Der Euro eröffnet heute bei 1.5425, nachdem im Handel in Fernost Tiefstkurse bei 1.5385 markiert wurden. Der USD notiert gegenüber dem JPY derzeit bei 105.50. „Carry-Trades“ zeigen sich stabil bis uneinheitlich. EUR-JPY stellt sich auf 162.80 und EUR-CHF oszilliert bei 1.6100.

    Bevor wir uns den aktuellen Daten zuwenden, bedarf der „Bi-annual Economic Outlook“ der OECD einer näheren Betrachtung. Nach Ansicht der OECD haben die industrialisierten Länder den nahezu perfekten Sturm durch die globale Finanzkrise bemerkenswert gut überlebt.
    Dem stimmen wir auf ersten Blick grundsätzlich zu. Ein zweiter Blick ist hier jedoch notwendig. An dieser Stelle muss der Preis für dieses „Überleben“ thematisiert werden. Nur den Status abzufeiern, griffe hier zu kurz. Der Preis für den aktuellen Status ist die Entmündigung des Prinzips der freien Märkte in wesentlichen Teilen und das ist ein hoher Preis. Nur massivste ordnungspolitische Eingriffe zum Teil global koordinierter Natur, nur massivste Regeländerungen für die Refinanzierung des Finanzsektors sind für den aktuellen Status verantwortlich.
    Die Öffentlichkeit ist auf die kurzfristigen Erfolge der Stabilisierung fixiert, der gezahlte Preis interessiert derzeit noch wenig. Das mag sich im weiteren Zeitverlauf ändern. Es muss schlussendlich gelten, dass diejenigen, die verantwortlich handeln die Früchte des Systems ernten und nicht die verantwortungslosen Protagonisten belohnt werden. Die Lernkurven der letzten 10-15 Jahre wiesen in die falsche Richtung!

    Der Datenpotpourri aus den USA bot dem USD überwiegend Unterstützung:

    • Der „ADP Employment Report“ per Mai wies für den Privatsektor eine Zunahme der Beschäftigung um 40.000 Arbeitsverhältnisse aus. Analysten hatten einen Rückgang um 30.000 Jobs unterstellt. Der Vormonatswert wurde von +10.000 auf +13.000 revidiert. Wir nehmen diese Daten zur Kenntnis.
    • Die US-Produktivität nahm im 1. Quartal 2008 um 2,6% zu. Die Prognose lag bei 2,5%. Die erste Schätzung war bei 2,2% angesiedelt. Kenntnisnahme ist erfolgt.
    • Der ISM-Dienstleistungsindex (Composite) sank per Mai weniger stark als prognostiziert. Es stellte sich ein Rückgang von 52,0 auf 51,7 Punkte ein. Erwartet war ein Rückgang auf 51,0 Zähler. Die Subindices boten ein gemischtes Bild. Der Auftragsindex legte von 50,1 auf 53,6 Punkte zu, während der Beschäftigungsindex von 50,8 auf 48,7 Zähler sank. Ergo ergab sich ein Bild relativer Stabilität in diesem Sektor per Mai.

    © Moody’s Economy.com

    • Der Challenger Report, der Auskunft über angekündigte Massenentlassungen gibt, bot per Mai Molltöne. Die Anzahl von Massenentlassungen betroffener Jobs nahm im Monatsvergleich um 15% auf 103.520 zu. Im Jahresvergleich lag der Anstieg bei 45,6%.

    © Moody’s Economy.com

    Heute steht zunächst der deutsche Auftragseingang im Fokus. Marktbeobachter erwarten im Monatsvergleich einen Anstieg um 0,5%, nachdem es seit Dezember 2007 kontinuierlich zu Rückgängen gekommen ist.
    Das Risiko von negativen Überraschungen nimmt grundsätzlich im Hinblick auf die globale Konjunkturabkühlung zu.

    © Moody’s Economy.com

    Das Direktorium der Bank of England sollte bei der heutigen Sitzung den Leitzins unverändert bei 5% belassen. Inflationsdruck auf der einen Seite und eine sich abschwächende Wirtschaft auf der anderen Seite engen den handelungsspielraum der BoE aktuell ein und forcieren eine abwartende Haltung.

    Der EZB-Rat wird heute keine Veränderung der Leitzinsen veranlassen. Der Fokus liegt auf der Pressekonferenz. Die Themen Inflationssorgen und Inflationserwartungen werden weiter in der Zentralbankwelt der EZB dominant ausfallen.

    Aus den USA folgt die Veröffentlichung der Arbeitslosenerstanträge für die jüngste Berichtswoche per 31. Mai 2008. Analysten prognostizieren einen unwesentlichen Anstieg von 372.000 auf 375.000. Der beigefügte Chart verdeutlicht den sukzessiven Anstieg der Arbeitslosenerstanträge im Verlauf der letzten 12 Monate.

    © Moody’s Economy.com

    Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD favorisiert. Erst ein markantes Überwinden der Widerstandszone bei 1.5720 – 50 neutralisiert den positiven Bias des USD.

    Viel Erfolg!

    Folker Hellmeyer

    Chefanalyst der Bremer Landesbank