Wer dachte, er könne die Sommerzeit zum Entschleunigen nutzen und mal etwas runterkommen, hat sich zumindest als Börsianer oder Politiker radikal getäuscht. Die Ereignisse überschlagen sich geradezu, sei es an den Finanzmärkten oder in der Entwicklung der langsam nicht mehr zu zählenden und benennenden Krisen.
Es wird immer deutlicher, dass man nichts mehr ausschließen kann. Realistisch betrachtet sind 2012 Euro-Bonds denkbar, oder auch das Ende des Euro.

Das ist mein Stichwort: Ein User auf unserer Facebook-Fanpage hat mich auf den wahrscheinlichsten Ausstiegskandidaten gestoßen. Nicht Griechenland (obwohl die Griechen auch heiße Anwärter sind!), nicht Portugal oder Spanien. Sondern Finnland!

Warum Finnland? Zunächst zur Ausgangslage: Die Finnen stehen mit einer Staatsverschuldung von 48,4% (2010) im europäischen Vergleich excellent da und sind AAA-Schuldner. Das BIP wächst dieses Jahr rund 3%. Und es gibt eine brisante politische Situation: Die Rechtspopulisten „Wahre Finnen“ haben im April bei den Parlamentswahlen 19% geholt. So hat Finnland auch begründet, warum es von Griechenland im Rahmen des zweiten Rettungspaketes eine Sonderbehandlung will – nämlich eine Besicherung der Kredite in Form von Cash. Die Finnen wollen also das Geld nur hergeben, wenn sie es gleich wiederkriegen, um es auf den Punkt zu bringen. Sonst sei das Paket im Parlament zum Scheitern verurteilt.

Finnland ist das einzige skandinavische Land, das den Euro bisher eingeführt hat. Dänemark muss aufgrund einer Sonderregelung genauso wie Großbritannien den Euro nie übernehmen („opt-out“), Norwegen ist gar nicht in der EU (die Wähler haben den Beitritt in Volksabstimmungen abgelehnt), Schweden hat 2003 ebenfalls in einer Volksabstimmung den Beitritt zur Währungsunion abgelehnt und wird einen Teufel tun, egal was die Beitrittsverträge sagen. Da es den anderen drei skandinavischen Ländern ohne Euro glänzend geht, haben die Finnen in ihrer Mehrheit bestimmt keine Angst davor, den wenig geliebten Euro aufzugeben. Dazu kommt, dass sie es sich im Gegensatz zu anderen Ländern auch ohne riesige Kollateralschäden erlauben können.

Finnland ist mit gut 5 Mio. Einwohnern ein Leichtgewicht in Europa und stabil. Will z.B. Griechenland raus, gibt es aufgrund einer zu erwartenden schwachen Drachme mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Bankenrun und massive Kapitalflucht (soweit nicht bereits erfolgt). Wollte Deutschland den Euro verlassen, gäbe es auch einen Bankenrun (im Rest Europas) und auch Kapitalflucht - nach Deutschland. Aber Finnland kann den Weg wahrscheinlich gehen, ohne dass gleich die Welt untergeht. Beben würde es allerdings sicher, denn dann wäre die Büchse der Pandora geöffnet und der Euro auf mittlere Sicht stark gefährdet.

Bitte bedenken Sie: Das sind Gedankenspiele! Ich habe keinen einzigen harten Hinweis darauf, dass die Finnen etwas derartiges planen. Den wird’s aber auch nicht geben, denn wer so etwas vorhat, schreibt es nicht in die Zeitung. Ich habe aber eine sehr risikoarme "Spekulationsmöglichkeit" auf diesen Fall parat: Die Eröffnung eines Kontos in Finnland. Wenn nichts passiert, haben Sie weiterhin Euro. Falls doch, dürfte ihr Konto in die künftige finnische Währung mit konvertiert werden. Und die wertet mit hoher Wahrscheinlichkeit auf. Der Name könnte zumindest bei Deutschen Vertrauen wecken: Finnmark.