Hypothekenkrise gesprochen werden kann. Im Gegenteil: Es deutet sich vielmehr an, dass das Subprime-Segment den Weg des Gesundschrumpfens schon ein Stück gegangen ist, während das Prime-Segment erst am Anfang dieses Weges ist. So sank die Anzahl der Hypotheken im Subprime-Segment im ersten Quartal um 5,2 % gegenüber dem Vorquartal (4Q07: -2,4 % qoq), während im Prime-Segment die Anzahl der Hypotheken nur um 1,5 % zurückging (4Q07: +1,8 % qoq). Allerdings ist nicht zu erwarten, dass die Probleme, die im Subprime-Segment vorliegen, auch im gleichen Ausmaß im Prime- Segment bestehen. Der Weg des Gesundschrumpfens ist somit im Prime-Segment kürzer und weniger dramatisch.

4. Bereits die Daten zum vierten Quartal 2007 lieferten ein verheerendes Bild vom Hypothekenmarkt. Allerdings konnten wir damals noch auf einen Lichtblick hinweisen: Die Anteile der Zahlungsverzögerungen im Bereich 30 Tage sanken in drei der vier Teilsegmente im Vergleich zum Vorquartal. Dieser Bereich stellt im Prinzip den Nährboden für schwerwiegende Zahlungsverzögerungen dar, denn solch eine liegt definitionsgemäß erst nach 90 Tage vor. Im vergangenen ersten Quartal hat sich diese gute Entwicklung des Vorquartals nicht fortgesetzt. Die Anteile liegen in allen vier Bereichen (und zum Teil sogar deutlich) höher als noch im dritten Quartal 2007. Mit einem baldigen Ende der Kreditkrise ist somit sicherlich nicht zu rechnen.

5. Die Maßnahmen wie Leitzinssenkungen oder das von Finanzminister Paulson initiierte „HOPE NOW“-Programm konnten den freien Fall des Hypothekenmarktes zu Beginn des Jahres nicht verhindern. Zumindest deutet sich nun langsam ein Gesundschrumpfen des Hypothekenmarktes auch im Prime- Segment an. Der Prozess des Gesundschrumpfens und damit die Hypothekenkrise dürften nach unserer Einschätzung mindestens noch bis Mitte nächsten Jahres andauern.

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von mehr als 135 Mrd. Euro und über fünf Millionen betreuten Depots gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.