Die Aktienmärkte haben in der abgelaufenen Woche ihre Niveaus verteidigt. Der schwache Arbeitsmarktbericht aus den USA am Freitag war es, der den Märkten nach einem schwachen Auftakt über die Nulllinie verhalf. Er nährte Hoffnungen, dass die Zinserhöhungen der US-Notenbank alsbald enden werden. In Europa haben unterdessen die EZB und die Bank of England ihre Leitzinsen erhöht. Letztere tat dies überraschend, was die Besitzer britischer Aktien mit Rückschlägen quittierten.

USA: Zeichen der Konjunkturabkühlung

Die Sorgen vor einer zu straffen Geldpolitik, die der US-Konjunktur und damit auch den Aktienkursen die Luft nimmt, sind in der vergangenen Woche ein weiteres Stück kleiner geworden. Der Arbeitsmarktbericht für Juli fiel unerwartet schwach aus. Statt der im Schnitt prognostizierten 145.000 neuen Stellen wurden tatsächlich nur 113.000 geschaffen. Die Arbeitslosenquote beträgt nun 4,8 Prozent. Volkswirte hatten mit 4,6 Prozent gerechnet. Unmittelbar nach Bekanntgabe dieser Daten schossen Aktien in die Höhe. Damit wurde die Aussicht gefeiert, dass der Leitzins in den USA mit aktuell 5,25 Prozent nahe seinem Zenit steht. Im weiteren Verlauf wurden diese Kursgewinne aber wieder vollständig abgegeben. In den Vordergrund war die primäre Botschaft des nachlassenden Stellenwachstums gerückt: Die US-Konjunktur kühlt ab. Schon die erste Schätzung zum BIP-Wachstum im zweiten Quartal hatte das deutlich gemacht. Ernsthafte Sorgen muss man sich allerdings nicht machen. Die amerikanische Volkswirtschaft war in den vergangenen Quartalen deutlich über ihrem Potenzial gewachsen, nun kommt sie auf diesen langfristigen Trend zurück. Das ganze kann mit einer Autofahrt verglichen werden: 120 km/h stehen für normales Tempo; schneller fahren ist generell möglich, lässt aber den Verbrauch überproportional ansteigen, sorgt für stärkeren Verschleiß und erhöht gleichzeitig auch die Risiken. Was im Auto dann die sorgenvoll-mahnenden Worte der Mitinsassen sind, sind in der Welt der Finanzmärkte entsprechende Kommentare der Währungshüter und Zinserhöhungen. Mit einem Abbremsen auf 120 km/h oder sogar etwas darunter hört das dann sehr wahrscheinlich auf. Darüber freut man sich zunächst. Allerdings bewegt sich dann auch das Auto etwas langsamer vorwärts. Daran muss man sich gewöhnen. Auf den Aktienmarkt gemünzt heißt das, dass die Erwartungen an die künftigen Unternehmensgewinne überprüft werden müssen. Mit den Wachstumsraten der vergangenen drei Jahre zu kalkulieren, wäre sicherlich zu optimistisch.

Europa: Unternehmen überzeugen

In Europa zog ebenfalls die Geldpolitik große Aufmerksamkeit auf sich. Mit der Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank auf 3,0 Prozent war allgemein gerechnet worden und auch die begleitenden Äußerungen lagen im Rahmen der Erwartungen. Eine Überraschung war indes die Zinsanhebung der Bank of England (BoE). In Anbetracht der zunehmenden Wirtschaftsaktivität und einer demnächst über dem Ziel liegenden Inflationsrate wurde der für das Vereinigte Königreich maßgebliche Leitzins von 4,5 auf 4,75 Prozent heraufgesetzt. Der Markt wertete diesen Schritt als Warnschuss und nicht zwingend als Auftakt für weitere Erhöhungen. Dennoch ging der FTSE 100 unmittelbar nach Bekanntmachung deutlich in die Knie und konnte sich auch bis zum Wochenschluss davon nicht erholen.

Die Berichtssaison der europäischen Unternehmen hat sich unterdessen viel versprechend fortgesetzt. Zwar lies sich bei dem ein oder anderen Zwischenergebnis auch ein Haar in der Suppe finden, so wie zum Beispiel bei der Deutschen Bank, die mit Verweis auf Unsicherheiten über das künftige Wachstum der Weltwirtschaft die Risiken im weiteren Geschäftsverlauf sehr stark betonte. Insgesamt aber steuern die Aktiengesellschaften weiter auf Rekordkurs. Zudem wissen sie mit M&A-Aktivitäten die von den Quartalsberichten ausgelöste gute Laune zu verstärken. So konnte Philips zum Beispiel für eine 3/5-Mehrheit an seiner Halbleitersparte 6,4 Mrd. Euro erlösen. Rund ein Drittel davon soll den Aktionären über Aktienrückkäufe und Dividende zufließen. Käufer der Chipsparte ist ein Private Equity-Konsortium. Die Deutsche Bank hat sich derweil im deutschen Privatkundengeschäft weiter verstärkt. Für 420 Mio. Euro übernimmt sie vom genossenschaftlichen Sektor die Filialen und Kunden der Norisbank. Nach der Berliner Bank vor wenigen Wochen ist das die zweite Verstärkung ihrer zweiten Säule. Von einer Balance zwischen Investmentbanking und Privatkundengeschäft kann aber dennoch keine Rede sein. Letzteres ist noch deutlich kleiner und unrentabler.

Ausblick: Spannende FED-Sitzung am Dienstag

Das Topereignis dieser Woche ist am Dienstag die Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank. Und die verspricht Spannung, denn die Argumente für und gegen einen Zinsschritt halten sich in etwa die Waage. Weitere wichtige Daten folgen am Freitag mit den amerikanischen Einzelhandelsumsätzen für Juli. Besonders beachtenswert in Europa sind am Dienstag und Donnerstag jeweils die Industrieproduktionen für Deutschland bzw. Frankreich für Juni. Eingerahmt werden diese Resultate von den zahlreichen Zwischenberichten vor allem europäischer Unternehmen. Ihre US-Pendants sind quasi durch.

Quelle: Union Investment

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